D – Friedrichshafen | David Dornier ist seit Anfang Mai 2017 der neue Museumsdirektor im Dorniermuseum. Mit ihm übernimmt ein direkter Nachfahre des Luftfahrtpioniers Claude Dornier das Luft- und Raumfahrtmuseum am Friedrichshafener Flughafen. Im Interview mit Susi Donner erzählt er vom Leben mit einem großen Namen.

akzent: Herr Dornier – lebt es sich mit einem so berühmten Namen leichter oder schwerer als mit Müller oder Maier? Hätten Sie je gern anders geheißen?

Nein, obwohl es auch oft Nachteile mit so einem Namen gibt, habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt. Ich bemerke außerdem, dass jüngere Menschen mit diesem Namen oft nichts mehr anfangen können, so dass das dann einem Müller oder Maier ziemlich nahe kommt.

akzent: Wie stark machen sich die Gene Ihres Großvaters Claude Dornier in Ihnen bemerkbar? Was verbindet Sie mit Ihm?

Was mich mit ihm verbindet ist, dass er oft schwierige Situationen zu meistern hatte, und doch niemals aufgab. Diese Einstellung habe ich mir in meinem beruflichen Leben ebenfalls zu Eigen gemacht. Weitermachen, auch wenn man denkt, man schafft es nicht.

akzent: Was für Erinnerungen haben Sie an Ihren Großvater?

Ich habe meinen Großvater nur als Kind erlebt. Damals war ich 5-7 Jahre alt. Als Kind kann man natürlich den wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Diskussionen nicht folgen, die regelmäßig in seinem Haus stattgefunden hatten. Ich habe aber damals die Stimmungen meines Großvaters erlebt. Gegen Ende seines Lebens hatte ich das Gefühl, dass er auf das Ende wartete. Er saß oft lange auf seinem Sessel und schaute auf den Bodensee.

akzent: War es für Ihren Vater Silvius in Ordnung, dass Sie sich erstmal Ihren eigenen Weg gesucht haben?

Ich denke schon. Mein Vater ist ein unglaublich toleranter Mensch. Radio machen, besonders ein Rockradio war in der Familie schon mit Fragezeichen versehen worden. Aber unterstützt hat mich mein Vater immer.

akzent: Was passiert nun mit Ihren Radiosendern?

Die Radiosender mit Sitz in Berlin und Nürnberg laufen wie gewohnt unter meiner Führung. Ich teile mir meine Arbeitswoche zwischen dem Dornier Museum in Friedrichshafen und STAR FM Berlin auf. Am Wochenende versuche ich viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

akzent: War es für Sie – aus der dritten Dornier-Generation bereits einfacher mit den großen Fußstapfen Ihres Großvaters zu leben?

Ja und nein. Ich war ja damals nicht im Driver Seat. Schade finde ich es schon, dass es die Firma Dornier heute nicht mehr gibt. Ich hätte versucht, den Konzern neu auszurichten und somit in die Zukunft zu führen. Das war wohl mit einzelnen Familiengesellschaftern nicht möglich, denen ihr Ego wichtiger war als das Lebenswerk meines Großvaters. Natürlich gibt es auch immer eine gewisse Erwartungshaltung, wenn man den Namen Dornier hat.

akzent: Ihr Großvater steht hier in der Region als Synonym für Pioniergeist. Welche Eigenschaft Ihres Großvaters imponiert Ihnen am meisten?

Am meisten hat mich fasziniert, dass er aus sehr einfachen Verhältnissen kommend einen solchen Konzern aufgebaut hat. Natürlich standen hinter diesem Erfolg auch seine Ehefrau und seine Kinder. Außerdem hatte er sehr fähige Mitarbeiter, die für ihn eine besondere Verpflichtung und Verantwortung waren. Praktisch jeder Mitarbeiter konnte sich seiner Wertschätzung gewiss sein. Diese Kombination von Menschen und Möglichkeiten, die im richtigen Moment aufeinandertreffen, können Erfolg bedeuten.

akzent: Vermittelt das Dornier Museum etwas vom Geist Ihres Großvaters?

Wenn man in diesen wunderbaren Bau kommt sieht man in Filmen seine Flugzeuge und im Hangar 1:1 Modelle sowie Originalflugzeuge. Da spürt man, dass das Fliegen noch jung ist und damals ein echtes Abenteuer war. Auch kann man meinen Großvater in einer Filmsequenz in der DO X sehen, was für mich immer recht lustig ist, weil er mit dem Finger auf den Kameramann zeigt und wohl sagt, er soll das filmen einstellen. Danach endet der Film.

akzent: Wie groß ist Ihre Faszination für das Thema Luft- und Raumfahrt?

Früher durften wir als Kinder am Samstag oder Sonntag meinen Vater in die Firma begleiten. Da ich schon immer absolut technikbegeistert war, haben mich sowohl technische Entwicklungen in den Werkstätten und natürlich auch die Flugzeuge selbst sehr fasziniert. Immer wenn ein Flugzeug am Himmel zu sehen war (in den 1960ern war das noch sehr selten) schaute mein Vater immer sofort hinauf, um zu sehen, welcher Konkurrent da schon wieder fliegt.

akzent: Macht es Sie stolz, nun auch eine Rolle im Familienunternehmen auszufüllen?

Ich erfülle ja nur die Position des Museumsdirektors. Natürlich ist es schön diese Geschichte in die Zukunft führen zu dürfen. Wir werden das Haus neu ausrichten und viel Neues in unser Museum bringen. Ich freue mich darüber, wenn Technologie, die heute gerade ihren Durchbruch erlebt, schon in den 1970ern im Grundsatz von Dornier entwickelt wurde. Ich denke an das Elektroauto DORNIER DELTA E.

akzent: Wird sich am Museumskonzept etwas ändern unter Ihrer Leitung?

Wir werden in den nächsten Jahren einige interessante Veränderungen vornehmen, die das Haus auch für jüngere Zielgruppen attraktiver macht. Im Team entwickeln wir viele gute Ideen, die zeitnah umgesetzt werden, um jedes Jahr noch mehr Besucher anzulocken. Über Details zu sprechen wäre heute noch verfrüht.

Zur Person:

David Dornier, geboren 1962 in Friedrichshafen und Enkel des Luftfahrtpioniers Claude Dornier, war seit April 2016 Sprecher der Dornier-Stiftung für Luft- und Raumfahrt und Mitglied des Stiftungsvorstands. Stifter Silvius Dornier, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte, ist der Vater von David Dornier. David Dornier ist Inhaber zweier privater Hörfunksender in Berlin und Nürnberg.

Dornier Museum Friedrichshafen | 448;Claude-Dornier-Platz 1 (Am Flughafen) | D-88046 Friedrichshafen | 448;+49 (0) 7541 487 36 14 | 448;www.dorniermuseum.de

Text: Susi Donner