Seit Mai ist die Debatte um Feuerwerke rund um den Bodensee nicht mehr wegzudenken. Der in Konstanz ausgerufene Klimanotstand und die Überlegung, das Feuerwerk am Seenachtsfest aufgrund dessen in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden zu lassen, löste eine allgemeine Diskussionswelle aus. Nachdem die Sommerfeste nun vorbei sind und hitzige Gemüter sich etwas beruhigt haben, werden in einigen Städten Überlegungen angestellt, wie es mit den Feuerwerken weitergehen soll. Was bedeutet das für die Bodenseeregion? akzent hat nachgeforscht und schaut, was es mit den Feuerwerken und den Alternativen auf sich hat.

Am Thema Feuerwerk scheiden sich die Geister. Laut den deutschen „Feinstaub- und CO2-Jägern“ der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) mit Sitz in Radolfzell ist der 1. Januar der Tag mit der höchsten Feinstaubbelastung. Etwa 5.000 Tonnen Feinstaub werden laut DUH in die Luft entlassen. Zudem sei der Emissionsausstoß vergleichbar mit 16% des Straßenverkehrs. Allerdings hält der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) dagegen. Demnach beruhen die Werte auf Schätzungen und Modellierungen und seien in keiner Weise einer Expertise vorzuziehen. Nach eigenen Untersuchungen und Berechnungen der VPI handelt es sich bei dem Emissionsausstoß zu Silvester um lediglich 10 Tonnen, also ganze 500 Mal weniger als die DUH behauptet. Zudem ist die Schädlichkeit der Belastung durch Feuerwerke in keiner Weise vergleichbar mit dem Ausstoß aus dem Straßenverkehr. „Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub“, so der Pyrotechniker Paolo Mezzullo von Pyromondo in Gottmadingen. Denn: Die ausgestoßenen Partikel vom Feuerwerk seien wasserlöslich und außerdem schneller vom Körper wieder entgiftet, als es bei Dieselpartikeln der Fall sei. Außerdem ist die Pyrotechnik immer bemüht, Schadstoffrückstände so weit es geht zu minimieren. Trotz der Bemühungen um Richtigstellung seitens der Pyrotechnik, ist die Diskussion um Feuerwerke und deren Auswirkungen nach wie vor groß. Auch am Bodensee, wo es in den Sommermonaten bei den vielen Volksfesten heftig knallt und raucht, wird diskutiert, was das Zeug hält. Was bedeutet das für die Bodenseeregion? Müssen wir in der Zukunft auf die schönen bunten Abschlüsse der beliebten Sommerfeste verzichten? Wie sieht es mit den Alternativen aus?

Es müssen Alternativen her

Nachdem im Mai der Klimanotstand ausgerufen wurde, war klar: Es muss eine Alternative für das große Abschlussfeuerwerk des Seenachtsfests Konstanz geben. Dieses war in seiner bisherigen Form in diesem Jahr wahrscheinlich zum letzten Mal zu sehen. Mittels einer Bürgerumfrage sollen nun die Konstanzer über Änderungen am Fest entscheiden. Die ersten Ergebnisse, die durchsickern, zeigen zwar eine deutliche Mehrheit fürs Feuerwerk, doch entschieden ist noch nichts. Alternativen wie Drohnen- oder Lasershows sowie Feuerwerke mit Flammen wären denkbar, die Feinstaubbelastung dann geringer. Auch wenn Paolo Mezzullo betont, dass das Feuerwerk des Seenachtsfests bezogen auf jährlich einmalige Großfeuerwerke lediglich 70g/netto Feinstaub verursacht. Während in Deutschland noch überlegt und beraten wird, sieht es in der Schweiz dagegen schon anders aus. In Zürich beim Züri-Fäscht wurde schon in diesem Jahr eine Alternative getestet. Zusätzlich zum Feuerwerk gab es eine Drohnenshow: 150 Drohnen zauberten begleitet von Musik in sieben Minuten Bilder an den Himmel. Der Betrag der Drohnenshow lag laut NZZ übrigens im hohen sechsstelligen Bereich. Das Fazit zeigt sich jedoch ernüchternd. Die Faszination ist da, aber die Berührung bleibt aus. Statt bunte Fantasieformen zeigen die Drohnen-Bilder eben deutlich, was man sehen soll. Die Begeisterung eines Feuerwerks kann diese Alternative noch nicht ganz auslösen.

Es bleibt so wie es ist

So laut die Forderungen nach Alternativen geäußert werden, so laut sind auch die Befürworter von Feuerwerken. Die Veranstalter des Fantastical Kreuzlingen, das parallel zum Seenachtsfest in Konstanz stattfindet, waren von der Entscheidung, das Feuerwerk in Konstanz zu streichen, überrascht. Sie wollen das bunte Spektakel auf jeden Fall beibehalten. Tatsächlich wurden bereits in diesem Jahr gleich zwei Feuerwerke abgeschossen. Dies geschah zwar auch, um die Bottighofer Konkurrenz zu ärgern, doch war zu hören, dass man das Konstanzer Feuerwerk, sollte es in Zukunft ausfallen, gleich mitkompensiere. Zudem verweisen die Veranstalter auf den nachhaltigen Aspekt ihres Feuerwerks, dessen Verpackungsmaterial zu 100% aus Karton bestehe und sich somit entweder im See auflöse oder aus dem See herausgefischt werde. Auch beim Seenachtsfest in Arbon will man auf das spektakuläre Abschlussfeuerwerk nicht verzichten. Zwar können die Veranstalter durchaus nachvollziehen, dass um die Feuerwerke eine kritische Debatte entsteht, für ihr Fest sehen sie aber keinen Handlungsbedarf und behalten somit das Feuerwerk in jedem Fall bei. Ebenso entschieden sind die Veranstalter des Seehasenfests in Friedrichshafen. „Ganz konkret: Wer das Feuerwerk am Seehasenfest abschaffen will, der beißt bei uns auf Granit“, ist von Stadtrat Daniel Oberschelp zu hören. Das Fest soll zwar allgemein natürlicher werden, das Feuerwerk bleibt aber erhalten. Denn allgemein dreht sich bei der Herstellung von Feuerwerken immer mehr um klimaneutrales Material. Entschlossen zeigt sich daneben auch die Festkommission des Bächtlefests in Bad Saulgau. Zwar stellt man sich Alternativen nicht quer. Gleichzeitig sei das Feuerwerk aber auch für viele Besucher das Zugpferd. Der Eintritt für das Höhenfeuerwerk, das traditionell nach dem Serenadenkonzert stattfindet, müsse auch durch den Kauf einer Plakette bezahlt werden. Dementsprechend erwarteten die Besucher auch ein Feuerwerk. Zudem betont Richard Frey, Präsident des Bürgerausschusses, die geringe Größe im Vergleich zum Feuerwerk in Konstanz.

Eine Überlegung ist es wert

Die Debatte ist jedoch längst nicht überall so entschieden. So fordert zum Beispiel die Grüne Fraktion in Ravensburg, das Feuerwerk beim Rutenfest durch eine Lasershow zu ersetzen. Hierbei könnten auf verschiedenen Projektionsflächen Laserillusionen projiziert werden. Darüber will die Grüne Fraktion jetzt beraten und abstimmen lassen. Dieter Graf, Chef der Rutenfestkommission, zeigt sich hierzu jedoch kritisch. Das Feuerwerk gehöre als krönender Abschluss einfach dazu. Auch er verweist zudem auf die im Vergleich zu Konstanz geringe Größe des Feuerwerks. Auch beim Bregenzer Hafenfest ist noch nichts Konkretes für die Zukunft geplant, man sei aber durchaus offen für Neues. Das Bregenzer Stadtmarketing führt zudem aber aus, dass die Alternativen auch durchaus negative Effekte haben könnten.

Grundsätzlich ist beispielsweise bei Drohnen- und Lasershows die kurze Dauer (meist 7 bis 9 Minuten) im Gegensatz zu einem Feuerwerk zu beachten. Gleichzeitig nimmt die Vorarbeit, also Zusammenstellung und Programmierung einer solchen Show, viel Zeit in Anspruch. Dementsprechend verhält es sich mit den Kosten. Auch der Aspekt Strom muss berücksichtigt werden. Zwar können Laser und Drohnen mit Naturstrom versorgt werden, doch was ist zum Beispiel mit den Akkus der Drohnen? Kann sichergestellt werden, dass Herkunft und Produktion diverser Bestandteile gleichfalls klimafreundlich vonstattengehen? Solche Fragen müssen zusätzlich in die Diskussion mit einfließen, wenn man die Volksfeste klimafreundlicher gestalten will. Norbert Stangl, Chief Marketing Officer von Laserworld in Lengwil, stellt hierzu klar, dass Showlaser heutzutage vergleichsweise wenig Energie verbrauchen, gerade „ein starkes System für den Outdoor-Bereich verbraucht ungefähr nur so viel Strom wie ein Haarföhn.“ Denkbar wäre eine Kombination aus Lasershow und Feuerwerk, das die Laserstrahlen besser sichtbar mache. Auch er verweist darauf, dass Großfeuerwerke grundsätzlich kein großes Problem in Bezug auf Feinstaubemissionen darstellen.

Isabel Jäger vom Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bad Waldsee verweist auf die bürokratischen Schwierigkeiten. So wird zwar zum Beispiel der Flugverkehr nicht gefährdet, doch bis die Genehmigungen der zuständigen Behörden vollständig vorhanden seien, könnten schon ein paar Monate vergehen. Allerdings sei das bei Feuerwerken mit der Genehmigung für die Einfuhr der Sprengstoffe nicht weniger schwierig. Zwar hält sich die Stadt für Alternativen zum Altstadtfest bereit, das Feuerwerk bleibt aber sicherlich in den nächsten Jahren Abschluss des Festes.

Klar ist, die Diskussion um die bunten Lichter ist groß. Trotz der vielen Stimmen dagegen geht die Tendenz aber weiterhin zum Feuerwerk, denn gerade die Abschlussfeuerwerke der Volksfeste um den Bodensee bedeuten eine Tradition, die sich viele auch nicht nehmen lassen wollen. Experten betonen auch, dass bei Großveranstaltungen das Problem viel eher bei Transport und Verpflegung der Besucher liege. Hierbei würden über 90% des Emissionsausstoßes verbraucht. Das sei ein wichtiger und wertvoller Ansatz, der beachtet werden müsse. Vor allem die Bodensee-Schifffahrt könnte hier ein Zeichen setzen! Falls der Anspruch einer Änderung von Feuerwerken weiterhin besteht, könnte eine Verkleinerung eine Lösung sein. Gerade in Konstanz, wo das Fest wieder kleiner und familiärer werden soll, wäre ein kompakteres Feuerwerk passender. Natürlich sollte man sich Alternativen gegenüber nicht verschließen. Was aber in jedem Fall gilt: Die Hysterie fallen lassen und sich umfassend und effektiv Gedanken machen!

Text: Tanja Bochmann