D/A/CH | Ein Sommer ohne Festivals wäre wie der Bodensee ohne Wasser, ziemlich trocken. Gut also, dass auch dieses Jahr wieder kaum ein Wochenende vergeht, an dem nicht irgendwo draußen Musik zelebriert wird.

Alle Festival Termine im Überblick:

Gemischte Musik:

TUTstock, 30.04., Tuttlingen, www.tuttlingen.de
Springtime Festival, 27.05., Frauenfeld, www.springtimefestival.ch
Open-See Festival, 02.-04.06., Konstanz, www.kulturladen.de
Campusfestival, 09.+10.06., Konstanz, www.campusfestival-kn.de
Kultursommer Festival, 15.06. – 22.08., Dornbirn, www.conradsohm.com
Southside Festival, 23.-25.06., Neuhausen ob Eck, www.southside.de
Open Air St. Galllen, 29.06. – 02.07., St. Gallen, www.openairsg.ch
Altheimer Open Air, 28.07., www.altheimer-open-air.de
Rock The King Festival, 29.07., Kempten, www.rock-the-king.de
Einhaldenfestival, 27. – 30.07., Geratsreute, www.einhaldenfestival.de
Szene Open Air, 03.-05.08., Lustenau, www.szeneopenair.at
Summernight Festival, 05.08., Sigmaringen, www.summernights-sigmaringen.de
Waldstock Festival, 04.08., Bad Waldsee, www.waldstock.info
Stars in Town, 08.-12.08., Schaffhausen, www.starsintown.ch
Bezau Beats, 10. – 12.08., Bezau, www.bezaubeatz.at
Seenachtsfest, 12.08., Konstanz, www.seenachtfest.de
SummerDays Festival, 25.+26.08., Arbon, www.summerdays.ch

Metal/Rock:
Krach am Bach, 10.06., Tägerwilen, www.krachambach.ch
Aaargh Festival, 15.-17.06., Uttenhofen/Leutkirch, www.aaarghfestival.de
Rock am Weier, 16. + 17.06., Will, www.rockamweier.ch

Matthias Rhomberg

Matthias Rhomberg

Folk/Blues:
Folk im Allgäu, 09.+10.06., Uttenhofen/Leutkirch, www.folk-im-allgaeu.de
Rock & Blues Nights Gossau, 07.-08.07., www.blues-night.ch

Hip-Hop:
Open Air Frauenfeld, 06.07.-08.07., www.openairfrauenfeld.ch

Elektro:
GuteZeit-Festival, 27.05., Konstanz, www.gutezeit-festival.de
Seesucht Festival, Konstanz, 11.08., www.seesucht-festival.de

Einzelne Konzerte:
Bodenseefestival, 06.05. – 05.06., versch. Orte rund um den Bodensee, www.bodenseefestival.de
Schloss Salem Open Airs, 07.06. – 27.07., Schloss Salem, www.schloss-salem-open-airs.de
Kulturfestival, 04.07.-22.07., St. Gallen, www.kulturfestival.ch
Honberg-Sommer, 07.-23.07., Tuttlingen, www.tuttlinger-hallen.de
Hohentwiel-Festival, 15. -20.07., Singen, www.hohentwielfestival.de
Meersburg Open Air, 02.08., Meersburg, www.meersburg.de
Konstanzer Sommernächte, 09. – 12.08., Konstanz, www.konstanzer-sommernaechte.de

Jazz:

Jazztime in town, 05 + 06.05., Ravensburg, www.jazztime-ravensburg.de
Jazz downtown, 06.05., Konstanz, www.jazz-downtown.de
Schaffhauser Jazzfestival, 10. – 13.05., Schaffhausen, www.jazzfestival.ch

afrikanische Musik:

AWOLI Afrika Festival am See, 26.6. – 28.6., Konstanz, www.konstanz.de

Dancehall/Reggae:

Keep it real Jam, 11. – 12.08., Pfullendorf, www.keepitrealjam.de

Blasmusik:

Seefestival, 02. – 04.06., Radolfzell, www.r750lfzell.de

Volksmusik:

Heiden Festival, 26.-28.05., Heiden  www.heiden-festival.ch
Bodensee Ahoi, 26. 08., Konstanz, www.bodensee-ahoi.de

 

Rock am See, Konstanz, www.rock-am-see.de –> fällt 2017 leider aus

Zeltfestival, Konstanz, www.zeltfestival.com –> fällt 2017 leider aus

 

Sven Weber

Sven Weber

Die Festival – Geschichte:

Der Begriff „Festival“, abgeleitet vom englischen „feast“ (dt. Festmahl, Feiertag) entstand im 16. Jahrhundert. Das erste Festival, das in etwa unserer heutigen Vorstellung entspricht, ist das Klassikfestival Feis Ceoil, das seit 1897 jährlich in Irland stattfindet. Den eigentlichen Beginn der westlichen Festival-Kultur verorten viele in den USA der 1950er Jahre mit dem Newport Jazz und Newport Folk Festival. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch das Woodstock 1969 im Bundesstaat New York. Um diese Zeit schwappte die Festival-Welle schließlich über England nach Europa über.

Maßgeblich mitverantwortlich für die ausgeprägte Festivallandschaft im Süden Deutschlands ist die Konzertagentur KOKO & DTK Entertainment mit Sitz in Tübingen und Freiburg. Das von ihr organisierte „Rock am See“ feiert letztes Jahr 30-jähriges Jubiläum. Auch das Zeltfestival in Konstanz, das Meersburg Open Air, das Hohentwielfestival, das Summernights Festival in Sigmaringen und das allseits bekannte Southside Festival und viele weitere werden von dem Unternehmen realisiert.

Sven Weber

Sven Weber

Mitbegründer und ehemaliger Geschäftsführer in Konstanz Dieter Bös bestätigt, was in den letzten Jahren immer offensichtlicher wurde: „Mehr und mehr Leute wollen auf Festivals, gleichzeitig steigt das Interesse daran, welche zu veranstalten.“ Allein in Konstanz entstanden 2015 drei neue Ein-Tages-Festivals. Zum dritten Mal findet heuer das Elektro-Event GuteZeit statt. Ebenfalls für Freunde elektronischer Musik ist das Seesucht-Festival im August. Doch weist der Veranstalter auch darauf hin, dass viele der Neulinge in der Branche schnell scheitern, weil sie es sich zu einfach vorgestellt haben. „Es steckt schon wesentlich mehr dahinter, als nur Bands zu buchen. So trennt sich stetig die Spreu vom Weizen.“ Um ein Festival langjährig erfolgreich auf den Beinen zu halten, braucht es laut Dieter Bös einen starken Willen, gutes Engagement, kein falsches Sparen und ein glückliches Händchen bei der Programmzusammenstellung. „Auf einem langjährigen Bestehen können sich Organisatoren nicht ausruhen, auch altbewährte Festivals gehen Konkurs“, meint der Mann mit jahrzehntelanger Berufserfahrung

Matthias Romberg

Matthias Romberg

Der Boom:

Warum das Phänomen „Festival“ wachsenden Zuspruch findet, hat unterschiedliche Gründe. Generell geht der Trend auch in anderen Freizeitbereichen, zum Beispiel in der Gastronomie, hin zu Open Air, wie Dieter Bös feststellt. Freiluftveranstaltungen bieten eine entspannte Atmosphäre, um eine kurze Auszeit vom Alltag zu nehmen und mit Freunden Spaß zu haben. Für einige stellt ein Festivalbesuch eine willkommene Alternative zum klassischen Sommerurlaub dar. Ferner möchten Musikliebhaber jeder Richtung gerade im digitalen Zeitalter ihre Idole immer öfter live erleben. Letztendlich regelt die Nachfrage das Angebot. Und das ist breitgefächert. Typische mehrtägige Festivals sind zum Beispiel das Reggae-Dancehall-Festival „Keep It Real Jam“ in Pfullendorf, das Open Air Frauenfeld als größtes Hip-Hop-Festival Europas, das Reeds-Festival in Pfäffikon ZH und das szene OpenAir in Lustenau, Vorarlberg, mit gemischter Musik. Immer populärer werden eintägige Festivals, wie das rockige „Krach am Bach“, oder zweitägige Events ohne Zeltplatz, wie die „Rock and Blues Night Gossau“ und das „Summerdays Festival“. Zu guter Letzt gibt es im Sommer viele Einzelkonzerte, die im Rahmen mehrtägiger Veranstaltungen, wie dem „Honberg-Sommer“, stattfinden.

Michael Dornbierer

Michael Dornbierer

Dieter Bös erinnert sich an sein erstes Festival. Es war das 2.British Rock Meeting 1972 auf der Insel Grün bei Germersheim. Damals hatten die Künstler nicht einmal Garderoben, und nur die beiden namhaften Bands Pink Floyd und Beggar’s Opera bekamen Wohnwägen. Auch der Zeltplatz für die Besucher war nicht abgegrenzt.

Seitdem habe sich viel getan, erklärt Dieter Bös. Die Sicherheitsbestimmungen wurden sehr verschärft. Weiterhin hat sich der allgemeine Service für Künstler und Feiernde enorm verbessert. Das ist auch der positiven Gesinnung der Gemeinden zu verdanken, die von der hohen Besucherzahl der Events profitieren. Anders als zu Beginn des Rock am See vor 30 Jahren ist es dank Video-Screens nicht mehr nötig, direkt vor der Bühne zu stehen, um nichts zu verpassen. Besonders aber sind die technischen Ansprüche der Musiker extrem gestiegen.

Festival-Gänger sind nach wie vor meist junge Menschen. „Allerdings bleiben die Leute heutzutage viel länger jung, so kommt es durchaus vor, dass sich eine Freundesclique in den Mittvierzigern ein Wohnmobil mietet und auf ein Festival fährt“, sagt Dieter Bös. Aufgrund der hohen Beliebtheit von Open-Air-Events rät er, sich frühzeitig um Karten zu kümmern. Eine zuverlässige Prognose über die zukünftige Entwicklung zu stellen, ist freilich unmöglich. Dieter Bös vermutet jedoch, dass sich die Festivaldichte auf dem jetzigen Niveau einpendeln wird, da ein weiterer Anstieg seiner Meinung nach kaum möglich ist. Als Bedrohung empfindet er das nicht. Im Gegenteil: Er freut sich über die große Vielfalt und auf die kommende Festivalsaison.