D – Lindau | Dr. Adnan Wahhoud aus Lindau ist für viele Menschen in Syrien ein Held. Denn er unterstützt die Ärmsten der Armen, bringt ihnen medizinische Hilfe und sorgt für Waisenkinder in einem Land, in dem der Krieg seit vielen Jahren Leben und Lebensgrundlagen zerstört.

Der Mann, der Großes leistet, bleibt bescheiden: „Es rührt mich, was da in Syrien geschieht. Deshalb helfe ich“, sagt Adnan Wahhoud. Sieben „Medical Points“ – das sind Kombinationen aus Arztpraxis und Apotheke – hat er in den vergangenen fünf Jahren in Syrien aufgebaut. Mithilfe von Spenden, vor allem aus Lindau, aber auch aus Krumbach und dem mittelfränkischen Roth, sorgt der 66-jährige Lindauer für Personal, Medikamente, Verbands- und Hilfsmittel und den laufenden Betrieb der „Medical Points“. Sie tragen deshalb den Namen dieser Städte. Wahhoud betreut diese Einrichtungen persönlich, fährt mehrmals im Jahr nach Syrien, sieht zerbombte Städte, begegnet Menschen in Angst und Not – und hilft, wo er helfen kann.

Rund 12.000 Menschen, vor allem Kinder, erhalten so jeden Monat in diesen weit verstreuten „Medical Points“ medizinische Hilfe. Zudem gibt es zwei Schulambulanzen, deren Ärzte direkt in die Schulen gehen, um nach den Kindern zu sehen. Wahhoud kümmert sich in Syrien jedoch nicht nur um kranke Menschen, sondern auch um Waisen und Halbwaisen. Etwa 100 Familien mit insgesamt rund 300 Kindern unterstützt er finanziell, damit sie über die Runden kommen. Meist sind die Väter im Krieg gestorben. „Die Menschen, die ich unterstütze, sind die Ärmsten der Armen. Sie sind zu arm, um zu fliehen“, sagt Wahhoud.

Er ist selbst in armen Verhältnissen aufgewachsen – in Damaskus, als Sohn eines Handwebstuhlarbeiters. Er durfte aber die Schule besuchen und trug zugleich am Handwebstuhl zum Lebensunterhalt seiner Familie bei. Diese Arbeit im jungen Alter beeinflusste sein späteres Wirken in der Wissenschaft und Industrie. Sein Wissens- und Schaffensdrang führten ihn 1971 nach Europa – zunächst nach Wien, dann zum Maschinenbaustudium nach Aachen und schließlich zur Lindauer Dornier, einer weltweit renommierten Firma für Textilmaschinen- und Anlagenbau. Sein erfinderischer Geist, seine tief verwurzelte Kindheitserfahrung beim Weben und seine Tatkraft machten Dr. Adnan Wahhoud zu einer Koryphäe der Webtechnik. Seine Erfindungen waren wegweisend, die Liste seiner Patente ist ellenlang und seine wissenschaftliche Arbeit wurde durch mehrere Auszeichnungen gewürdigt.

Seit ein paar Jahren ist Dr. Adnan Wahhoud in Rente. Seine Zeit stellt er in den Dienst der humanitären Hilfe, die auch über die Bodenseeregion hinaus Beachtung findet. So hat im vergangenen Jahr der arabische Nachrichtensender Al Jazeera eine Dokumentation über ihn gedreht. Wahhoud selbst hofft, dass er sich noch lange um die Menschen in seinem Heimatland kümmern kann und dafür auch das nötige Geld durch Spenden bekommt. Etwa 2200 Euro kostet ein „Medical Point“ pro Monat. „Das ist sehr wenig, weil wir sehr effektiv arbeiten“, sagt er und ist sich in finanzieller wie auch menschlicher Hinsicht sicher: „Mein Einsatz rentiert sich.“

Hier ein Film über Adnan Wahhoud von Al Jazeera:

www.a-wahhoud.de

Text: Ruth Eberhardt | Fotos: Dr. Adnan Wahhoud/privat