D – Konstanz | Ein Gesundheitshotel mit dem Namen „Sea Palace“, wie es der Bodensee noch nicht gesehen hat, soll demnächst auf dem 40.000 Quadratmeter großen Seegrundstück „Büdingen“ in Konstanz gebaut werden. Elf Tage Aufenthalt in der teuersten Zimmerkategorie und mit den besten Anwendungen sollen 14.000 Euro kosten.

Der Bebauungsplan sieht ohnehin ein Hotel auf dem Grundstück vor. Der Bebauungsplan wird bei dem geplanten Hotel nicht eingehalten, sagen die Gegner. Die Wellen des Protestes schwappen heftig übers Ufer der Seestraße.

Der Investor, Hans Jürg Buff aus St. Moritz, lud im April alle Interessierten zu einem Ortstermin auf sein 2016 gekauftes Grundstück ein und stand Rede und Antwort. Im Juni will er nun bei der Stadt erneut einen Bauantrag stellen.

Hans Jörg Buff im Interview mit akzent nach dem Ortstermin:

akzent: Fühlen Sie sich willkommen in Konstanz?

Hans Jürg Buff: Ich denke schon, ja.

Ich hatte gerade einen anderen Eindruck …

Das hat mich eigentlich nicht berührt bis zu dem Punkt, als von einem Kuschelkurs geschrieben wurde wegen der zehn Prozent (Anmerkung der Redaktion: 10 % des Gewinns sollen laut H. J. Buff in eine Stiftung für bedürftige Einheimische fließen), und dass die Leute das anzweifeln und sich darüber lustig machen. Ich als Christ sage: Der zehnte Teil gehört …

Ja wem eigentlich? Der Obrigkeit?

(lacht) Ja, könnte man so sagen. Wenn ich schon ein Gesundheitshotel mache, das vermögenden Menschen helfen kann, dann soll von diesem Geld der zehnte Teil denjenigen zugutekommen, die sich das nicht leisten können. Es geht aber nicht nur um das Geld; wir werden auch versuchen, in Kindergärten und Grundschulen Vorträge über gesunde Ernährung und Lebensweise zu halten. Damit würden wir der Stadt und vor allem den jungen Menschen einen Gesundheitsmehrwert bringen. Ich finde, das wird viel zu wenig gemacht.

Machen Sie das bei Ihren Hotels im Engadin auch so?

Nein. Was ich aber immer gemacht habe: Ich habe ein bis zwei Handvoll sogenannte Sozialfälle angestellt. Das sind entweder schon pensionierte Leute, die noch etwas suchen, oder es sind Leute, die sonst keiner nimmt. Ich finde, das ist ein sozialer Auftrag.

Das wird aber vermutlich nicht Ihr Primärinteresse sein …

Mein Primärinteresse liegt darin: Ich wollte immer schon ein Hotel bauen, das ich von Grund auf von A bis Z entwerfen und bauen kann. Ich entwerfe das Konzept mit meinen Ärzten und aufgrund des Konzeptes baue ich das Hotel. Das ist so einmalig hier … Da werde ich meinen Traum verwirklichen.

Überrascht Sie der Widerstand, der Ihnen entgegenschlägt?

Die Aggressivität überrascht mich, das ging ja auch ins Persönliche …

Man befürchtet, Sie bauen ohne große Rücksicht auf den Bebauungsplan.

Nein, der Bebauungsplan sagt uns klipp und klar, wie wir bauen können. Ich bin aber von einer falschen Voraussetzung ausgegangen, was das Personal und die Personalunterkünfte angeht. Bei der Bauvoranfrage hatten wir keine Personalunterkünfte geplant und nachher habe ich gemerkt, dass in Konstanz an allen Ecken Wohnraum für Berufstätige fehlt. Dann sagte ich: Also Pablo (Anm.: Pablo Horváth, Architekt), wir machen im Nordteil Personalzimmer. Deswegen haben wir nach der Bauvoranfrage diese 10.000 Kubikmeter, die Personalzimmer, im Norden des Hotels angebaut, das hat dann 67 Personalzimmer gegeben. Die Leute hier vermuten dahinter Wohnbau …

Wird das so kommen?

Das kann ich kann Ihnen zu 100 Prozent sagen, es kommt nicht eine einzige Wohnung.

Sie haben nach der Bauanfrage einen Bauantrag gestellt …

… der Bauantrag war um 10.000 Kubik größer als die Bauanfrage, bei der die Bitte war, es im kleineren Volumen zu machen.

Stattdessen haben Sie das Volumen vergrößert.

Genau – wir haben es aber eigentlich gar nicht größer gemacht, denn ich gewinne ja nicht mehr Platz. Die heutigen Baugesetze sind nicht wie vor 30 Jahren: Sie haben eine Außendämmung, sie haben Schallschutzanforderungen, die sehr viel höher sind, die Rollstuhlgängigkeit, die größeren Fluchtwege. Damals wurden 220 Zimmer, 440 Personen bewilligt, dafür weniger Kubikmeter.

Haben Sie schon ein Ausstiegsszenario, falls Ihr Vorhaben nicht genehmigt wird?

Nein, nein, das Ding kommt hundertprozentig. Und ich weiß, die Konstanzer, der normaldenkende Bürger, der keine Hintergedanken hat für sich selber, der findet das gut. Es ist ja nichts Neues, das war vor 150 Jahren schon da. Wir wollen eigentlich die guten alten Zeiten an diesem Ort aufleben lassen – in moderner Form.

Die guten alten Zeiten gab und gibt es doch gar nicht.

In moderner Form schon und für alle gewinnbringend! Heute hat die Bevölkerung von dem Park gar nichts. Es ist ein Zaun drum rum, es ist abgeschlossen. Nachher wird das offen sein.

Ihre Sicherheit überrascht mich. Die Entscheidung über Ihr Bauvorhaben trifft schließlich das Baurechtsamt; der Gemeinderat hat 1987 den Bebauungsplan beschlossen.

Der Gemeinderat hat damit nichts zu tun. Das ist keine politische Entscheidung mehr, nur noch eine Verwaltungsgeschichte. Da wird jetzt abgewogen werden müssen: Wollen wir diese Überschreitungen? Wenn ich das alte Projekt anschaue, das lugt ja an vielen Orten über dem Bebauungsplan heraus und dafür spart man auf der anderen Seite. Das ist bei uns nichts anderes. Ich denke einfach, es geht um die nachbarschaftsrechtlichen Belange, und ich sage, eigentlich tangieren wir nicht ein nachbarschaftliches Recht. Es gibt weder mit der Besonnung Probleme mit unseren Nachbarn, weder mit den Grenzabständen, wenn wir eben das Bisschen zurückgehen, das wir müssen. Deswegen sage ich: Also ich glaube nicht, dass die Stadt Argumente findet, uns diesen begehrten roten Punkt zu verwehren.

Stellungnahme von Eric Thiel, Marketing & Tourismus Konstanz GmbH:

Ein Gesundheitshotel in dieser Art, Qualität und Größe ist ein Glücksfall für jede Stadt, es ist einzigartig in der Region. Es schafft Arbeitsplätze, die nicht verlagerbar sind, und ist in der Regel – aufgrund des Medizinschwerpunkts – positiv für das Image. Es füllt nicht nur eine Angebotslücke in Konstanz, sondern am gesamten Bodensee. Wünschenswert ist, dass sich das Hotel auch für die Einheimischen öffnet, z.B. im Bereich der Behandlungen. Was die Auswirkungen des neuen Hotels auf die Stadt und Region angeht, so sind diese vielfältig und positiv. Das Hotel wird aufgrund seiner Medizinausrichtung zusätzliche Gäste ansprechen. Handel, Gastronomie und Handwerk profitieren durch zusätzliche Aufträge, die Stadt durch zusätzliche Steuereinnahmen. Und davon profitiert auch die Bevölkerung, denn nur eine Stadt, die prosperiert, kann sich ein umfassendes Kultur- und Sportangebot leisten, wie dies in Konstanz der Fall ist. Die geplante Gestaltung und die Öffnung des Parks ist eine Chance und kann zu einem Mehrwert für die Bevölkerung werden. Auch für die positive Wahrnehmung der Stadt und der Region kann das neue Hotel einen wesentlichen Beitrag leisten. Es sind die Leuchttürme und nicht das Mittelmaß, die imageprägend sind.

Stellungnahme des Vereins Bürgerpark Büdingen e.V.

Niemand, auch nicht der Verein, stellt das bestehende Baurecht grundsätzlich in Frage. Der Investor versucht, für sich den „besten Deal“ auszuhandeln. Wie sonst ist zu erklären, dass das erträgliche Maß der Bebauung bereits mehrfach überschritten und nun wieder teilweise reduziert wurde. Es wird nicht wie angekündigt bei 32 zu fällenden Bäumen im Baufenster bleiben; auch zum See hin wird es mehr Fällungen geben, wie Architekt Horvath auf einer Pressekonferenz im Bodenseeforum unumwunden zugab. Der Café-Pavillon ist außerhalb des zulässigen Baufensters direkt an der Seestraße. Auch hier fallen weitere Bäume, die an der ursprünglich vorgesehenen Stelle nicht bedroht wären. Außerdem überschreitet er das im Bebauungsplan zugewiesene Volumen um ein Mehrfaches. Das Außenbad befindet sich ebenfalls außerhalb des Baufensters. Es beansprucht weitere 800 Quadratmeter Fläche, und weitere Bäume müssten fallen.

Die Stadt Konstanz hätte den Büdingen-Park kaufen oder sogar pachten können. Von diesem Angebot hat sie nie Gebrauch gemacht. Jahrelang wurde vom Baurecht kein Gebrauch gemacht, eine bestehende Genehmigung nur immer verlängert. Ein zweiter Stadtgarten im Büdingen-Park in zentrumsnaher Lage an der Seestraße wäre der Gesamtbevölkerung und allen Gästen der Stadt zugutekommen. Der politische Wille dafür war nicht vorhanden!

Seinerzeit wurde ein nicht unerheblicher fünfstelliger Betrag gesammelt (Anmerkung der Redaktion: Bürger konnten 2007 virtuelle Anteilsscheine an einem künftigen Bürgerpark zeichnen), der inzwischen an die Einleger zurückgezahlt wurde. Es war leider nicht absehbar, ob die Sammlung einen nennenswerten Beitrag zu einem Kauf hätte leisten können. Crowdfunding-Instrumente wie heute waren damals noch unbekannt. Dennoch war bemerkenswert, wie wichtig den Einlegern, die dafür keine Spendenquittung geltend machen konnten, der Erhalt des Parks war!

Text: Anja Böhme

Fotos: Sea Palace AG, Michael Schrodt