Ob Bio-Lebensmittel nun tatsächlich gesünder sind, darüber mögen sich die Geister streiten. Unstrittig sind dagegen die Vorteile des Öko-Landbaus für Natur und Umwelt. Für viele Verbraucher ist ohnehin die artgerechte Tierhaltung der wichtigste Grund, sich für bio zu entscheiden. Aber bio ist nicht gleich bio. Die strengsten Richtlinien hat der Demeter-Verband. Und der ist am See sehr präsent.

Demeter gehört zusammen mit Naturland und Bioland zu den ältesten Bio-Verbänden im deutschsprachigen Raum. Für Verbraucher immer wieder verwirrend ist die Vielzahl der Bio-Siegel.

Was also zeichnet Demeter aus?

Als Öko-Pionier beansprucht der Demeter-Verband jedenfalls die Qualitätsführerschaft im Bio-Bereich. Demeter-Bauern und -Produzenten leisten nämlich erheblich mehr, als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt.

Demeter – der Name bezieht sich in der griechischen Antike auf die Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit – steht für eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Diese älteste Form der ökologischen Landbewirtschaftung geht auf Rudolf Steiner zurück, den Begründer der Anthroposophie. Und sie ist eine kleine Wissenschaft für sich. Es geht dabei um viel mehr als das Weglassen von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und künstlichen Zusatzstoffen in der Weiterverarbeitung.

Die Basis des biodynamischen Landbaus ist das Erbgut der Pflanzen und Tiere. Deshalb hat Demeter als erster Bio-Verband Richtlinien zur Pflanzenzüchtung erlassen und zertifiziert biodynamisch gezüchtete, samenfeste Gemüse- und Getreidesorten. Das Prinzip: Regional angepasste Sorten-Vielfalt ermöglicht Geschmacksvielfalt, und Saatgut bleibt als Kulturgut in der Verantwortung von Bauern und Gärtnern, wird somit nicht zum reinen Wirtschaftsfaktor. Und ist die Basis für die Eigenständigkeit gegenüber Saatgutkonzernen, die auf Agro-Gentechnik setzen.

Bei der Hühnerzucht geht der Verband ebenfalls eigene Wege. Um auch hier unabhängig von industriellen Zuchtstrukturen zu werden, hat Demeter zusammen mit Bioland, dem größten der ökologischen Anbauverbände, die Ökologische Tierzucht gGmbH gegründet. Erstes Ziel: Das Öko-Huhn von morgen zu züchten, ein sogenanntes Zweinutzungshuhn, das sowohl zum Schlachten als auch zum Eierlegen gehalten werden kann. Bis dahin dürften allerdings noch einige Jahre ins Land gehen. Da man aber schon jetzt die Vernichtung männlicher Küken reduzieren will, werden in Zusammenarbeit mit der Bruderhahn-Initiative Eier verkauft, die mit einigen Cent Aufschlag die Aufzucht der Bruderhähne ermöglichen. Die Hybrid-Hennen subventionieren also derweil ihre Brüder, die zwar nicht der Billig-Hähnchen-Norm entsprechen und aufwendiger in der Aufzucht sind, aber nach einem schönen Leben in Freiheit einen fantastischen Coq au vin abgeben.

Um beim Tierwohl im Demeter-Sinn zu bleiben: „Die uns anvertrauten Tiere begreifen wir als Mitgeschöpfe und achten ihre Integrität. Wir ermöglichen eine ihrem Wesen gemäße Entwicklung, halten, füttern, pflegen, nutzen und züchten sie entsprechend und treten ihnen mit Respekt entgegen.“ So steht es in den Demeter-Richtlinien. Mit dem Begriff der „wesensgerechten“ Haltung geht der Verband noch einen Schritt weiter als die Verfechter der „artgerechten“ Haltung. Bei Demeter werden die Tiere in kleinen Herden gehalten, um ein gesundes Rang- und Sozialverhalten zu ermöglichen. Jeweils 50 Legehennen bekommen beispielsweise immer einen Hahn zur Begleitung. Rinder behalten ihre Hörner und der Transportweg der Tiere zum Schlachten liegt bei maximal 200 Kilometern.

Tiere prägen das Bild der Demeter-Bauernhöfe. Im Zentrum der biodynamischen Wirtschaftsweise steht die Kreislaufwirtschaft, die ohne Tierhaltung nicht denkbar ist. Der Landwirt hält so viele Tiere, wie er mit seinem Land ernähren kann und fördert die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig durch selbst hergestellte, feinstofflich wirkende Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien.

Der Hof ist wie ein Organismus, in dem jedes Organ das andere braucht: Mensch, Pflanze, Tier und Boden wirken zusammen. Eine wichtige Rolle spielen dabei anthroposophische Grundsätze wie die Orientierung an Mondphasen. Gemäß der Steinerschen Lehre sorgt die biodynamische Wirtschaftsweise für die harmonische Entwicklung der Lebenskräfte in den Pflanzen. Das wiederum ermöglicht die Herstellung von Produkten, die der Nahrung von Körper Geist und Seele dienen.

Ganz gleich, was unter dem Demeter-Siegel produziert wird: Gesundheitsbedenkliche Stoffe oder Verfahren sind tabu. Die Integrität des Lebensmittels wird ebenso gewahrt wie seine Authentizität. Das gilt übrigens auch für Demeter-Naturkosmetik.

Demeter ist derzeit in 61 Ländern vertreten. Nach Angaben von Demeter-International wird in 5091 zertifizierten Betrieben eine Fläche von 170.833 ha nach Demeter-Richtlinien biologisch-dynamisch bearbeitet. Davon entfallen 1532 Höfe mit 73.307 ha auf Deutschland. In Österreich und der Schweiz wurden 188 bzw. 263 Betriebe ermittelt, mit einer Fläche von 6085 ha bzw. 4440 ha.

In der Bodensee-Region gibt es eine ganze Anzahl an Demeter-Höfen – schon wegen der vielen anthroposophischen Einrichtungen, die gerade im Überlinger Raum eine lange Geschichte haben. Einer der ersten Demeter-Höfe am See ist der heute als Kinder- und Jugendfarm betriebene Unterbühlhof bei Öhningen auf der hinteren Höri. Bei vielen Demeter-Höfen handelt es sich um Camphill-Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderung heilpädagogisch betreut und in die – beispielsweise landwirtschaftliche – Arbeit eingebunden werden. Das oberhalb von Überlingen gelegene Brachenreuthe ist so ein Ort und zudem die älteste Camphill-Gemeinschaft auf dem europäischen Festland, mit einer hundert Jahre alten Landwirtschaft. Auch der Lehenhof im Deggenhausertal ist eine Camphill Dorfgemeinschaft mit Landwirtschaft und Gärtnerei. Und auf Schweizer Seite ist der Ekkharthof als große anthroposophische Einrichtung mit Demeter-Landwirtschaft bekannt.

Alle Demeter-Höfe, -Hersteller und -Händler in der Region zu nennen, würde unseren Rahmen sprengen, daher hier eine kleine, für Verbraucher interessante Auswahl:

Höfe mit Hofladen/Internet-Shop:

Hofgut Rimpertsweiler, D-Salem
www.rimpertsweiler.de

Hofgemeinschaft Heggelbach, D-Herdwangen
www.hofgemeinschaft-heggelbach.de

Möhrlehof, D-Großschönach
www.humisal-moehrlehof.de

Schroderhof, D-Waldburg
www.schoderhof.de

Pfluger Mosisgreut, D-Vogt
www.hofgutmosisgreut.de

Hofgut Rengoldshausen, D-Überlingen
www.rengo.de

Andreashof, D-Überlingen
www.lichtyam.de

Hof Höllwangen, D-Überlingen
www.hof-hoellwangen.de

Camphill Dorfgemeinschaft Hermannsberg, D-Heiligenberg
www.hermannsberg.de

Hottenlocher Hof, D-Mühlingen
www.hottenlocherhof.de

Haettelihof, D-Konstanz
www.haettelihof.de

Ekkharthof, CH-Lengwil
www.ekkharthof.ch

Rollirain & Birkenhof, CH-Mammern
www.rollirain.ch

Demeter Hof Rainer Bergbauer, A-Schwarzenberg
www.rainer-bergbauer.at

Verschiedenes zum Stöbern:

www.sonett.eu
www.camphill-ausbildungen.de
www.naturata-gmbh.de
www.bioexpress-ibele.de
www.schwendinger-brot.de
www.bio-böhm.de
www.biolenz.ch
www.landbauschule-bodensee.de
www.demeter.ch/hof-finden
www. gemeinwohl.at/biobauern-ab-hof-verkauf

 

Text: Claudia Antes-Barisch  Fotos: Agentur Blumberg