Wenn ich irgendwem verständlich machen muss, wie sympathisch-schizoid eigentlich die Region „funktioniert“ und wie sie sich wechselseitig zu Topleistungen anstachelt, nehme ich gerne die Bäder-Landschaft als „Krankheitsbild“.

Denn rund um den nur denkbar größten Badetümpel Mitteleuropas bauen alle Städtle wie wild auch noch künstliche Badelandschaften im Rekord-Wettbewerb.

Wasser marsch: 2003 eröffnete Meersburg den Reigen moderner Badetempel direkt am Seeufer mit 13,5 Mio. Euro Bauvolumen für die Therme. Dicht darauf (auch räumlich gemeint!) eröffnete die Überlinger Therme für rund 18,5 Mio. Das konnte sich Konstanz ja wohl kaum bieten lassen und legte 2007 mit gut 22,5 Mio. nach.

Die sechs oberschwäbischen Thermen hatten in den 80er- und 90er-Jahren einen ähnlich dichten Eröffnungsreigen – zeitlich und räumlich: In Bad Saulgau, Bad Buchau, Bad Wurzach und in das Jordanbad wird seither sukzessive investiert. Den finalen und medialen Höhepunkt bildete die Schwabentherme in Aulendorf – die aufgrund der für die Einwohnerzahl großen Opulenz gleich das ganze Städtle in den Ruin riss. Doch den heutigen Besucher erfreut die große moderne Therme, nicht zuletzt weil hier – Alleinstellung – auch Kinder gern gesehen sind. Auch in die Sauna- und Wellnesslandschaft der Waldsee-Therme wurden gerade wieder 3,4 Mio. Euro investiert.

Ganz anders in Friedrichshafen – hier wird bekanntlich geklotzt (ohne dabei Pleite zu gehen): Das „normale“ Strandbad in Fischbach, das gerade fertig gebaut wird, darf bereits ca. 14 Mio. kosten – und das nicht minder „normale“ Hallenbad, das hier „Sportbad“ heißt, wird mit sportlichen 38 Mio. Euro 2019 an den Start gehen. Immerhin: „Nicht noooch ’ne Therme!“ Jedenfalls bislang.

Im Mineralbad St. Margrethen – die älteste Therme, begründet 1680 – ist seit März 2013 nach über drei Jahren Umbau mit 28 Mio. Franken Investition wieder alles schick. Und im Säntispark St. Gallen lässt Besitzer MIGROS für Erneuerung und Erweiterung der Bäderwelt 46 Mio. Franken fließen. Ist damit Spitzenreiter und, ja, keine Therme, sondern auch Erlebnisbad. In Schaffhausen will man übrigens bis 2025 erneut kräftig in die über 50-jährige KSS investieren und sie im „lukrativen Wellness- und Gesundheitsmarkt“ überregional positionieren.

Und nun der nächste Schlag ins lauwarme Wasser: In Lindau soll 2019 für 40 Mio. Euro – finanziert aus kommunaler und privater Hand – eine Bäderlandschaft entstehen, die „in der regionalen und bundesdeutschen Thermenlandschaft eine Spitzenposition haben wird“, wie Investor Andreas Schauer frohlockt. Er muss es wissen, betreibt der Überlinger schließlich selbst einige Großbäder in Deutschland und hat damals den Bau und die Eröffnungsphase der Überlinger Therme maßgeblich geprägt.

Dem aufmerksamen Großstadt-Bodensee-Bewohner ist natürlich aufgefallen: Endlich mal ein Bereich, in dem Vorarlberg nix zu bieten hat. Noch …

Wenn allerorten so in Badelandschaften investiert werden kann, bleibt die Region „gesund“. Und wenn Skiorte sich derzeit Sorgen machen, was Urlaub ohne Schnee in den Bergen heißen würde, kann der See getrost austrocknen. Denn: „Bad News“ are good news – auch in Zukunft …

 Markus Hotz

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