CH – Gossau | Irgendwie hört sich alles ein wenig verrückt an: 2005 gründen eine Handvoll Freunde den Rubirosa-Club. Ein Gentlemen’s-Club. Schnell wird klar, dass es nicht nur ein Treffpunkt ist, um sich bei einem guten Glas Wein über Gott und die Welt auszutauschen. Vielmehr entdecken sie die Freude an handgefertigten Produkten und stellen sich dazu irgendwann die Frage, warum eigentlich Männer keine Schuh- und Taschenmarke haben, die eine ähnliche Freude auslöst wie etwa Gucci oder Manolo Blanik bei Frauen. Das war die Geburt von Rubirosa als Lifestyle-Label.

„Wir hatten es ein wenig unterschätzt, aber es gibt uns noch“, fasst CEO Flavio Agosti nach vier Jahren am Markt augenzwinkernd zusammen. Der Ex-Profifußballer gehört zu den Gründungsmitgliedern. Nach seiner Karriere auf dem großen Rasenfeld hatte er fast neun Jahre lang Erfahrung als Projektmanager beim Institut für Jungunternehmen (IFJ St. Gallen) sammeln können. Gemeinsam mit Luca Vidi organisierte er 2005 die ersten Rubirosa-Events, aus denen 2014 das gleichnamige Label entstanden ist. Der 42-jährige Luca, ein ehemaliger Ski-Rennläufer, gründete bereits im Alter von 19 Jahren sein erstes Unternehmen. Weitere Start-ups folgten, doch sein Herzblut hängt heute eindeutig an Rubirosa. Ebenfalls von Anfang an mit an Bord ist Remy Hälg, ein ausgebildeter Primarlehrer mit Abschluss als Schulleiter, der heute als Berufsschullehrer tätig ist und bei Rubirosa seiner Passion im Bereich Mode nachgehen kann: Er ist der kreative Kopf. Zum Gründungsteam gehört zudem Urs Rufer, Informatiker mit Hang zu Skiern und Uhren. Eine bunt gemischte Gruppe, die – einfach mal so – Schuhe und Taschen auf den Markt bringen und damit Begehrlichkeiten wecken möchte. Kann das gut gehen?

Keine Modemarke, es ist Magie

„Wir können heute problemlos sagen, dass wir mit den Besten mithalten können“, so Flavio Agosti. Doch der Weg dahin war nicht einfach. „Schuhe, das ist ein schwieriger Markt. Wir hatten es echt unterschätzt.“ Was ihnen hilft, ist ihre unbändige Leidenschaft. Die Leidenschaft, die die Freunde schon im Gentlemen’s-Club zusammengebracht hatte. Die Leidenschaft, die auch ihr Namensgeber Porfirio Rubirosa (1909-1965) gelebt hat. Der lateinamerikanische Gentleman galt als Stilikone seiner Zeit und war legendärer Diplomat, Polospieler und Autorennfahrer. „In unserem Club geht es um Passion, um alles, was Spaß macht. Genau das ist auch unser Label Rubirosa. Es ist eben keine Modemarke, es ist viel mehr“, sprudelt es aus Flavio heraus. „Die Magie steckt in der Philosophie. Rubirosa ist eine Welt, es ist ein Lebensgefühl.“ Genau dieses Lebensgefühl soll über die angebotenen Sneakers und dazu passenden Taschen vermittelt werden. Der typische Rubirosa-Kunde ist unabhängig, modisch interessiert, aber zeitlos – und ein Macher mit Passion. Genau wie Flavio, Luca, Remy und Urs.

Eine Vision von Kopf bis Fuß

Dass es am Ende Sneaker werden würden, war nicht von Anfang an klar. Seit Gründung des Clubs wurden viele Ideen gesponnen und auch umgesetzt. Von Hemden über Ski bis hin zu Portwein brachten die Jungs schon vieles auf den Markt. Hauptsache handgefertigt und mit Stil. Flavio blickt zurück: „Wir hatten wirklich die Vision, dass alles von Rubirosa zu haben sein würde. Von Kopf bis Fuß sozusagen. Bei Schuhen haben wir dann gemerkt: Das hat Potenzial. Um im Markt ernst genommen zu werden, muss man sich fokussieren“, so der erfahrene Projektmanager.

2014 stand dann die offizielle Labelgründung an. Im Januar 2015 war die erste Sneaker-Kollektion auf dem Markt. Doch wie gesagt: Sie hatten es unterschätzt. „Zu Beginn war unser Produkt zwar gut, aber eben nicht da, wo wir es haben wollten.“ Den Rubirosa-Machern ist klar, dass sie ihren Kunden etwas bieten müssen. Die edlen Leder-Sneaker gehen heute für rund 350 Euro pro Paar über den Ladentisch. „Wir haben viel Zeit und Energie in die Produktentwicklung gesteckt“, so Flavio. Und sie haben damit ihr Produktziel erreicht: Die in der Schweiz entworfenen Produkte werden in kleinen Manufakturen in Italien und Portugal hergestellt. Man kennt sich persönlich, die Produktion wird im Detail überwacht und nichts dem Zufall überlassen. Rund 100 Arbeitsgänge braucht es vom Aussuchen des Materials bis zur Endabnahme der Schuhe. Alle Rubirosas werden von Hand ausgeschnitten und in Handarbeit genäht. Dass das Leder ausschließlich aus Europa stammt, welches in Italien oder Deutschland gefärbt wird, versteht sich bei Rubirosa von selbst. Denn weder Kinderarbeit noch weite Transportwege von Übersee oder verschmutzte Gewässer mangels vorhandener Kläranlagen passen in die Welt eines echten Gentlemans. Dass sie ihr Produkt nahezu perfektioniert haben, sieht man auch an Details wie dem pflanzlich gefärbten Innenleder. Durch diese Gerbung sollen allergene Reaktionen ausgeschlossen sein.

It’s a men’s world, oder nicht?

Ganz im Sinne der Ursprungsidee gibt es natürlich für die Herren der Schöpfung auch die zu den Schuhen passenden Taschen, die für rund 600 bis 900 Euro zu haben sind. Allerdings bringt Rubirosa diese edlen Produkte, ganz gentlemensclub-like, auch weiterhin nur für Männer auf den Markt. Hinter den Kulissen hat sich das Männerteam allerdings weibliche Verstärkung geholt. Seit Juni 2018 zeichnet Corinne Kunz als Head of Marketing & PR für den Markenauftritt verantwortlich. Ein schlauer Schachzug. Sie bringt über 20 Jahre Erfahrung aus der Welt der Damenmode mit, wo sie beim Luxusmodehersteller Akris in führenden Positionen tätig war. Und da Frauen bei Herrenbekleidung verschiedenen Studien zufolge in drei von vier Fällen die Kaufentscheidung treffen, dürfte diese Rechnung aufgehen.

Rubirosa Management GmbH | Lagerstrasse 4, CH-9200 Gossau SG |  +41 (0)44 586 02 80 |  www.rubirosa.com

Gentlemen’s  Clubs

Diese Clubs werden von Personen mit ähnlichen Ansichten, Vorlieben oder
Interessen gegründet.  Die ersten Clubs
entstanden in London um 1765 und erreichten den Höhepunkt ihrer sozialen
Bedeutung im späten 19. Jahrhundert. Auch heute noch treffen sich Geschäftsleute
und Politiker in solchen Clubs zu Diskussionen und Konferenzen über aktuelle
Probleme. In einen Gentlemen’s Club kann nur aufgenommen werden, wer von einem
Mitglied den anderen Mitgliedern empfohlen wird. Bis auf wenige Ausnahmen sind
keine Frauen zugelassen.