… erzählen Geschichten

Was ist das älteste Objekt im Museum? Welches Stück ist besonders wertvoll, selten, schön, lustig oder sogar gruselig? Wer die Antworten erfahren möchte, kann sich auf eine spannende Entdeckungsreise im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen begeben. Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens zeigt es in einer Sonderausstellung 100 besonders bemerkenswerte Objekte. Jedes davon erzählt eine eigene Geschichte.

Die Sammlung des Historischen und Völkerkundemuseums (HVM) St. Gallen ist gewaltig: Sie umfasst rund 70.000 Objekte. Davon kann freilich nur ein Bruchteil ausgestellt werden. Aber welche Stücke sind herausragend genug, um sie in einer Jubiläumsausstellung zu zeigen? Was repräsentiert die vier Abteilungen Geschichte, Weltkulturen, Archäologie und Kindermuseum? Was beeindruckt die Besucherinnen und Besucher, was macht sie neugierig, was weckt Freude und Entdeckergeist? Das HVM St. Gallen hatte zum Jubiläum eine zündende Idee: Es wählte 100 höchst unterschiedliche Objekte aus und ordnete sie thematisch sechs verschiedenen Rundgängen zu.

Entdeckungsreise durch die Zeit und Welt

Die Besucherinnen und Besucher starten in einem oktagonalen Raum mit mehreren Türen und entscheiden selbst, durch welche Pforte sie gehen wollen: Sie können mit dem Rundgang zu den wertvollsten und schönsten Objekten beginnen. Oder sie öffnen die Tür, die zu den seltensten und überraschendsten Stücken führt. Oder sie begeben sich auf die Suche nach den ältesten und gruseligsten Exponaten. „Folgen Sie Ihrem Gefühl“, empfiehlt Monika Mähr, die stellvertretende Museumsdirektorin und Kuratorin dieser Ausstellung. Ihr Ziel ist es, Neugierde zu wecken und Emotionen anzusprechen. So gleicht jeder Rundgang einer Entdeckungsreise durch die Zeit, durch die Welt und durch die Entwicklung der Museumsammlung.

Alt, wertvoll, gruselig und schön

Weit zurück in die Menschheitsgeschichte führt zum Beispiel das älteste Objekt: Es handelt sich um einen Markasit, der vor rund 50 000 Jahren zum Feuermachen genutzt wurde. Gruselige Assoziationen weckt hingegen ein Apothekergefäß, in dem einst pulverisierte Bestandteile von Mumien aufbewahrt wurden. Zu den wertvollsten Gegenständen des HVM gehören eine Skulptur (oder Kraftfigur) aus Afrika und ein (evtl.) magischer Trinkbecher aus Rhinozeroshorn aus China. Keinen materiellen, aber einen historischen Wert hat ein Feldbrot, eine Art Zwieback, aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Es wurde nicht gegessen, ist nicht zerbrochen und nicht verschimmelt – und hat es deswegen als außergewöhnliche Rarität in die Jubiläumsausstellung geschafft. Und was ist das schönste Objekt? „Das ist Ansichtssache“, erklärt Kuratorin Monika Mähr. „Deshalb zeigen wir hier eine Auswahl schöner Handwerkskunst und stellen Objekte zu den Schönheitsidealen verschiedener Epochen und Kulturen vor.“

Eine App weist den Weg

Eine App leitet die Besucherinnen und Besucher, die nach dem Besuch der Sonderausstellung weitere Highlights in der Dauerausstellung entdecken möchten, in sechs Rundgängen durch das ganze Museum und schließlich sogar bis in die Altstadt von St. Gallen. Passend zur Sonderausstellung ist der Katalog „Objektwelten – 100 Entdeckungen“ erschienen. Eine weitere Jubiläumsschrift trägt den Titel „Museumswelten – 100 Jahre HVM“. Es erzählt Museumsgeschichten aus 100 Jahren.

„Klimt und Freunde“

Während die Sonderausstellung „Entdeckungen – Highlights der Sammlung“ mit museumseigenen Objekten bestückt ist, kam die zweite Jubiläumsausstellung dank vieler Leihgaben zustande. „Klimt und Freunde“ ist noch bis zum 25. Juli zu sehen. Diese Schau stellt die Kunstmetropole Wien um 1900 vor, rückt die Werke des österreichischen Ausnahmekünstlers Gustav Klimt und der Kunstschaffenden seiner Zeit in den Mittelpunkt und zieht Parallelen zum Stickereiboom in St. Gallen. „Klimt und Freunde“ ist die bisher größte und aufwendigste Sonderausstellung des HVM.

bis 25.07.2021| Sonderausstellung „Klimt und Freunde“
bis 27.02.2022 | Sonderausstellung  „Entdeckungen – Highlights  der Sammlung“

Historisches und Völkerkundemuseum
Museumstr. 50
CH-9000 St. Gallen
+41 (0)71 242 06 42
www.hvmsg.ch

Text: Ruth Eberhardt

Fotos: Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen