A – Bregenz | Das Kunsthaus Bregenz ist ein besonderer Ort. Seine Atmosphäre macht wachsam, sie öffnet Augen, Ohren und Poren. Für das Jubiläumsjahr — das KUB ist heuer 20 Jahre — wurde sein berühmter Architekt Peter Zumthor eingeladen. Dieser entschloss sich, keine Ausstellung im gewöhnlichen Sinne einzurichten, sondern Denk-, Schau- und Hörkästen seiner künstlerischen Vorlieben und Inspirationen zu verwirklichen: Dear to Me.

Das Kunstmuseum KUB gehört zu den bekanntesten Bauten des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Im Sommer wurde er als erster ausländischer Architekt mit dem Großen BDA-Preis 2017 geehrt, der alle drei Jahre vergeben wird. Die Jury unter Vorsitz von Heiner Farwick, dem Präsidenten des Bunds Deutscher Architekten, begründete die Entscheidung damit, dass Zumthor die Architektur wieder auf das „Urschaffen“ des Menschen zurückführe. Zumthor plante neben dem KUB unter anderem das Thermalbad in Vals, das Kölner Diözesanmuseum Kolumba und die Bruder-Klaus-Feldkapelle am Nordrand der Eifel.

 

Im Licht des Bodensees

Der gebürtige Basler absolvierte eine Lehre als Möbelschreiner bei seinem Vater, bevor er in Basel und New York Architektur und Design studierte. Er steht bis heute dem Handwerk nahe. Mit seinem Entwurf für das KUB hat sich Zumthor, der 2009 mit dem weltweit renommierten Pritzker-Architekturpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, der eigentlichen Aufgabe eines Museums, nämlich ein Ort für Kunstwerke zu sein und ein Ort für Menschen, die diesen Kunstwerken in Ruhe begegnen möchten, verpflichtet. Der 75-Jährige beschreibt sein Werk so: „Das Kunsthaus steht im Licht des Bodensees. Sein Körper ist aus Glasplatten, Stahl und einer Steinmasse aus gegossenem Beton gebaut, die im Innern des Hauses Struktur und Raum bildet. Von außen betrachtet wirkt das Gebäude wie ein Leuchtkörper. Es nimmt das wechselnde Licht des Himmels, das Dunstlicht des Sees in sich auf, strahlt Licht und Farbe zurück und lässt, je nach Blickwinkel, Tageszeit und Witterung etwas von seinem Innenleben erahnen.“

Aber jetzt ein Fest!

„Dear to Me“, unter diesem Titel richtet Zumthor mit seiner Familie und seinen Freunden, mit der Literaturwissenschaftlerin Brigitte Labs-Ehlert und seinem Sohn, dem Musiker Peter Conradin Zumthor, und unterstützt von der Crew des Kunsthauses von September 2017 bis in den Januar 2018 im Jubiläumsjahr des KUBs ein großes Fest der Künste aus, zu dem alle eingeladen sind. Musik wird aufgeführt, Autorinnen und Autoren lesen, Drinks werden gereicht, Bilder ausgestellt, eine Bibliothek eingerichtet, Filme gezeigt, eine Spieluhr installiert und Pflanzen zum Gedeihen gebracht. Über 160 Live-Veranstaltungen finden während der Laufzeit statt.

Zur Person: Peter Zumthor arbeitet in seinem Atelier mit rund dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der alpinen Landschaft von Haldenstein, Schweiz. Mit seiner Frau, der Schriftstellerin Annalisa Zumthor-Cuorad, hat er drei erwachsene Kinder. In seiner Freizeit spielt er Jazz mit dem Kontrabass.

16.09.–07.01. | Kunsthaus Bregenz, Karl Tizian Platz, A-6900 Bregenz | +43 (0)5574 48 59 44 36 | alle rund 160 Termine auf www.kunsthaus-bregenz.at

Text: Susi Donner