KO-Schlag auf Schlag für die Live-Szene am Bodensee?

Ende des vergangenen Jahres beendete KOKO – seit Jahrzehnten immerhin größter Konzertveranstalter hier im Südwesten – sein unternehmerisches Engagement in Konstanz. Die zwei Gründer Dieter Bös und Armin Nissel verkauften ihre Anteile an den dritten Gesellschafter Marc Oßwald in Freiburg.

Während dieser flugs die in den letzten Jahren stark defizitären, aber mit Herzblut organisierten Veranstaltungen „Rock am See“ und „Zeltfestival Konstanz“ beendete, versprach er für die vertraglich fixierten (also die mit positivem Deckungsbeitrag abschließenden!) Events Bestandsschutz.

Vor allem die ewig nölenden Konstanzer, denen die Zuschüsse für das Zeltfestival von städtischer Seite stets ein Dorn im Auge waren – weil KOKO sich ihrer Meinung nach ja unglaublich bereichert habe –, entlarven sich nun als Stammtischdummschwätzer. Plötzlich ist die Bodenseemetropole als Veranstaltungsort und Namensgeber der größten Agentur ziemlich verödet, haben gar manche Dörfer rundherum größere Live-Events zu bieten – Konstanz KO.

Doch bevor jeder Pro-Winz-Veranstalter nun Morgenluft wittert, zieht am Horizont Ungemach auf: Denn Marc Oßwald übernahm Anfang 2017 die Geschäftsführung der Vaddi Concerts GmbH, einer Tochter der Medusa Music Group, die wiederum zur Eventim gehört. Hier wird er sich „zukünftig intensiv um ein breitgefächertes Programm in Baden-Württemberg und in den angrenzenden Regionen in Bayern, Österreich, der Schweiz und Frankreich“ kümmern, wie man in der Pressemitteilung frohlockte. Die CTS EVENTIM AG & Co. KGaA sei „Europas Marktführer im Ticketing mit Aktivitäten in 25 Ländern und zugleich einer der führenden Anbieter von Live-Entertainment“ und „verkauft jährlich mehr als 140 Mio. Tickets für über 200.000 Veranstaltungen“. Zur Gruppe gehören übrigens auch Online-Portale wie oeticket.com und ticketcorner.ch.

Eventim agiert gern im Hintergrund, möglichst geräuschlos, machte aber mit Ticketschiebereien zum WM-Sommermärchen 2006 von sich reden; die Anklage löste sich gegen eine erkleckliche Zahlung allerdings außergerichtlich in Wohlgefallen auf. Auch das Bundeskartellamt ermittelt – bislang ergebnislos – seit Jahren gegen die Monopolmacht des Bremer Selfmademilliardärs Klaus Peter Schulenberg. Die Branchengrößen Semmelconcerts und Marek Lieberberg hat er geschluckt, doch der Appetit kommt im lukrativsten Eventmarkt Europas wohl erst beim Essen.

Denn wer hier die wichtigsten Sport-, Fußball und Konzertevents, die bestverkauften Künstler, die größten Veranstaltungsorte beherrscht oder – noch besser – gleich selbst allesamt besitzt, wer einen monopolartigen Ticketverkauf zu konkurrenzlosen Maximalpreisen durchsetzt, kleine Mitbewerber nach Belieben dominiert oder kauft, verdient letztlich quer durch die Wertschöpfung von Live-Events. KO steckt schließlich auch im Wörtchen Konkurrenz.

Vaddi-Vater Marc Oßwald geht indes davon aus, „dass Südbaden und die Bodensee-Region von dem neuen Konzertveranstalter profitieren werden“. OKeee!?

 Markus Hotz

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