Über ein Jahr war der Hausberg der Singener geschlossen. Jetzt hat die Festungsruine Hohentwiel wieder geöffnet. Ein historischer Ort mit einmaliger Aussicht.

Wegen Steinschlaggefahr mussten die Steilhänge entlang der Wege gesichert werden. Der Hohentwiel war seit April 2019 aus Sicherheitsgründen geschlossen. Das zuständige Amt Konstanz von Vermögen und Bau Baden-Württemberg ließ Spezialfirmen die Stabilität der Hänge entlang der Wege prüfen – und es erwies sich, dass die Arbeiten umfangreicher als angenommen waren. Nach rund acht Monaten Bauzeit konnten die Felssicherungsarbeiten endlich freigegeben und die Festungsruine wieder für die Besucher geöffnet werden.

Weitläufige neun Hektar groß ist die Festungsanlage, die der markante Berggipfel über Singen trägt. Sie gilt als eine der größten Festungsruinen Deutschlands: Ihre Verteidigungsmauern und Kasematten, ihre mächtigen Turmstümpfe und die großen Häuserruinen geben heute noch einen guten Eindruck davon, wie dieses Bollwerk noch im 18. Jahrhundert gewirkt haben muss. Die Ruinen lassen die große Geschichte ahnen: ein Ort von verwunschener Grandezza. Und für Kinder sind die geheimnisvollen Mauern, Schlupfwinkel und Treppen ein absolutes Paradies! Die Festungsruine blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Bereits im Jahre 914 entstand eine erste Burganlage, die als Sitz der schwäbischen Herzöge große Bedeutung erlangte. Nach dem Jahr 1000 ging sie in den Besitz der Zähringer und dann gewöhnlicher Rittergeschlechter über, wurde im 16. Jahrhundert von Herzog Ulrich von Württemberg zu einer Landesfestung ausgebaut und diente im 18. Jahrhundert als württembergisches Staatsgefängnis, bis die Anlage dann 1801 von napoleonischen Truppen geschliffen wurde. Ein großartiges Modell gibt im Info-Zentrum einen anschaulichen Eindruck vom einstigen Aussehen der Festung. 

Übrigens: Die historische Festungsruine ist der Schauplatz von Bismarcks Lieblingsroman „Ekkehard“, 1855 geschrieben von Joseph Victor von Scheffel. Er erzählt eine mittelalterliche Liebesgeschichte zwischen dem St. Gallener Mönch Ekkehard und der Herzogswitwe Hadwig. Der Hohentwiel selbst, ein ehemaliger Vulkan, steht unter Naturschutz: Flora und Fauna des Berges weisen viele besondere Arten auf. Und wer einmal bei einem Ausflug auf diesen Felsen an einem schönen Tag den imposanten Blick bis zum Bodensee genießt, wird bestätigt: Das ist die schönste Aussicht Baden-Württembergs! 

Abwechslungsreich

Unter dem Logo „Hegauer Kegelspiel“ werden verschiedene Premium-Wanderwege durch die Landschaft der Hegauer Vulkankegel ausgewiesen. Die zwischen 6 bis 15 km langen Rundwanderwegen führen zu den Vulkankegeln, entlang idyllischer Flussläufe, durch romantische Schluchten und belohnen mit einzigartigen Ausblicken. Der Premium-Wanderweg „Hohentwieler“ ist  eine 7,5 km lange, abwechslungsreiche Rundtour, die über die Höhen des Hohentwiels führt und den „Staufen“ umrundet mit Ausblicken in die Vulkanlandschaft des Hegaus, zum Bodensee und bis hin zu den Alpen. Im Hegau und insbesondere am Hohentwiel findet sich eine Fülle von einzigartigen Pflanzenarten, die größtenteils aus den mittelalterlichen Burggärten stammen und auf Grund des nährstoffreichen Vulkanbodens hier ihre Heimat gefunden haben. Informationstafeln erklären unterwegs die Besonderheiten von Fauna und Flora des Naturschutzgebietes. 

Gratis Hontes-Bus 

Auch der Hontes-Bus hat dieses Jahr wieder seinen Betrieb aufgenommen. Bis 4.Oktober kann der Bus-Shuttle an Wochenenden und Feiertagen kostenlos vom Bahnhof oder den gratis Parkplätzen am Fuße des Hohentwiel genutzt werden. Weitere Informationen gibt es auf www.singen-kulturpur.de .

Lauschen rund um den Vulkan 

Auf dem Hohentwiel angekommen, kann man per digitaler Lauschtour gemeinsam mit Dr. Hubertus Both (ehemaliger Betreiber der Domäne), Heinrich Werner (Naturschutzwart des Hohentwiel) und Dr. Matthias Geyer (Geologe)  den Vulkanpfad erkunden. Ein gratis Audioguide begleitet Besucher auf dem Vulkanpfad. Dabei gibt es Informationen zu den uralten Vulkanschloten, gewaltigen Lavabomben und zur faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt. Die Tour dauert etwa zwei Stunden und beginnt neben dem Schafstall am Infozentrum. Einfach Lauschtour-App kostenlos im Store herunterladen und Audiotour „Vulkanpfad Hohentwiel“ starten (Deutsch und Englisch). 

Festungsruine Hohentwiel

D-78224 Singen, +49(0)7731 691 78 | www.festungsruine-hohentwiel.de

Öffnungszeiten:  

01.04.–15.09., 9–19.30 Uhr,  16.09.–31.10., 10–18 Uhr, 01.11.–31.03., 10–16 Uhr (außer 24. und 31. Dez.)