D – Konstanz | Carlo Karrenbauer. Ein Name, eine Institution. Spätestens seit seinen Fernseh-Auftritten in der SWR-Sendereihe „Echt Antik?!“ ist der Kunstfachmann auch über die Grenzen hinaus bekannt. Doch Karrenbauer ist mehr als ein Auktionator. Zum 80. Geburtstag lässt er sein „leidenschaftliches Leben reich an Zufällen“ Revue passieren.

Schwungvoll mit französischen Chansons wurde im Januar in großer Runde gefeiert. In wenigen Wochen steht die 276. Auktion in seinem Hause an und er hält noch immer Vorträge an der Uni Konstanz. Zudem leitet er seit vielen Jahren den kirchlichen Seniorenchor und spielte 30 Jahre als Sonntags-Organist in der Dingelsdorfer St. Nikolaus Kirche. Die 80 Jahre sind nur schwer zu glauben. Der Umtrieb tut Carlo Karrenbauer sichtlich gut. Er hat viel zu erzählen. Mit verschmitztem Lachen verrät er, dass er gerade ein Buch darüber schreibt. Bereits 2004 veröffentlichte er mit „Hübschels Tochter“ einen Roman, zu dem ihn das traditionsreiche Hotel Bühlerhöhe bei Baden-Baden inspiriert hatte, wo er mehrere Jahre regelmäßig Weinversteigerungen durchführte. Bereits mit fünf Jahren war er mit Eifer dabei, als Ernterechte an Apfelbäumen  versteigert wurden. Mit 14 verdiente er sich dann an einem Flohmarktstand in Frankreich umgerechnet etwa 3 Mark die Stunde. Doch sein halbes Tagesgehalt gab er für ein Jugendstil-Glasschiffchen am Nachbarstand aus, die zweite Hälfte ging für eine Glasvase weg. Die Eltern waren verzweifelt, Carlo glücklich. Beide Teile hat er heute noch. Er hatte seine Leidenschaft gefunden.

Man muss offen sein

Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Germanistik arbeitet er in den 1960er-Jahren beim Bayrischen Fernsehen als Regieassistent, dreht später dann Filme und Serien als Regisseur. Zudem beginnt er Schlagertexte zu schreiben. „1968 habe ich aber bei einem Filmdreh gemerkt, wie der Job politisch immer schwieriger wurde.“ Zeit, sich neu zu orientieren. Er studiert Soziologie und Psychologie in Konstanz. Im Gepäck: die mittlerweile recht große Jugendstil-Vasensammlung. Da das Studium seinen Geldbeutel schmaler werden lässt, mietet er in der Münzgasse einen Laden, um seine Vasen zu verkaufen. Bald hat er erste Stammkunden. Später zieht es ihn zum Fernsehen zurück, jedoch muss er bei einem Bekannten spontan als Auktionator in München einspringen. Er legt kurzerhand vor der IHK die Prüfung zum Auktionator ab. Es ist bis heute kein Lehrberuf, jedoch ist eine Zulassung nötig. Ehe er sich umsieht, bringen Freunde Nachlasse zu ihm, mit der Bitte, sich um den Verkauf zu kümmern. So kommt es zur ersten Auktion in Konstanz 1980. Kurz darauf folgen Anfragen aus Überlingen und aus der Schweiz. Alles nimmt seinen Lauf.

Ein Schaukelpferd nach Australien

1984 zieht Karrenbauer an die Obere Laube, wo sein Auktionshaus bis heute seinen Sitz hat. Pro Jahr finden hier fünf Auktionen mit je rund 800 Objekten statt. Bis zu 100 Einlieferer bringen vom Besteck über Schmuck bis zu Möbeln und Gemälden fast alles. Verkauft wird in 26 Länder. Rund 80 Leute sind vor Ort im Saal dabei, weitere 300 bis 400 geben schriftlich ihr Gebot ab plus etwa 60 Telefon- und 300 Internetbieter. Die Zeiten sind verrückter geworden. „Vor Kurzem haben wir ein Schaukelpferd nach Australien verkauft. Dem Käufer war es sogar das Dreifache des Zuschlagspreises an Versandkosten wert“, wundert sich Karrenbauer etwas. Die Einschätzung der Kunden sei in der Tat schwieriger geworden. Dennoch: Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Seine Frau Heidrun hat die Geschäftsleitung übernommen und bis heute kommen täglich Leute ins Auktionshaus und bieten ihnen ihre Objekte an.. „Mir ist irgendwie alles im Leben zufällig passiert“, sagt er nachdenklich. „Man muss einfach offen sein“, ist er überzeugt. Das führte auch dazu, dass er rund zehn Jahre lang Werbemodel für Zigarren aus Barbados war. „Ein skurriles Leben“, wie er selbst sagt, „und unglaublich reizvoll.“

16.03., 14 Uhr, 276. Auktion | Auktionshaus Karrenbauer, Obere Laube 46, D-78462 Konstanz | +49 (0)7531 27 202 | www.karrenbauer.de

Auktionshäuser der Region:

In der Region gibt es noch weitere bekannte Auktionshäuser, meist ebenfalls familiengeführt. Der Ablauf und die Versteigerungskonditionen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz in etwa ähnlich.

  • Auktionshaus Zeller in Lindau (D). Michael Zeller war bei Gründung 1968 der jüngste Auktionator Deutschlands.
  • Kessler Auktionen in Kreuzlingen (CH) hat seinen Schwerpunkt auf Waffen, von Antik bis modern.  
  • Das Auktionshaus Rapp in Wil (CH) hat einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die weltweit umsatzstärkste jemals durchgeführte Briefmarkenauktion.
  • Das Auktionshaus Rapp in Wil (CH) hat einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die weltweit umsatzstärkste jemals durchgeführte Briefmarkenauktion.
  • Auktionshaus Geble in Radolfzell (D) mit Schwerpunkt Gemälde des 15. – 20. Jahrhunderts
  • Auktionshaus Lion Zadick in Überlingen (D)
  • Auktionshaus Bayer in Konstanz (D)
  • Beurret & Bailly Widmer Auktionen in St. Gallen (CH)