Nachdem wir in den letzten Monaten mehr im Süden des Bodensees unterwegs waren (St. Gallen, Dornbirn u. a.), ist jetzt mal schwerpunktmäßig die Nordseite dran …

Neues ZF Forum

Wer in den letzten Jahren mit dem Zug vom Bahnhof Friedrichshafen Richtung Ravensburg oder Lindau gefahren ist, hat linkerhand ein langes Gebäude in die Höhe wachsen sehen, das durch seine Form auffällt: Wie ein auf der kürzeren Seite stehendes Trapez steht es parallel zur Bahnlinie – vor Kurzem wurde es als „ZF Forum“ eröffnet. Der Namensbestandteil „Forum“ ist aktuell beliebt, auch wenn es nur selten einen Ort öffentlicher Debatten bezeichnet – oft sind es sogar Einkaufszentren, die „Forum“ heißen. Von den anderen Seiten aus gesehen zeigt sich die komplexe Geometrie des Gebäudes in dem spitzen Winkel zwischen der Bahnlinie und der Löwentaler Straße. Die leicht überhängenden Stirnseiten der Gebäudeflügel sind ein Markenzeichen der Architektur, sie sind an allen Seiten als ein Zeichen gegenüber der Stadt und der Öffentlichkeit zu sehen. Wenn man näher kommt, sieht man auch die Balkone, von denen aus die Mitarbeiter die Umgebung überblicken können. Wer das Gebäude betritt, sieht die Ausstellungshalle, die fast das ganze Erdgeschoss des Komplexes einnimmt. Hier wird auf 3000 Quadratmetern die über 100-jährige Firmengeschichte präsentiert, von einzelnen Getriebeelementen bis zu den verschiedensten Fahrzeugen, in denen sie funktionieren, wie dem BMW 2000 C, von dem die Gebäudeform möglicherweise auch inspiriert sein könnte. Um diese Halle möglichst weitläufig zu machen, wurde die Last der fünf Stockwerke darüber auf wenige Stützen verteilt, was aufwendige Tragwerkskonstruktionen erfordert hat. Immerhin wurden hier 26.000 Kubikmeter Beton verbaut, also fast für jeden Quadratmeter der Bruttogeschossfläche ein Kubikmeter, wovon aber auch viel unter der Erdoberfläche liegt. Das ZF Forum will durch seine Architektur und die Fassaden Offenheit vermitteln, aber es gibt natürlich eine klare Grenze zwischen den öffentlichen und den nichtöffentlichen Bereichen. Die Ausstellung im Erdgeschoss ist für die Öffentlichkeit sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

www.zf.com/zfforum


Land preist Baukultur

Die grün-rote Landesregierung 2015 hat den „Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg“ gestiftet und ausgelobt – nachdem es in Baden-Württemberg (wie auch in anderen Bundesländern) schon die Auszeichnungen „Beispielhaftes Bauen“ (Architektenkammer) und „Gutes Bauen“ (BDA) gibt. Von den 24 nominierten Objekten sind nur zwei aus unserer Region: das Kunstmuseum Ravensburg (2013) und die Neugestaltung des Donauufers in Sigmaringen (2013). Die Ausstellung zeigt eine große Bandbreite von Bauaufgaben und -formen, sodass sie in den ersten Tagen auch Leute angesprochen hat, die sich sonst kaum für Architekturpreise interessieren würden. Sie ist noch bis zum 26. März im Neuen Schloss zu sehen, bis dann aber nur am Wochenende geöffnet.

www.baukultur-bw.de


Neues vom Gemeinschaftlichen Bauen

Wer die Ausstellung „Daheim | Bauen und Wohnen in Gemeinschaft“ im Vorarlberger Architektur Institut verpasst hat, kann sich auch bei dem ein oder anderen Wohnprojekt erkundigen. Der wohl größte in Bodensee-Nähe ist – neben dem Mehr-Generationen-Haus „Giesserei“ in Winterthur (Seeraum 11/2016) – der Genossenschaftsbau Kalkbreite in Zürich, etwa einen Kilometer westlich des Hauptbahnhofs. Das etwa ringförmige Gebäude umfasst 93 Wohneinheiten, deren Bewohner zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen nutzen können, von den Waschküchen über die Kantine bis zu den umlaufenden Dachgärten. Die Grundvoraussetzung, um dort wohnen zu können, ist eigentlich ganz einfach: „In der Kalkbreite mietet Raum, wer an einem Zusammenleben und/oder Zusammenarbeiten mit Austausch interessiert ist.“ Um den Flächenverbrauch zu reduzieren, soll die Wohnfläche pro Person maximal 35 Quadratmeter betragen. Das ist ein Wert, der deutlich unter dem Durchschnitt liegt – daran könnten sich andere Planer ein Beispiel nehmen, denn die Effekte der Energiesparmaßnahmen werden durch die Zunahme der Wohnflächen immer wieder „aufgefressen“.

www.kalkbreite.net


In Konstanz ist inzwischen auch das Projekt der Wohnwerkstatt Leben & Teilen e.V. an die Öffentlichkeit getreten – mit dem Leitmotiv „Wir werkeln am gelassenen und wachsenden Miteinander“.

 

www.wohnwerkstatt-konstanz.de