Wo bekomme ich einen regionalen Mund-Nasenschutz her?

Was uns bislang meist nur aus dem Straßenbild asiatischer Großstädte bekannt war, hält nun aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie auch in der Großstadt Bodensee Einzug: das Tragen eines Mund-Nasenschutzes (siehe dazu auch unseren Beitrag „Andere schützen“). Doch diese sind leider mittlerweile Mangelware im Einkauf geworden. Sowohl der einfache Mund-Nasenschutz, in der Regel aus Papier oder Vliesfasern hergestellt, der nicht zum Selbstschutz dient, sondern verhindern soll, dass Erreger über Mund und Nase in die Umwelt gelangen, als auch partikelfiltrierende Halbmasken, sogenannte FFP-Masken, die nicht nur die Umwelt, sondern auch den Träger selbst vor gefährlichen Erregern schützen.

Doch Not macht eben auch erfinderisch. So haben sich in der Großstadt Bodensee einige Firmen, die bislang quasi alles andere, nur keine Gesichtshalbmasken hergestellt hatten, nicht lange Gedanken gemacht, sondern einfach gehandelt und kurzerhand ihre Produktion an die aktuelle Situation angepasst. Ebenso sind private Initiativen entstanden – in vielen Wohnungen laufen derzeit die Nähnadeln heiß. Entstanden ist eine neue Art des einfachen Mund-Nasenschutzes: die Stoffmaske. Sie hat den Vorteil, dass sie wasch- und somit mehrfach verwendbar ist.

Zu beachten ist jedoch, dass diese einfachen Masken, egal ob industriell oder per Handarbeit produziert, keinerlei Filterwirkung zum Schutz vor Bakterien oder Viren haben! Hierfür ist der in den FFP-Masken eingebaute Filter notwendig. Bitte also trotzdem weiter regelmäßig die Hände waschen, Abstand halten und Taschentücher nach einmaligem Gebrauch entsorgen.

Ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Nur weil selbstgenähte Masken keinen medizinischen Schutz bieten, heißt das nicht, dass sie nicht doch einen Sinn hätten. Farbe, Freude und Leichtigkeit in den Alltag bringen ist etwa das Ziel von Himmelgrün. „Angst minimieren, ohne den Respekt und die Verantwortung klein zu reden“, wollen die Macher der Kissenmanufaktur im Bregenzerwald. Die Gute-Laune-Schutzmasken sind vor Ort in Egg zu haben oder über den eigenen Onlineshop auf www.himmelgruen.at.

Auch Martina Wabro bringt Farbe in den manchmal düsteren Corona-Alltag. In ihrem Laden im Fährhaus in Meersburg fertigt sie aus gewöhnlichen Stoffen bunte Mund-Nase-Schutmasken. Sie habe versucht, Stoffe in Schutzmaskenqualität zu bekommen, diese sind jedoch nicht vor Juni lieferbar. Ihre farbenfrohen Masken bietet sie mit Gummizug oder zum binden an. Einfarbig zu je 5 Euro, gemustert zu je 6 Euro. Alle sind 60 bis 90 Grad Celsius waschbar und direkt unter omega@faehrhaus-meersburg.de zu bestellen.

In Singen hat die Änderungsschneiderei Kisaoglu (schneiderei-kisaoglu.hpage.com) in der Ekkehardtstraße derzeit auch auf das Herstellen von Gesichtsmasken umgestellt. Bis zu 250 Stück werden pro Tag gefertigt. Die Masken werden vor Ort gekauft oder auch geliefert. Doch auch hier gilt: es ist kein medizinischer Schutz – jedoch: lieber ein bisschen Schutz als gar keiner, so Esat Kisaoglu.

Wer in Ravensburg bei der Fair Trade-Genossenschaft Weltpartner eine Maske kauft, tut gleicht doppelt Gutes: pro verkaufter Maske stellen die Näher in Kenia gleich zwei Masken her. Eine geht nach Deutschland in den Weltpartner-Laden (Gespinstmarkt 25, Ravensburg), eine wird in Nairobis Slums kostenlos verteilt. Die Masken sind aus Bio-Baumwoll-Stoffen, aus denen sonst T-Shirts im dortigen Betrieb hergestellt werden.

Die Werkstatt im Atelier Victoria Graf in Radolfzell-Böhringen hat seit 22. April wieder ihre Türen geöffnet. Veranstaltungen müssen noch warten, aber der Laden ist offen und es werden dort ebenfalls einfache Mund-Nasen-Masken genäht.

Schneiderin Elke Otto in Markdorf, die auf Naturmode spezialisiert ist, fertigt derzeit auch Mund-Nase-Schutzmasken aus Stoff an. Momentan ist aufgrund der großen Nachfrage allerdings mit einer Wartezeit zu rechnen. Infos und Bestellungen über mail@elkeotto.de.

Ebenfalls in Markdorf laufen bei Näherei Ehrmann & Co die Nadeln heiß. Verkauft werden die Stoff-Schutzmasken an Endverbraucher im Laden in der Ulrichstraße 3 in Markdorf. Infos unter +49 (0)7544 95 50 59.

Schnell und raffiniert waren Tobias und Oliver Mink, die in Konstanz, Friedrichshafen und Ravensburg ihre Ladengeschäfte Mink Stoffe & Gardinen betreiben. Sie haben sich kurzerhand die Domain www.mundschutzmaske.net gesichert und bieten dort, neben dem Verkauf an den drei Standorten, ihre Mundschutzmasken an.

Unter dem Motto „Wir aus Konstanz für Euch in Lodi“ nähen die drei Rotary Clubs aus Konstanz selbst Stoffmasken. Der Erlös geht an das Rote Kreuz der Konstanzer Partnerstadt Lodi in Norditalien, die von der Coronakrise stark betroffen ist. Zu bestellen unter www.itfits.de/rotary-maskenaktion.

Weitere Angebote privat hergestellter, einfacher Mund-Nasen-Schutzmasken gibt es auf www.maskefuerdich.de. Der IT-Spezialist Matthias Thoerner aus Bad Waldsee ist Mitbegründer der „Tauschbörse privater Schneider in Deiner Nähe“. Rund 160 Näherinnen hatten sich Mitte April bereits eingetragen. Neben der Tauschbörse sind auch Tipps und Nähanleitungen auf der Website zu finden.

Querdenker in der Industrie

Ganz im Sinne von Corporate Identity denken die Manufaktur GmbH und die Bischoff Textil AG in St.Gallen. Sie bieten einfache Stoffmasken an, die für Teams individuell gestaltet werden können, etwa in den Farben des Unternehmens oder mit Firmenlogo bestickt. Laut eigenen Angaben handelt es sich um nicht zertifizierte Hygienemasken aus doppeltem Baumwollstoff mit einfacher Barrierewirkung. Waschbar bei 60° Celsius. Produziert wird bei Bischoff im Stickereiwerk, Konfektion, Fertigstellung und Vertrieb läuft über Die Manufaktur. Kleine Mengen, auch für den Privatgebrauch, können unter www.manufaktur-shop.ch bestellt werden. Großbestellungen, für Unternehmen, bitte per Mail (info@diemanufakturgmbh.ch) oder telefonisch (+41 (0)71 278 15 00).

Wäschehersteller Mey in Albstadt-Lautlingen (www.mey.com) hat die Aktion #wirsindhier ins Leben gerufen. Die rund 130 Näherinnen am Firmenhauptsitz nähen derzeit Mund-Nase-Schutzmasken statt Body- und Loungewear. Beliefert werden institutionelle Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime, aber keine Privatpersonen. Mey hat hierfür eine Sonderzulassung von Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhalten, da ihre Masken neben der 60°C-Waschbarkeit auch wasserabweisend und so verarbeitet sind, dass sie sehr eng anliegen. Der Weg vom BH zum Mundschutz ist nicht weit. Sowohl was die Form angeht als auch die Bestandteile.

In Vorarlberg haben sich in der „Taskforce Schutzmaske“ gleich mehrere Unternehmen zusammen getan. Darunter Strumpfhersteller Wolford, Stoffhersteller Getzner Textil und Stickerei Hämmmerle. Unterstützt werden die Firmen unter anderem von der Fachgruppe Textilindustrie der Wirtschaftskammer und von Ölz Meisterbäcker, der die Verschlussclips liefert, sowie von rund 80 Änderungsschneidereien. Beliefert werden auch hier momentan Arztpraxen und Kliniken, keine Privatpersonen. Der Textilveredler Grabher-Group, ebenfalls mit ihm Boot, rät zudem vom selbst nähen zu Hause ab, da die die Stoffe unbedingt eine hydrophobe Schicht haben müssten, damit auch tatsächlich ein Schutz gegen Tropfen bestehe. Das haben die Stoffe zu Hause in der Restekiste in der Regel nicht. Doch ein Konsortium um die Vorarlberger Grabher-Group (www.grabher-group.at) hat zwischenzeitlich nun auch die ersten FFP-Masken hergestellt, die zu 95 Prozent Viren filtern können sollen. Werden ausreichend Näherinnen gefunden, so könnten täglich mehrere 100.000 Stück produziert werden. Made in Austria. Ein wichtiger Schritt, die Region unabhängig von asiatischen Lieferanten zu machen.

Mund-Nase-Schutzmasken für die Mitarbeiter an Lebensmittelverkaufsstellen wie Bäcker, Metzger oder Gemüsehändler stellt die Firma Printum in Ravensburg (www.printum-hilft.de) seit Kurzem her. Für den Sondermaschinenbauer der Filter- und Pharmaindustrie lag die Aufgabe nah, dem Mangel an Schutzmasken in der Region Abhilfe zu schaffen. Kurzerhand wurde an einer Schutzmaskenmaschine getüftelt, die nun im Einsatz ist. Verschiedene Materialien wurden auf die Eignung als Filtervlies getestet, da die Masken ja auch hautfreundlich und antiallergen sein sollen.

Für die Flawa Consumer GmbH (www.flawaconsumer.com)  im schweizerischen Flawil (SG) war der Weg zu den Schutzmasken ebenfalls nicht weit. Das über 100 Jahre alte Unternehmen ist im Bereich Hygiene- und Körperpflege zu Hause. Durch bestehende Kontakte konnte Flawa den speziellen Vliesstoff zeitnah ordern und produziert nun mehrere 10.000 Universalmasken pro Woche. Sie sind für Privatpersonen gedacht und sind zu bestellen unter www.flawaconsumer-shop.ch. Innerhalb weniger Minuten war die erste Charge bereits ausverkauft. Aber die wöchentliche Produktionskapazität konnte gesteigert werden, wie das Unternehmen mitteilte. Verfügbare Mengen werden weiter täglich neu im Onlineshop angeboten.

Text: Tanja Horlacher
Fotos: Volodymyr Hryshchenko, Engin Akyurt, Samuele Giglio, Mika Baimeister, Vera Davidova