Zeitgenössische Kunst und Konstanz, das hat eine sehr lange Tradition. Schon 1858 taten sich einige Kunstliebhaber zusammen und gründeten den Kunstverein Konstanz – den ältesten seiner Art am Bodensee und den vierzehntältesten in ganz Deutschland. Bis heute ist der Verein der Gegenwartskunst verpflichtet und zeigt momentan „Spiegel zum Hof“, eine Ausstellung von und über Ricarda Roggan und ihre Klasse für Fotografie.

14 verschiedene Positionen zeigen Ricarda Roggan und ihre Schüler*innen – 14 Positionen, die sehr unterschiedlich sind und jeweils ihre eigene Bild- und auch Materialsprache haben. Marie Zbikowskas Arbeit „Dat uns nich langwielig warrt, heppt wie sungen“ etwa ist eine Arbeit mit Wachs, Gips und Bewegtbild, die dem Phänomen des Vergessens auf den Grund geht. Andere Schüler*innen wiederum beziehen sich auf bestehende Künstler*innen und Kunstwerke, allerdings in abgewandelter Herangehensweise; in Jan Hottmanns Selbstbild „Me as CC“ oder Hannah J. Köhlers „Restlicht“ sind diese Referenzen erkennbar. Die Arbeit „The Table“ von Einan Kaku ist eine Verbindung von Performance und Video: Bilder vom Esstisch, jeden Tag um die gleiche Uhrzeit, fast schon rituell. „Rock Point I & II“ von Tino Kukulies zeigt Steinformationen in der Wüste der Navajo Nation, und Johannes Ocker erkundet in seinen fünfteiligen „Dioramen“, was genau in fotografischen Bildern zu sehen ist.

In den Werken junger Künstler*innen offenbart sich Ricarda Roggans Herangehensweise an Fotografie: Sie zeigt Gegenstände, die ihr Leben schon hinter sich haben. Geschichten möchte sie mit ihren Bildern nicht erzählen, sondern den gezeigten Gegenstand selbst erleben und erleben lassen – so entstehen bei der Betrachtung plötzlich Assoziationen und die Erkenntnis, dass diese Objekte auch nach dem „Ableben“ ihrer Funktionsfähigkeit noch Wert und Bedeutung tragen.

Seit jeher ist die Förderung junger Künstler*innen ein Schwerpunkt des Konstanzer Kunstvereins. Da überrascht es nicht, dass die Ausstellung „Spiegel zum Hof“ – zu der übrigens ein ausgiebiger Katalog erscheinen wird – ihren Weg in die beiden hellen Oberlichtsäle gefunden hat. Immer wieder werden junge, aber auch arrivierte Kunstschaffende aus Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz hierher eingeladen. Traditionell arbeitet der ehrenamtlich geführte Kunstverein auch mit anderen Institutionen zusammen, um so größere und aufwendigere Ausstellungen und Publikationen zu ermöglichen. Der Abschluss jedes Jahres wird durch die Mitgliederausstellung markiert – ein Querschnitt durch die kreative Schaffenskraft der mehr als 500 Vereinsmitglieder.

Gemeinsam mit der Stadt Konstanz vergibt der Kunstverein seit 1980 den „Konstanzer Kunstpreis“ an Künstler*innen, deren Leben oder Werk einen Bezug zur Region aufweist. Unter den Preisträgern finden sich HAP Grieshaber, Roman Signer, Ulrike Ottinger, Tone Fink, Johannes Dörflinger und zuletzt Davor Ljubičić.

Hunderte Ausstellungen hat der Kunstverein Konstanz im Laufe seines Bestehens schon umgesetzt, dazu zahllose Führungen, Lesungen, Konzerte und andere Veranstaltungen – und damit einen sehr großen Beitrag zur Kulturszene am internationalen Bodensee geleistet.

bis 11.07. | „Spiegel zum Hof“
Kunstverein Konstanz
D-78462 Konstanz
www.kunstverein-konstanz.de

Foto: Einan Kaku