Was zunächst gut klingt, ist für Fische eher schlecht. Der Bodensee ist seit vielen Jahren so sauber, dass die Tiere nicht ausreichend zu fressen finden und entsprechend kleiner sind und weniger werden. Jetzt vermelden aber Berufsfischer vom bayerischen Bodensee frohe Kunde. Sie haben seit Mitte Mai erfreuliche Mengen Felchen gefangen.

Grund seien tierische Kleinstlebewesen wie Daphnien und Hüpferlinge im Seewasser – offensichtlich eine Delikatesse für Fische. So hätten die Felchen erstmals seit 2016 wieder über einen längeren Zeitraum ausreichend Nahrung. Die Fische seien auch dicker, hätten seitdem bis zu 100 Gramm an Gewicht zugelegt. Wie lange der Effekt anhalte, sei jedoch nicht vorhersehbar. Man rechnet damit, dass diese guten Fänge eine Ausnahme bleiben.

Seit Jahren werden sinkende Fangerträge verzeichnet. 2010 hatten die bayerischen Bodenseeberufsfischer noch rund 70 Tonnen Felchen in den Netzen, 2019 waren es nur 7,5 Tonnen. Grund ist nach Ansicht der Fischer aber nicht nur das saubere Wasser, auch der wachsende Bestand an Kormoranen und Haubentaucher, die große Mengen an Fisch vertilgen, sei schuld.

Aber zunächst überwiegt zumindest vorübergehend die Freude über das Mehr an Fisch im See. So lange können wir uns sogar wieder ohne schlechtes Gewissen über die pittoreske blau-türkise Färbung des Sees freuen. Die Kieselalge, die für dieses Karibik-Feeling verantwortlich ist, baut leider auch Phosphat ab, Nährstoff für Wasserpflanzen, von denen sich wiederum Plankton ernährt. Vermutlich auch die oben genanten Daphnien und Hüpferlinge. (sg)

Foto: Markus Baumeler pixabay