D/A/CH – Bodensee |  Auf Wiedersehen Rote Wurst mit Senf, hallo Grilled Cheese Sandwiches! Die altbekannte deutsche Imbissbude wird vor allem in den Groß- und Universitätsstädten immer mehr von sogenannten Foodtrucks abgelöst. In Radolfzell hat akzent Redakteurin Anne die Amerikanerin Amanda Burth mit ihrem Foodtruck „Cheesy Love“ getroffen und allerhand über die bewegte Esskultur und Street-Food-Festivals  erfahren.

Foodtrucks – man stelle sich hier einen traditionellen amerikanischen Truck vor – haben ihren Ursprung in den Garküchen südasiatischer Länder. Auf den Straßen und an allen Ecken stehen dort die Menschen hinter ihren transportablen kleinen Straßenküchen und bereiten frisch zu, was man in ihren Familien seit Generationen eben isst.

Das spiegelt auch das kulinarische Angebot der Foodtrucker wieder. Inspiriert von der Individualität der Garküchen, schwappte der Trend nämlich in den letzten Jahren zunächst nach Amerika und dann nach Europa über. Auch hier bieten Migranten und Einheimische an, was in ihrer Heimat seit jeher auf den Teller kommt. Auf den Speisekarten finden sich überregionale bis internationale Spezialitäten, frisch zubereitet, individuell und kreativ. Eine schöne Art, um die Grenzen zwischen Kulturen zu überbrücken und alte und neue Heimat zu vereinen. Das dachte sich auch Amanda von „Cheesy Love“, als sie ihren Traum verwirklichte und hier am Bodensee einen eigenen Foodtruck eröffnete. Sie wollte bei dem Trend in Deutschland von Anfang an dabei sein. Das Angebot der Foodtrucker nennt sie „aufregend und lebendig“.

So bahnen sich häufig saisonale Produkte ihren Weg auf die Karte und auch vegetarische und vegane Gerichte sind des Öfteren vertreten. Nachhaltigkeit wird in der Foodtrucker Szene und bei Amanda großgeschrieben. Deshalb sind bei ihr von der Gabel bis zur Serviette alle Materialien 100 Prozent biologisch abbaubar. Gemüse, Brot und Fleisch kommen von regionalen Händlern.

Der amerikanische Traum am Bodensee

Vor fünf Jahren fand sie in ihrer Heimat Miami ihre große Liebe – einen Radolfzeller Küchenchef. Es zog ihn zurück an den Bodensee und so kam Amanda kurzerhand mit hierher. Für den deutschen Pass gab sie sogar ihre amerikanische Staatsbürgerschaft auf. Für sie war das aber eine leichte Entscheidung: „Als ich das erste Mal hier war, habe ich mich sofort in das Land verliebt.“ In der Gastronomie arbeitet sie seit 18 Jahren und gemeinsam mit ihrem Mann träumte sie schon lange von einem eigenen Restaurant oder einem Foodtruck. In Amerika sind die Trucks eine alltägliche Erscheinung.

Seit fast zwei Monaten lebt Amanda nun ihren Traum, die kulinarische Vielfalt ihrer Heimat und unserer Region zwischen zwei Brotscheiben zu vereinen. Grilled Cheese Sandwiches sind ein Gericht aus ihrer Kindheit. „Ich denke dabei immer an meine Oma“, sagt sie lachend. „Dort gab es immer ‚Grilled Cheese und Tomato Soup‘. Das ist so ein Kindergericht bei uns zu Hause.“ Hier am Bodensee ist das Gericht noch etwas ungewohnt. Deshalb versucht Amanda, ihre Karte regelmäßig zu wechseln und immer auch eine vegetarische Variante zu haben. Dabei kommen schon mal Spätzle und Röstzwiebeln auf das Sandwich, um Alteingesessenen das neue Gericht näher zu bringen.

Streetfood am See

Ihr Foodtruck ist ein alter Bäckerwagen, den sie mithilfe ihres Mannes und ihres Schwiegervaters selbst umgebaut hat. „Das war nicht immer leicht. Die Bestellungen dauerten lange und wir haben niemanden gefunden, der die Gasleitung für den Grill anschließt.“ Aber als echter Radolfzeller kannte ihr Schwiegervater immer jemanden, der jemanden kennt …

Diese familiäre Atmosphäre macht die Bodenseeregion für Amanda zum „schönsten Ort der ganzen Welt“. Ihre Kundschaft kennt sie oft persönlich. Aber auch viele Touristen kommen auf ein „Grilled Cheese Sandwich“  zu ihr. „Die Großstädter kennen das Konzept schon und freuen sich immer, auch am Bodensee einen Foodtruck zu finden.“ Praktisch ist es noch dazu: Wenn man am See liegt und der Magen knurrt, läuft man einfach zum Foodtruck rüber. So einfach wie das klingt, ist es dennoch nicht. Vor allem an öffentlichen Plätzen in städtischem Besitz ist es für Foodtrucker sehr schwierig, eine Genehmigung zu bekommen. Eigentlich schade.

Als Ersatz dafür gibt es passend zur Festivalsaison auch in der Bodenseeregion einige Streetfood-Festivals. Dort versammeln sich die Foodtrucker, um ihre Gäste mit Kulinarischem aus verschiedenen Winkeln der Erde, garniert mit einer ganz persönlichen Note, zu begeistern. Wer also neugierig geworden ist, kann sich auf den Festivals selbst auf eine kleine kulinarische Reise begeben.

 

Foodtrucks

Cheesy Love | Do. ab 11 Uhr Getränkemarkt Blus ABER ab Ende Juni stattdessen auf dem Abendmarkt, Fr. ab 11 Uhr Raiffeisenmarkt, Sa. Wochenmarkt – alles in D-78315 Radolfzell

Ela’s Grill (bei Events)| 88212 Ravensburg | www.elasgrill.de

Esskurver | Weingarten, Lindau, Immenstaad | www.esskurver.de

Kalkans | CH-9000 St. Gallen | www.kalkans.ch

 

Food-Festivals

World Food Festival, 26.5.-28.5. | Hafenpromenade Romanshorn | www.worldfoodfestival.ch

2.Streetfooddays Kreuzlingen, 23.6.-25.6.| Bodenseearena Kreuzlingen | www.streetfooddays.ch

2.Streetfoodfestival St. Gallen, 9.6.-11.6.| Platz der Hochschule bei Bushaltestelle Olma, St. Gallen | www.streetfood-festivals.ch

Fooddays Stockach, 1.9.-3.9. | Wohnparc Stumpp, Stockach | www.food-days.de

1.Streetfoodmarket Bregenz, 22.9.-24.9. | Hafen Bregenz | www.heyevent.at

Flair Designmarkt, 18.11.-19.11. | Bodenseeforum, Konstanz | www.food-days.de

Text & Fotos: Anne Sillmann