Zweihundert Jahre ist es her, dass Hortense de Beauharnais den illustren Namen Bonaparte am Untersee nachhaltig ins Spiel brachte. Die damalige Entscheidung der Mutter Napoléons III., in den Wirren der französischen Restauration Konstanz und den Thurgau als Zufluchtsort zu wählen, kann als Glücksfall auch für den hiesigen Tourismus gesehen werden. Vive Napoléon!

Charles Louis Napoléon Bonaparte, der spätere Napoléon III., war der Sohn von Louis Bonaparte und Hortense de Beauharnais, Königin von Holland, und ein Neffe Napoléons I.. Seine Mutter hätte den kleinen Louis Napoléon zu gerne als künftigen Kaiser Frankreichs gesehen, aber der Sturz Napoléons I. im Jahr 1815 machte zunächst alle Ambitionen der Bonapartisten zunichte, Hortense de Beauharnais und ihr Sohn mussten fliehen. Zunächst nach Konstanz. Dort bewohnten sie in Petershausen für kurze Zeit das Zumsteinsche Gut, dann das spätere Schloss Seeheim. In ihren Aufzeichnungen schreibt dazu Hortense: „La maison, que j´habitais, était située au bord du lac. Les vents déchainés contre elle avec force, les ouragans affreux qui menacaient de la renverser, cette nature en désorde étaient trop d´accord avec I´état de mon âme…“ (Das Haus, in dem ich wohnte, lag am Ufer des Sees. Die kraftvoll dagegen tobenden Winde, die schrecklichen Stürme, die es umzustürzen drohten, diese in Verwirrung geratene Natur war zu sehr in Übereinstimmung mit dem Zustand meiner Seele.)

1817 kaufte Hortense de Beauharnais das thurgauische Schloss Arenenberg und ließ es nach Pariser Vorbildern restaurieren und einrichten. Die Parkanlagen sind eine kleine Kopie des Parks von Malmaison, des Wohnsitzes von Kaiser Napoléon I. bei Paris. Der kleine Hofstaat, den Hortense um sich und ihren Sohn versammelte, prägte Kultur, Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben am See. Louis Napoléon verbrachte einen großen Teil seiner Jugend im Thurgau, das Alemannische beherrschte er perfekt. Sein technisches Interesse belegen regelmäßige Schießübungen mit Kanonen auf die gegenüber liegende Reichenau. Deren Bewohner nahmen das wohl gelassen, denn die Bonapartes waren geschätzt in ihrer Wahlheimat. Auch für die Damenwelt hatte der junge Louis Napoléon ein großes Faible. Es wird immer noch gemutmaßt, dass er am Untersee für – illegitimen – Nachwuchs gesorgt hat. Beispielsweise mit der Allensbacherin Maria Anna Schiess, deren 1839 geborener Sohn den klingenden Namen „Bonaventur“ (schönes Abenteuer) erhielt.

Zeitlebens bezeichnete Louis Napoléon die Landschaft am Bodensee als seine Heimat, Frankreich dagegen als sein Vaterland. Hortense de Beauharnais lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1838 auf Schloss Arenenberg. Ihr Sohn war unterdessen längst wieder in die Politik verstrickt. Als seine Mutter im Sterben lag, kehrte er aus seinem Exil in den USA in den Thurgau zurück. Frankreich verlangte daraufhin von den Schweizern seine sofortige Auslieferung. Da er jedoch als Offizier in der Schweizer Armee gedient hatte, die Schweizer Staatsbürgerschaft besaß und Ehrenbürger des Kantons Thurgaus war, weigerten sich die Eidgenossen. Worauf Frankreich wiederum das Heer mobilisierte. Ein Krieg wurde nur durch Louis Napoléons schnelle Ausreise nach England verhindert.

1843 musste Louis Napoléon, der im nunmehr englischen Exil Geld benötigte, das Schloss verkaufen. Zwölf Jahre später machte es ihm jedoch seine Frau, Kaiserin Eugénie, zum Geburtstagsgeschenk. Der letzte Aufenthalt Napoléons III. auf dem Arenenberg datiert aus dem Jahr 1865. Eugénie vermachte das Anwesen 1906 dem Kanton Thurgau. Heute befindet sich dort das weitgehend original möblierte Napoleonmuseum.

Auf dem Arenenberg dreht sich im Jubiläumsjahr alles um Hortense de Beauharnais. „Eine Königin macht Dampf – Zeitenwende am Bodensee 1817-1837“ heißt die große Jubiläumsausstellung, mit der das Museum vom 23. Mai bis zum 22. Oktober Hortense de Beauharnais, ihr Leben und ihren Einfluss am See eindrucksvoll inszeniert. Eine Augenweide wird es sein, wenn die über 60 verschiedenen Hortensien-Sorten auf dem Arenenberg in diesem Jahr erstmals in voller Pracht erblühen.

Wie stark das Band zwischen Louis Napoléon und der Region war, belegt auch folgende Geschichte: Anlässlich seiner Krönung 1852 zum Kaiser Napoléon III., stattete ihm eine Abordnung von Konstanzern einen Gratulationsbesuch ab. Der Kaiser revanchierte sich mit einem goldenen Adler, der bis heute den Erker des früheren Konstanzer Gasthauses „Zum goldenen Adler“ (jetzt Commerzbank an der Marktstätte) ziert. In diesem Gasthaus hatte er als Kind einen Monat lang gelebt und es auch später noch oft besucht.

Im „Hotel de l´Aigle“ verkehrten, nebenbei erwähnt, noch viele andere Berühmtheiten, darunter der französische Philosoph Michel de Montaigne, Joseph II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Zar Alexander von Russland, der sich hier mit Kronprinz Ferdinand von Österreich traf. Und Goethe war auch zweimal da.

Auch eine Art von Verbundenheit mit den Bonapartes zeigt der Thurgau mit dem Wiederaufbau des Napoleonturms in Hohenrain/Wäldi. Das so genannte „Belvedere zu Hohenrain“ wurde 1829, offenbar auf Betreiben von Louis Napoléon, von einem einheimischen Zimmermann erbaut. Mit seinen gut 20 Metern Höhe bot er einen schönen Rundumblick, den der Franzose mit seiner Mutter des Öfteren genossen haben soll. Schon 1855 war der Turm verfallen und musste abgerissen werden. Der neue Turm ist deutlich höher als der alte: 205 Stufen führen bis auf 40 Meter hinauf. Am 20. Mai ab 14 Uhr ist feierliche Einweihung und Eröffnung – mit Festwirtschaft bis 17 Uhr.

Text: Claudia Antes-Barisch