D – Ravensburg | So ziemlich jeder akzent-Leser kennt Werke der Drehbuchautorin  Dorothee Schön. Wenn auch oft, ohne es zu wissen. Am 27. Juni feiert ihr neuester Film Premiere auf dem Münchner Filmfest: „Der Polizist, der Mord und das Kind“. Dorothee Schön lebt und arbeitet in Ravensburg.

Einige der besten Drehbücher für den „Tatort“ stammen aus der Feder von Dorothee Schön. Darunter erfolgreiche Bodensee-Tatorte mit Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum oder Ludwigshafen-Tatorte mit Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal. Sie schrieb Krimis für Kommissar Flemming aus Düsseldorf, die Münsteraner Thiel und Boerne und den Kieler Borowski. Schön beherrscht die Klaviatur des „Hütchenspielens“ im Krimigenre – so nennt sie selbst ihre Arbeit – wie nur wenige. Sie weiß mehr von Dramaturgie als viele Redakteure und ist dabei noch unterhaltsam. Für den „Tatort“ die ideale Kombination. Ihre Krimis sind locker und haben kaum Längen. Ihr oberstes Gebot: „Du darfst nicht langweilen!“ Ihr Markenzeichen ist der abgeschlossene Mikrokosmos. Schön interessiert sich für unscheinbare Orte und Milieus. Ihre Fälle spielen im Kloster, in ländlichen Bäckereien, bei versnobten Schülern im Internat, in der Anatomie oder auf einer Ostsee-Fähre. Einen Schrottplatz schlachtet sie buchstäblich aus und erzählt nebenbei etwas über Sinti und Roma. Ihre Wurzeln liegen im aufklärerischen Dokumentarfilm. Von ihr stammt auch das Drehbuch zur sechsteiligen historischen Serie „Charité“, die Anfang des Jahres im ZDF lief. Sönke Wortmann führte Regie und es gab viel positives Medienrauschen dafür. Fast genau 40 Drehbücher hat Dorothee Schön fürs Fernsehen und fürs Kino geschrieben. Sie hat zahlreiche Preise für ihre Arbeiten bekommen und gleich zweimal den begehrten Grimme-Fernsehpreis: Für den Senta-Berger-Film „Frau Böhm sagt Nein“ und „Der letzte schöne Tag“ mit Wotan Wilke Möhring.

 

Hinter den Kulissen ist Dorothee Schön ein Star und in der Szene beliebt und begehrt. Nur das Publikum nimmt sie im Abspann oft nicht wahr. Das sei das Schicksal der Drehbuchautoren, ohne die es den Film nicht geben würde – sie bleiben meist unsichtbar für den Zuschauer. Als junge Autorin sei sie manchmal neidisch gewesen auf die Aufmerksamkeit, die die Schauspieler oder der Regisseur bekamen. „Wenn man einen Film macht wie den Tatort, der doch sehr renommiert ist, wäre es schon schön, wenn die Leute wissen, dass du den geschrieben hast.“ Heute sieht sie das ganz anders: „Ich bin nicht mehr scharf drauf, erkannt zu werden. Es ist ein großes Privileg diese Sachen machen zu können, ohne in der Öffentlichkeit zu stehen, morgens im Jogginganzug aus dem Haus gehen zu können, ohne erkannt zu werden. Es lebt sich sehr angenehm unerkannt“, sagt sie im Interview.

Im Film „Der Polizist, der Mord und das Kind“ geht es um den Polizeibeamten Carlos Benede. Er hat im Opferschutzkommissariat schon viele Kinder kennengelernt, die Opfer einer Straftat geworden sind. Doch der Fall des elfjährigen Alex, der Zeuge wurde, wie sein Vater seine Mutter ermordete, verändert Benedes Leben. Der ernste und frühreife Alex fasst Vertrauen zu dem lebensfrohen Single Benede, der selbst als Heimkind aufgewachsen ist. Benedes Aufgabe ist es, den Jungen auf seine Aussage im Prozess gegen den Vater vorzubereiten. Nachdem Alex’ Vater zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt ist, ist Benedes Zuständigkeit für den Jungen eigentlich beendet. Doch Alex wünscht sich den Polizeibeamten als Vater …

 

Zur Person: Dorothee Schön, 1961 geboren in Bonn. Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Seit 1985 freie Drehbuchautorin. Sie ist Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie, hatte mehrere Lehraufträge inne. In der Drehbuchwerkstatt München betreute sie angehende Autoren. Dorothee Schön ist seit 1988 mit dem aus Ravensburg stammenden Regisseur Jürgen Bretzinger verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund. Sie lebt seit 1998 in Ravensburg.

www.dorotheeschoen.de