Obwohl die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bescheinigt, dass bis etwa 2025 wohl jeder fünfte Laden in einem Einkaufcenter der Eidgenossen mangels Umsatz schließen wird, hatten die Investoren nicht an den Plänen locker gelassen im schweizerischen Wigoltingen das größte Outletcenter des Landes auf die Beine zu stellen. Jetzt der zweite Rückschlag.

Seit sage und schreibe 15 Jahren laufen die Planungen für das „Outlet Edelreich“, das mit etwa 100 Geschäften auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern bis zu 750.000 Besucher pro Jahr anlocken soll. Für eine Gemeinde mit knapp 2.000 Einwohnern in der Tat eine große Hausnummer. Im April vergangenen Jahres hatte der Kanton Thurgau den Gestaltungsplan abgelehnt wegen des, durch das Center verursachten, Verkehrs. Dabei hatten sich die Planer vorbereitet: 2.300 Autofahrten pro Tag seien zu erwarten, bei Centern mit Gütern des täglichen Bedarfs sei bei ähnlicher Größe mit 17.700 Fahrten pro Tag zu rechnen. Nun ja. Sind eben immer noch 2.300 Autofahrten mehr pro Tag als heute – zumal für eine 2.000 Einwohner-Gemeinde in ländlicher Idylle …

Nicht locker lassen

Allerdings setzen sich die Gemeinderäte von Wigoltingen und Mühlheim (hier soll die Zufahrt laufen) nach wie vor für den Bau ein, da die Einwohner ja ursprünglich (im Januar 2017) dem Bau zugestimmt hätten. Mit dem Center sollten auch 300 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. So kam es nun Ende Juli zu einer erneuten Verhandlung, in der die Gemeinden und die Investoren (JTM Rütenen AG) gegen den ablehnenden Entscheid des Kantons vom April vergangenen Jahres geklagt hatten. Das Thurgauer Verwaltungsgericht untermauerte die Entscheidung gegen das geplante Einkaufszentrum. Begründung: der Gestaltungsplan entspreche nicht dem kantonalen Richtplan – das Center sei mangels ausreichender ÖV-Erschließung nicht zulässig.

Ob Gemeinden und Investoren, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise, in die nächste Instanz ziehen ist bislang unklar.

www.edelreich.de

Visualisierung: KEYSTONE/ Edelreich

Text: Tanja Horlacher