tanzen seit 20 Jahren die Marionetten in Lindau.

Am seidenen Faden hängt aber inzwischen auch der Fortbestand der Bühne, wenn nicht bald wieder vor Publikum gespielt werden darf. Mit der Oper „Die Zauberflöte“ wollte die Lindauer Marionettenoper in ihre 20. Saison starten. Leider hat Covid-19 dem Start einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für die laufenden Spielzeit sind sieben unterschiedliche Stücke geplant. Als Höhepunkt steht „Die Entführung aus dem Serail“ auf dem Spielplan: als Livespiel auf der großen Bühne im Stadttheater.

Bis die Marionettenoper wieder öffnen kann, sind einige wunderschöne Ausschnitte des Programms auf youtube zu sehen. Reinschauen lohnt sich!

Die Lindauer Marionettenoper hofft aber, dass sich der Vorhang bald wieder öffnen kann. Sollte ab Juni ein eingeschränkter Spielbetrieb erlaubt sein, werden mit den vorgegebenen Auflagen statt den 98 Zuschauern nur noch 35 Personen im Saal Platz finden, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten. Das wird sich nicht rechnen, trotzdem versucht man, zu starten und die Planungen laufen. Bis dahin wird um Geduld und Unterstützung gebeten. So können Solidaritätstickets oder Gutscheine erworben werden.

Klein, aber oho

Die Lindauer Marionettenoper ist ein richtiges kleines Opernhaus. Rote Samtsessel, roter Samtvorhang, hohe, gewölbte Decke in altehrwürdigem Gebäude. Gespielt werden Opern, Operetten und Ballett – nur eben in Miniatur und mit Marionetten. Im Februar vor 20 Jahren kam Bernhard Leismüller nach Lindau. Im Gepäck nichts als Abenteuerlust, Leidenschaft und ein gutes Konzept für eine Marionettenoper. Der Bad Tölzer hatte einfach mit dem Finger auf die Landkarte getippt und so entschieden, wo es hingehen sollte. „Rückblickend war das sehr mutig“, überlegt er. Aber er hat es geschafft.

Etwa 500 Marionetten hat Bernhard Leismüller inzwischen gebaut. Über 200.000 Zuschauer waren seither zu Gast. Das Ensemble zählt mittlerweile 14 Puppenspieler. Insgesamt arbeiten mehr als 20 Leute für die Marionettenoper. Sogar einen Förderverein gibt es: Die „Freunde der Lindauer Marionettenoper“ sind auf über 200 Mitglieder angewachsen. In diesem Jahr feiert das außergewöhnliche Opernhaus Jubiläum. Bis heute ist die Lindauer Marionettenoper einzigartig in Deutschland und Bernhard Leismüller gilt als Virtuose der Marionettenkunst.

Puppen zum Leben erwecken

Die magischen Momente sind die, in denen die Zuschauer vergessen, dass auf der Bühne Marionetten agieren, wenn sie glauben, die Puppen atmen zu hören, in ihren Gesichtern Freude oder Traurigkeit, Glück oder Schmerz zu entdecken. Dann ist das Bewegungsspiel vollkommen. Den menschlichen Vorbildern möglichst nahe zukommen, ist der Kern der Philosophie der Marionettenoper. Und das Ziel eines jeden Puppenspielers.

Für das Jubiläum holt Leismüller erstmals echte Sänger auf die Bühne. Normalerweise kommen Gesang und Musik vom Band. Doch nun plant Leismüller eine Vorstellung mit Live-Orchester und Live-Sängern. Dafür wird er am 28. Oktober die Reisebühne der Marionettenoper auf die große Bühne des Lindauer Stadttheaters stellen. Zu sehen sein wird „Die Entführung aus dem Serail“. Das Stück, mit dem vor 20 Jahren die Erfolgsgeschichte der Marionettenoper in Lindau ihren Anfang nahm. Zudem, so Leismüller, sei es sein persönliches „Herzstück“, denn diese gut für Kinder geeignete Oper, aufgeführt vom Marionettentheater seiner Heimatstadt Bad Tölz, war es, die ihn als elfjährigen Buben für das Puppenspiel begeisterte.

Für dieses Projekt arbeitet Leismüller mit dem Vorarlberger Barockorchester Concerto Stella Matutina zusammen, eines der führenden Originalklang-Ensembles Europas. Auch die fünf Sänger und ein Schauspieler sind bereits gebucht. Die Leitung übernimmt Thomas Platzgummer, Regie führt Bernhard Leismüller selbst.

seit Juniǀ Zauberflöte im Lindauer Marionettenoper, Fischergasse 37, D-88131 Lindau ǀ +49 (0)8382 911 39 15 | info@marionettenoper.de | www.marionettenoper.de

Weitere Infos zu allen Aufführungen in der Jubiläumssaison 2020: info@marionettenoper.de, www.marionettenoper.de

Text: Susi Donner

Fotos: Dirk Augustin, Marionettenoper