Florian Jahnel aus Konstanz hat sich 2016 mit seinem Filmteam beim größten Kurzfilmwettbewerb der Welt „99 Fire-Films-Award“ beworben und konnte sich mit seinem Kurzfilm „Nick Shades: Die Entscheidung“ unter 3704 Teilnehmern durchsetzen. Die Teilnehmer bekommen das Thema per Mail zugesendet, ab dann beginnt die Produktionszeit von 99 Stunden. Der eingereichte Film muss 99 Sekunden lang sein.
Wir haben uns mit Gewinner Florian Jahnel getroffen, um kurz vor dem Startschuss des kommenden Wettbewerbs 2017 zu fragen, wie es ihm seither ergangen ist.

Und hier ist das prämierte Video:

 

Akzent: Wie kamt ihr auf die Idee, beim „99 Fire-Films Award“ teilzunehmen?

Florian Jahnel: Ich habe eine kleine Filmproduktionsfirma „umbelichtet“, mit der wir hauptsächlich Unternehmens- und Imagefilme sowie Werbung machen. Allerdings kommen wir eigentlich schon alle eher aus der kreativen Branche, das heißt, unser Anliegen ist es unter anderem Richtung szenischer Film zu gehen. Deswegen suchen wir im ganzen Betriebsalltag immer mal wieder eine „Ausrede“ um etwas Kreatives zu machen. Aus diesem Grund nehmen wir ab und zu an Filmwettbewerben teil, wenn es die Zeit und die Arbeit erlaubt. Bei den „99 Fire Films“ haben wir bis jetzt zweimal mitgemacht. 2014 zum ersten Mal. Uns spricht dieser Wettbewerb vor allem an, weil er so komprimiert und knackig ist, da gibt man dann ein langes Wochenende mal richtig Gas und dann ist das Projekt erst mal abgeschlossen. Für mich persönlich ist das auch ein Trainingsfeld für den szenischen Film.

Akzent: Wofür habt ihr das Preisgeld von 9 999 Euro verwendet?

Florian Jahnel: Wir haben natürlich erst mal ordentlich gefeiert. Die Feier fand im Wohnzimmer Konstanz statt, die uns für die letzte Szene ganz spontan ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben. Das war wirklich super. Wir haben dann während dem laufenden Betrieb eine kleine Ecke bekommen, dort einen Sessel und Licht aufgebaut und angefangen zu drehen. Abgesehen vom Feiern, haben wir das Geld unter uns aufgeteilt, jeder hat seinen Anteil zur freien Verfügung bekommen. Außerdem wurde ein Teil in die Firma gesteckt und Ausrüstung gekauft. Ein weiterer Teil wurde als Budget für weitere Drehs angelegt.

Akzent: Wie schafft man es, während der 99 Stunden einen kühlen Kopf zu bewahren?

Florian Jahnel: Dieser zeitliche Geiz des Wettbewerbs passt eigentlich sehr gut aufs Filme machen. Beim Filme machen geht’s, neben den kreativen Aspekten um zwei Sachen: Erstens Probleme in kurzer Zeit lösen können. Das beinhaltet auch, wie man in kurzer Zeit auf eine Idee kommt, wie man die Utensilien für den Dreh organisiert und welche Locations passend sind. Und zweitens geht es auch darum, es sich selbst zu beweisen. Diese Aspekte reizen mich persönlich sehr, am „99 Fire- Films Award“ teilzunehmen, weil diese spontane Kreativität gefordert ist. Natürlich hilft es, ein Drehbuch zu haben und zu schreiben, aber es geht einfach nicht anders, als dauernd zu schauen, welche Möglichkeiten sich bieten und was davon umsetzbar ist.

Akzent: Bedeutet das auch, dass sich der Plot erst während der Arbeiten entwickelt bzw. verändert hat?

Florian Jahnel: Das nicht unbedingt. Als wir angefangen haben zu drehen, wussten wir dann schon wie der Film werden wird. Nachdem die Szenen abgedreht waren, wurde der Film dann noch komplett nachvertont. Unser Team war sehr sound-lastig. Von den 6 Leuten im Team, waren 3 für den Sound verantwortlich. Da haben wir auch wirklich sehr viel Arbeit reingesteckt.

Akzent: Habt ihr die 99 Stunden bis auf die letzte Minute gebraucht?

Florian Jahnel: Wir hatten vielleicht noch ungefähr 3 Stunden übrig am Ende. Klar, man hätte es auch schneller machen können, aber der letzte Schliff soll dann auch nicht übereilt werden.

Akzent: Wie hat die Jury ihre Entscheidung begründet? Gab es ein ausschlaggebendes Element, warum sich euer Film gegen die anderen durchgesetzt hat?

Florian Jahnel: Der Film ist stimmig und auf den Punkt getroffen. Er fesselt einen, auch aufgrund der Atmosphäre. Er ist auch ein bisschen ungewöhnlich, wenn man sich das Spektrum der eingereichten Beiträge anschaut und sticht deswegen heraus. Die Pointe bleibt einem in Erinnerung.

Akzent: Darf man erneut teilnehmen, wenn man bereits gewonnen hat?

Florian Jahnel: Ja, natürlich.

Akzent: Habt ihr 2017 geplant, nochmals teilzunehmen?

Florian Jahnel: Angemeldet haben wir uns, wenn es zeitlich irgendwie reinpasst und sonst nichts dazwischen kommt, werden wir wieder teilnehmen. Ich gehe das sehr entspannt an, die Teilnahme hat bisher immer sehr viel Spaß gemacht. Ansonsten sind die Top 99 auf die Gala des kommenden Wettbewerbs eingeladen, das bedeutet ich werde auf jeden Fall wieder in Berlin sein.

Akzent: Hast du Ratschläge oder Tipps für potenzielle Teilnehmer?

Florian Jahnel: Ich muss ehrlich sagen, ich sehe es ein bisschen kritisch, wenn gesagt wird, dass man kein spezielles Equipment braucht und man auch mit Smartphone teilnehmen kann. Natürlich kann man auch mit der Smartphone-Kamera einen guten Film machen, aber dann muss die Story überzeugen. Ein Film ist schlicht und ergreifend ein visuelles Medium und für mich persönlich ist es schon entscheidend, in welcher Art und Weise dieser später gezeigt wird. Ich denke, ein konkreter Tipp ist eigentlich das Motto vom letzten Jahr: „Hauptsache ihr habt Spaß“. Es macht einfach Spaß, sich darauf einzulassen. Ich wusste ganze lange nicht, ob dieser Film, den wir machen, überhaupt etwas taugt. Aber genau das ist ja auch das Spannende an der ganzen Sache.

Akzent: Hat sich durch den Gewinn konkret etwas verändert?

Florian Jahnel: Man kriegt auf jeden Fall zunächst Mal eine Menge Medientrubel. Auf den Bereich, in dem ich arbeite, wirkt sich der Gewinn nicht in so großem Maße aus. Ich denke der Gewinn ist vor allem ein bestätigender Faktor für Kunden und fördert das Vertrauen. Eine große Sache, die sich verändert hat, ist, dass wir die Grundidee von Nick Shades genommen haben und daraus ein Serienkonzept entwickelt haben. Da wird momentan der Pilot gedreht. Man muss sich einfach auch bewusst sein, dass durch den Gewinn nicht plötzliche große Filmproduzenten auf einen zukommen, sondern dass man sich nach wie vor selbst bemühen muss. Aber es ist eine Chance und wenn man die gut ausnutzt, dann kann man echt was daraus machen.

Akzent: Wurde der Film nur in Konstanz gedreht?

Florian Jahnel: Ja, tatsächlich. Wie ich ja schon gesagt habe, hat uns das Wohnzimmer seine Räume für die letzte Szene zur Verfügung gestellt. Die andere Szene wurde in einer alten Siemens-Halle direkt gegenüber von unserem Büro gedreht. Was interessant ist, dass wirklich nur diese eine Fensterfront, die im Film auftaucht, auch wirklich so aussieht. Deswegen ist der Film auch so gedreht, wie er gedreht ist. Große Brennweite und kleines Sichtfeld. Wir waren da schon etwas beschränkt, ein bisschen weiter rechts oder links und es wären Steckdosen oder andere Gegenstände im Blick gewesen wären, die man jetzt nicht unbedingt im Bild haben will.

www.99fire-films.de