D – Friedrichshafen. Warum nicht die Tage vor Weihnachten mal ganz anders besinnlich sein? Im Restaurant vom Zeppelinmuseum gibt es eine rauschende Party-Nacht und eine glamouröse und glitzernde Burlesque Show. Neugierig?

Ja, sehr neugierig. Golden Treasure, Fräulein Flauschig, Angelica G. L’Amour und Sugar LaLuz werden auftreten, und die Raketenmieze wird die Burlesque Show moderieren, während derer sich unter anderem ein Weihnachtsbaum „entblättern“ wird. Ja aber was ist denn eigentlich Burlesque? Ein Striptease? Ja auch, aber auch wieder nicht und wenn, dann ganz anders. Es geht um laszive Verführung. Weibliche Raffinesse. Sehr sexy. Frivol. Stilvoll. Kreativ. Und unglaublich süß. Charmant. Männer und Frauen haben Spaß daran. Vor allem die Frau, deren Künstlername Raketenmieze ist. Burlesque, sagt sie, erzähle Geschichten und sei eine Ausdrucksform, um ganz Frau zu sein. Und um viel Lebensfreude zu empfinden. Der Striptease sei die neckische Note dabei.

„Ich hatte immer schon eine Schwäche für die Mode der 1950er, á la Moulin Rouge.“ Irgendwann hörte sie etwas von Burlesque und belegte einen Workshop in Berlin. Und schon war sie infiziert. Das Thema ließ sie nicht mehr los. Die Glitzerwelt wurde zu ihrer Leidenschaft. Sie wollte auftreten, spürte: Ich bin eine echte Rampensau. Brauche die Bühne. Den Jubel. Den Applaus. 2011 zog sie von Stuttgart an den Bodensee und brachte ihre Passion mit. Sie arbeitete mit anderen Performerinnen, wie Fanni di Favola, die auch vom Bodensee stammt, erste Nummern für sich aus. Trat 2014 im Varieté im Park in Stuttgart und im Rising Starlets in München auf. Ein Schlüsselmoment war, als sie sich das erste Mal den BH-Träger von der Schulter streifte und die Leute ausflippten. „Ich habe ein ganz neues Schönheitsverständnis bekommen. Spüre eine neue Weiblichkeit. Ich weiß jetzt, dass es die Ausstrahlung ist, die schön macht. Es ist egal wie groß, wie alt, oder wie rund du bist. Das Einzige, was zählt, ist, dass du stolz bist auf dich. Es war ein unglaublich spannender Prozess. Zuvor traute ich mich nicht mit Badeanzug ins Schwimmbad und nun stehe ich im Bikini und weniger auf der Bühne und die Zuschauer finden es toll. Das ist wie ein Befreiungsschlag.“

Burlesque sei ehrlich und authentisch. Erst spielen die Künstler eine Rolle. Sind oft verrückt verkleidet. Aber alles wird ausgezogen. Dann stehen sie pur da. Ganz sie selbst. „Nackt bis auf die Nippel und das Bermudadreieck. Die bleiben immer verdeckt“, erklärt die Raketenmieze schelmisch. Das gebiete der Ehrenkodex. Es gehe nicht darum, einem Ideal zu entsprechen, sondern darum, Bühnenpräsenz zu zeigen. Ein gutes eigenes Körpergefühl zu entwickeln. Burlesque sei eine freie Kunstform und zeige die vielen Facetten einer Frau. „Ich liebe die Verwandlung – wir können alles sein, wenn wir nur wollen.“ Und diese guten Impulse wolle sie auch an andere Frauen weitergeben. „Wir müssen nicht die Megasexbomben sein, sondern uns wie eine fühlen. Weil innen drin sind wir doch alle Sexbomben.“ Die Raketenmieze alias Kerstin Seeger gründete Bodensee-Burlesque und produzierte das erste Burlesque-Schiff am Bodensee, fand Gefallen am Organisieren und veranstaltete eine Frühlingsparty und im Sommer die Bodensee Burlesque Extravaganza auf der „MS Lindau“.

Entspannt euch. Es ist ein Spiel.

Und nun steht also die Burlesque-Show kurz vor Weihnachten an. Wer zur Party kommt, darf’s krachen lassen, vor allem, was das Outfit angeht. Das ist die Chance für schick. Jeans und Turnschuhe sollten daheim bleiben. Das eine Kleid, das schon so lange im Schrank hängt und angezogen werden will, das muss es sein. Die Show finde nicht nur auf der Bühne statt. Das Publikum habe die Chance, an diesem Abend selbst in Rollen zu schlüpfen. Denn der Burlesque Spirit werde überspringen wie ein Funke. Ansonsten: „Entspannt euch. Es ist ein Spiel. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.“

17.12., 20 Uhr | Zeppelin Museums Restaurant, Seestraße 22, D-88045 Friedrichshafen | www.bodensee-burlesque.de