„Es geht hier um nichts Geringeres als die Zukunft des Büros“, fasst Otto Kasper die Idee zu seinem neuen Buch zusammen. In Rielasingen wurde schon so manch international Aufsehenerregendes bei Kasper produziert. Doch das neue, gerade preisgekrönte Buch-Projekt „Workplace Living“ ist nun die Synthese eines reichlich angefüllten Lebens dieses kreativen Grenzgängers, das zwischen Kunst, Fotografie, Technik, Akustik, Licht- und Raumgestaltung mäandert und nun als geistreiches Wissen aus einem großen, „glänzend gemachten“ 276-Seiten-Bilderbuch auf jeder Seite hervorquillt.  Und weil Wissen bekanntlich Macht ist, stellt dieses Buch die Frage, was „macht“ man denn in Zukunft in und mit den vielen Büros in unserer kleinen Welt am großen Teich und weit darüber hinaus. Wie wird Arbeiten organisiert und organischer, wie werden Büros kre(n)atürlicher?

Corona beschleunigt Entwicklungen. Und so sind Szenarien, die noch vor einem Jahr undenkbar gewesen wären, plötzlich möglich. Die Arbeitswelt wird auf den Prüfstand gestellt. Mobiles Arbeiten wird zum Trend. Dennoch sehnt man sich nach dem Gruppenkuscheln im Büro. Die Generation „Y“ bekommt jetzt ihre große Chance. Und es wird die Frage gestellt: „Hat das klassische Büro ausgedient?“ Oder besser: „Wie könnte das Büro der Zukunft aussehen?“ Und sowieso: Büro sagt man nicht mehr. Workplace. Und weil viele viel Lebenszeit da verbrachten und verbringen, Workplace Living.

Wie immer gibt’s dazu viel Neues und das alleine ist an sich „nix Neues“, denn in jeder Dekade wurde das Büro als Arbeitsplatz neu erfunden, wiederbelebt, umgewandelt oder wiederum einfach für tot erklärt, um es mit neuen Ideen wiederauferstehen zu lassen. So spricht man also seit einem halben Jahrhundert „vom Büro der Zukunft“. Aber nun hat die Zukunft einfach die Realität rechts überholt. Weltweit in pandemischen Ausmaßen.

Ohne dass es die Industrie steuern konnte, kam durch Corona der „fluchtartige“, direkte Wechsel ins eigene Büro nach Hause und ins „mobile office“. Für die einen Fluch, für die anderen Segen. Viele Mitarbeiter, die nach monatelang isoliertem Homeoffice wieder an ihre „gewohnten“ Arbeitsplätze in die Firmen zurückkehren, erleben einen Kulturschock. Warum? Sie selbst haben sich in dieser Zeit verändert, weil sie ihre Umgebung sowie den Anspruch an ihre Tätigkeit und damit verbunden ihre Aufgaben und den Sinn hinterfragt haben und weiterhin kritisch beobachten. Dazu kam noch bei vielen die Desozialisierung durch ein berufliches Eremitendasein. „Das Büro“ wird nun mit anderen Augen betrachtet und das ist auch gut so!

The Future of Work is Human


Der künftige Arbeitsplatz mutiert mehr denn je zum „Marktplatz für sozialen Austausch“, Teamarbeit wird neu organisiert werden und das Büro zum konzentrierten sowie kreativ-inspirierenden Ideenzentrum hin entwickelt. Die Amts-Flure mit funktionalen Hasenställen haben ebenso ausgedient wie großräumige Büro-Hallen mit kleinteiligen Office-Nischen. 

Der Rückzug ins Homeoffice ist ein Siegeszug für die Vernetzung und Flexibilisierung. Hinzu kommt, dass die längst überfällige digitale Kommunikation auch Geschäftsfahrten und Reisen überflüssig macht. Quälendes Flugmeilensammeln, unnütze Wartezeiten, Staus und Kilometerschrubben auf den Autobahnen werden entfallen. Ökologisch eine Großtat. Und reale Treffen erfahren dadurch einen neuen Sinn, eine neue Wertigkeit. Die dafür nun notwendigen Räumlichkeiten sind mit alten Büro-Strukturen kaum erfüllbar.

So hat in „dunklen Stunden, über Nacht hat ein neues Zeitalter am Arbeitsplatz begonnen: The Future of Work is Human“. Dafür müssen neue Räume und neue Arbeitsumgebungen geschaffen werden. Unternehmen, Einrichter, Gestalter, Architekten und Mitarbeiter selbst müssen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Otto Kasper liefert mit seinem neuen, edlen Buch „WORKPLACE LIVING“ auf 276 Seiten Inspiration mit 220 Abbildungen auf Doppelseiten im Kingsize-Format. Im Mittelpunkt stehen die Bildwelten zum Thema Büro, Arbeitsplatz sowie Akustik- und Lichtgestaltung. Dafür erhielt es im Frühjahr 2021 den Buchpreis des ICMA in der Kategorie „Books – Guides and non-fiction“ aufgrund herausragender Konzeption und Design. Der internationale ICMA-Award kürt jedes Jahr die besten Einreichungen aus über 20 Ländern. Und wieder einmal landet eine Trophäe in Rielasingen – wo auch sonst …

Der künftige Arbeitsplatz wird mehr denn je sozialer Marktplatz für Austausch, Teamarbeit und Ideenzentrum sein.

Oft sind persönliche Erlebnisse der Auslöser für geniale Ideen. So auch bei Otto Kasper, der aufgrund eines familiären Schicksalsschlags begann, sich mit den schädlichen Auswirkungen von Schall zu beschäftigen: „Wie sich der Schall in einem Raum ausbreitet, kann man an einem ganz einfachen Beispiel demonstrieren. Wenn man einen Flummiball gegen feste Widerstände wirft, prallt dieser im rechten Winkel ab und springt von Fläche zu Fläche durch den ganzen Raum. Es ist beeindruckend, wie der Ball ohne gefühlten Geschwindigkeitsverlust durch ein Zimmer schießt. Das funktioniert aber nur, solange der Ball auf harte Gegenstände prallt. Würde er auf ein Wattekissen treffen, wäre die Springerei beendet. So ähnlich verhält sich auch der Schall. Er prallt ebenfalls im rechten Winkel von einer harten Oberfläche zur anderen. Wenn der Schall aber auf einen Absorber trifft, wird er geschluckt und eliminiert.“

Das erklärt ganz einfach, weshalb Schallabsorber in Räumen mit harten Wänden, Böden und Decken wichtig sind. Und sich dennoch unauffällig jeglicher Architektur, Einrichtung, jeglichem Stil und jeglicher Philosophie anpassen lassen sollten. Darüber zerbrachen sich Kasper und sein Team lange den Kopf und schließlich ersannen sie den „Schallsauger“. Im Grunde ist der Schallsauger ein akustisch absorbierendes Bild an der Wand oder sogar gleich die ganze Wand oder die Decke oder ein Teil davon und wahlweise mit Licht oder ohne, als abstrakte Kunst oder als reale Fotografie und überdies auch noch jederzeit austauschbar. Also ganz einfach. Eigentlich. Genial einfach. 

Wer die besten Arbeitsplätze hat, hat motivierte Mitarbeiter.

Doch darum und drumrum ist noch so viel mehr möglich: Und weil man dieses ganze Mehr an Möglichkeiten schlicht nicht versteht, wenn man es sich nur vorstellt, zeigt Kasper mit seinem Team halt einfach mal, was er so denkt und was er kann: „Wir haben für dieses Buch viele Einrichtungsideen entwickelt und uns dabei überlegt, wie wir diese Konzepte visuell zeigen könnten. Wir, das sind Hans Noll und ich als Fotodesigner sowie Inga Weber als Stylistin. Dazu kommen noch unsere Kulissenbauer, Elektro- und Werbetechniker. Wahrscheinlich werden die Techno-Freaks jetzt sagen, dass es mit 3D-Renderings virtuell viel einfacher lösbar gewesen wäre. Daran haben auch wir als Allererstes gedacht. Die Technik und das Wissen wären vorhanden. Aber wir wollten nicht diese kalten leblosen Cyber-Bilder, die so unterkühlt wirken, dass man an dem gezeigten Ort nicht wirklich sein möchte. Der größte Teil der Möbelprospekte wird zwischenzeitlich so hergestellt, und alle sehen dadurch gleich aus. Spirit, Herz und Seele bleiben auf der Strecke. So haben wir uns entschieden, dem Buchtitel zu folgen und tatsächlich „Workplace-Living“ live und real umzusetzen. Wir haben uns für den lebenden Dialog mit den Materialien, dem Licht, der Akustik und einer durchdachten Dekoration entschieden. Gerade deshalb, weil der wichtige Part der Dekoration und der stylishen Gestaltung von Büros noch völlig in den Kinderschuhen steckt. Zu Hause wird mit Einrichtungsdekorationen und Accessoires gearbeitet, ebenfalls in Shops und Hotels oder in der Gastronomie. Am Arbeitsplatz und im Büro eher weniger. Wir reden doch von Erlebnisgastronomie. Warum reden wir nicht auch einmal vom „Erlebnisbüro“? Wir wollten das Experiment starten und aus der theoretischen Phase ausbrechen. Dazu haben wir uns extra für mehrere Monate ein Fotostudio eingerichtet: ein einziger großzügiger Raum, in dem wir alle Einrichtungsideen und Rauminszenierungen aufbauen konnten. Lediglich der Blickwinkel in Form von unterschiedlichen Kamerapositionen sollte sich in diesem Raum verändern. Wir haben uns für elf Lifestyle-Themen für den kreativen Arbeitsplatz der Zukunft entschieden, die wir exklusiv für dieses Buch umgesetzt haben. Dazu gaben wir uns jede Freiheit für die Gestaltung. Und wir haben alle Regeln von Arbeitsschutz oder Ergonomie unbeachtet gelassen. Nennen wir es Experiment oder freie Inszenierung mit der Absicht, Einrichter, Architekten, Hersteller und Menschen zu inspirieren, die das Leben am Arbeitsplatz verändern wollen“, erzählt Otto Kasper und begründet: „Wer die besten Arbeitsplätze hat, hat motivierte Mitarbeiter – das sieht man doch schon an uns, dass es funktioniert!“

Alle ganz einfach, eigentlich …

WORKPLACE LIVING – das neue Wohlfühlbüro.
erhältlich im Deutschen Buchhandel.
ISBN 978-3-947572-66-3. 276 Seiten. 74,00 € [D]
Informationen unter www.workplace-living.de


Otto Otto!

Oft sind persönliche Erlebnisse der Auslöser für geniale Ideen. So auch bei Otto Kasper, der aufgrund eines familiären Schicksalsschlags begann, sich mit den schädlichen Auswirkungen von Schall zu beschäftigen.
Otto Kasper (geb. 27.10.1954 in Singen) ist – laut Wikipedia – ein deutscher Fotograf, Werbedesigner, Erfinder, Akustiker, Buchautor und Verleger. Ausstellungskurator fehlt da übrigens (z.B. im Dix Haus). In den 1980ern hat er sich Europas größtes Tageslicht-Studio ausgerechnet in der Metropole Rielasingen gegönnt. Heute ist es zur Produktionshalle, Werbeagentur, Messebau-Halle umfunktioniert und sowieso schon wieder zu klein, weswegen eine Halle daneben bereits hinzukam, in der auch die Buch-Motive allesamt aufgebaut und wieder abgebaut wurden. Wie beim Messe- oder Bühnenbau. Eine eigene Welt – nur, um einmal als Fotografie in einem Buch zum Leben erweckt zu werden …

Apropos Leben: Der Vater vierer Kinder, wobei drei davon im Unternehmen engagiert sind, wurde international bekannt durch seine Fotoperformance mit dem 10 Meter hohen „roten Stuhl“, die weltweit von 80 Magazinen wie Stern, Life, New Look oder Illustré begleitet wurde. Damals alles in echt gebaut, was heute am Rechner spektakulär in Jurassic-Park-Manier aufgebaut werden würde. Seine Fotografien und Arbeiten als Art Director schmücken internationale Kampagnen wie Siemens, DHL, Krombacher (wer Fußball-Länderspiele anschaut, kennt vorneweg den blauen See im Anflug, der ist von Otto Kasper). Auch Deutsche Post, Bosch, Heine, Audi griffen auf den Fotografen aus dem Hegau zurück. Für Riedel Glas fotografieren sie noch heute alle Kampagnen, legendär, die Kampagne, bei der die internationale Getränke-Prominenz wie Gaja, Antinori oder Hennesy mit ihren Luxusgetränken in einem Riedelglas vor seiner Linse posierten und in Anzeigenkampagnen Seitenweise in allen internationalen Magazinen abgefeiert wurden. Heute würde sowas auf Social Media viral gehen …

Er erhielt für seine Arbeiten zahlreiche internationale Preise bei der Kalenderschau Stuttgart, mehrfach den Kodak-Kalenderpreis, Preise beim ADC Tokyo, Nominierung beim ADC New York und mehrfach die Goldmedaille im Deutschen Plakat-Grand Prix.  Trotzdem hat er bereits in den 1980ern erkannt, dass das Ende der Fotografie, wie man sie kannte, nahte und eine ganze Fotografen-Branche sich transformieren werden müsse. Darum hat er folgerichtig auf andere Bereiche gesetzt und als größeres Unternehmen mit seinem Team etwas ganz Neues geformt. Und Fotografie trotzdem noch dazu neu belebt.
Als Werbetechniker hat er u.a. die gesamte DHL-Fahrzeugpalette, immerhin der Welt größte Logistikflotte, vom Flugzeug bis zum Poschtler-Fahrrad gestaltet, und sogar Interieurs der DHL-Filialen, bis hin zur Weste der freundlichen Mitarbeiter stammen von ihm und seinem Team. Seit über 40 Jahren beschäftigt er sich überdies mit der Gestaltung und Ausstattung von Büros und hat für viele bekannte Unternehmen in dieser Branche gearbeitet. Jahrzehnte hat er Raumillusionen für die Möbelindustrie gestaltet, aufgebaut, dekoriert und fotografiert. 

Seit 2010 hat er mit dem SCHALLSAUGER und der LED-LightBoxx äußerst erfolgreiche Produktinnovationen für die Raumgestaltung entwickelt. Mit seinem schier unerschöpflichen Ideenreichtum beschäftigt er sich derzeit vor allem mit den Fragen: Wie sieht das Büro der Zukunft aus und wie beeinflusst Schall und Licht unser Arbeiten? Die Antworten dazu hat er nun in ein ganzes Buch gepackt: „WORKPLACE LIVING“, auf 276 Seiten, 220 Abbildungen auf Doppelseiten im Kingsize-Format und pointierten Texten, denn auch das beherrscht Otto Kasper. 


KASPER GmbH
Rudolf-Diesel-Str. 2
D-78239 Rielasingen

Text: Christine Neu, Markus Hotz
Fotos: Kasper Studios

Beitragsbild: Reichenau, Tisch im See