Ob zu einem Essen oder zu einem gepflegten Apéro in geselliger Runde, Wein trinken wird immer populärer. Wenn man dabei ein paar Stilregeln beachtet, ist der Weg zum Weingenießer nicht weit. Mit Weinprofis, darunter Diplom-Sommelière und Ausbilderin zum Weinkulturführer Ildikó Buchner, hat akzent einen kleinen Weinknigge zusammengestellt.

Weine auswählen

Wer Weine direkt beim Winzer oder bei einem Weinfachhändler kauft, ist gut beraten, weil man die Weine dann oft vor Ort probieren kann. Zu welchem Anlass möchte man den Wein konsumieren? Soll der Wein trocken sein oder darf er Restsüße haben? Bevorzugt man leichte, aromatische, fruchtige Weine oder eher gehaltvolle Rote? Soll der Wein ein Essen begleiten? Welche Speisen sind geplant? Als Weinkenner wird man nicht geboren. Immer wieder Weine probieren und vergleichen, ist die beste Schulung. Gelegenheit dazu gibt es viele in der Bodenseeregion – das ganze Jahr über bei unzähligen Weinevents, Weinfesten und Weinmessen rund um den See (Termine auf: www.weinregion-bodensee.com). Und bei noch so vielen Empfehlungen, Auszeichnungen, Goldmedaillen – an erster Stelle zählt immer: Der Wein muss einem selbst schmecken!

Weine richtig probieren

Was einen guten Wein so spannend macht: Er erzeugt wie kein anderes Getränk eine Vielfalt von Sinneseindrücken. Wein will in allen seinen Facetten wahrgenommen werden, also mit Augen, Nase und Gaumen in dieser Reihenfolge. Das Anschauen verrät dem erfahrenden Weingenießer bereits einiges über den Wein. In der Nase entfalten Weine ihr faszinierendes Aromenspiel. Dazu schwenkt man das Glas leicht ein-, zweimal um sich selbst, führt es an die Nase und atmet den Duft tief ein. Die Bewegung benetzt die Glaswand, so kann sich das Bouquet ausbreiten. Welche Aromen nimmt man wahr? Apfel, gelbe Früchte, rote oder Waldbeeren oder viele Dutzende andere Duftnoten? Wenn man sie nicht gleich beschreiben kann, ist das ganz normal. Die Übung macht’s! Das Aromenspiel in der Nase ist ein Teil des Weinerlebnisses, der anschließende Schluck rundet es ab. Wie gibt sich der Wein im Mund? Samtig, weich, seidig, ölig, kräftig, voll, wuchtig? Beim Schlotzen, wie man im Breisgau sagt, verteilt sich der Wein und aktiviert alle Geschmacksknospen. Beim anschließenden Schlucken spürt man nach, wie der Wein im Gaumen nachwirkt.

Kühlen

Faustregel: Je fülliger ein Wein ist, desto weniger kühl will er serviert werden. Für leichte Weiß- und Roséweine gilt: Um die 10 Grad sind optimal,  bei gehaltvolleren wie Grauburgunder oder im Barrique gereiften Weißweinen dürfen es bis zu 14 Grad sein. Auch leichte Rotweine dürfen leicht gekühlt, d. h. bei etwa 12-14 Grad, serviert werden. Bei kräftigen Rotweinen sind um die 16 Grad ideal, also eher Keller- als Zimmertemperatur. Wenn es sehr warm draußen ist, kann man sie kurz, für zwei, drei Stunden in den Kühlschrank stellen. Tonkrüge halten die Temperatur besonders lange, verrät Ralph Heule vom Weingut Berneck. Und wenn es sehr heiß ist wie Im Sommer 2018? Darf man mit Eiswürfeln kühlen? Nicht schön, weil der Wein dadurch verwässert wird; bei einem guten Wein verbietet es sich von selbst. Ein Trick: Statt Eiswürfeln kann man Traubenbeeren einfrieren und diese verwenden.

Flasche öffnen

Sind Naturkorken besser als Schraubverschlüsse? Zu Unrecht haftet den Schraubern ein Billig-Image an, denn sie erfüllen ihren Zweck so gut wie die – zugegeben – eleganteren Naturkorken. Sie haben sogar den Vorteil, dass bei ihnen das Risiko von Korkgeschmack im Wein entfällt, und dass sie beim Aufmachen nicht bröseln. Wenn man Gäste erwartet, empfiehlt es sich, die Flasche(n) vorher zu öffnen und den Wein vorzukosten, empfiehlt Ildikó Buchner. Gehaltvolle Rotweine sollten drei Stunden „atmen“ können oder – noch besser – dekantiert werden.

Gläser

Weinaromen wollen sich entfalten, dazu brauchen sie Raum und Luft. Die Gläser sollen deshalb nicht zu klein sein. Probier- und die kleinen Weinfestgläser sind ein No-Go, Schoppengläser oder Qualitäts-Plastikkelche mit Stiel gehen allenfalls beim Picknick oder im Garten. Wer gern Wein trinkt und Gäste bewirtet, sollte sich je ein Set Weiß- und die etwas breiteren und bauchigeren Rotweingläser von guten Herstellern wie Zwiesel, Riedel, Stölzle oder Leonardo anschaffen. Wichtig: Das Weinglas immer am Stil anfassen. Der Stil hat ja seine Berechtigung: Die Hand wärmt den Wein nicht auf und das Glas bekommt keine unappetitlich aussehenden Flecken.

Einschenken

Randvoll Wein einschenken kommt fast einer Todsünde gleich, denn damit sperrt man die Weinaromen geradezu aus. Faustregel: etwa bis zur Mitte des Bauchs im Kelchglas, Rotwein nur bis zum einem Drittel, bei Sekt im schmalen Sektkelch dürfen es bis zwei Drittel sein. Wird eine neue Flasche ausgeschenkt, wartet man besser, bis das Glas ausgetrunken ist, auch bei derselben Sorte. Ein Glaswechsel steht spätestens an, wenn man die Weinfarbe wechselt.

Zuprosten

Dem Gastgeber gebührt das erste Anstoßen. Aber nur ganz leicht – vorzugsweise sogar ganz ohne Stößchen. In gehobenen Kreisen und bei offiziellen Anlässen ist es üblich, nur das Glas zu erheben und den jeweiligen Person(en) zuzunicken. Eine Besonderheit in der Schweiz: Dort sagt man beim Zuprosten seinen Vornamen, was allerdings nicht immer eine Aufforderung zum Duzen ist, es kommt auf den Anlass und die Teilnehmer an. In vertrauter geselliger Runde kann man natürlich auch anstoßen, dann aber dezent. Prost! oder Prosit! sind zwar gängige Trinksprüche, feiner klingen hingegen: Zum Wohl! oder: Auf Ihr Wohl!

Text: Heide-Ilka Weber