Interkontinentales Frauen-Empowerment: Gemeinsam mit der Ruanderin Dative Nakabonye engagiert sich Katharina Thiefes aus Ravensburg für Mädchen und Frauen in Ruanda, die von (sexualisierter) Gewalt betroffen sind.

Kennengelernt haben sich die beiden während ihres Dualen Studiums der Sozialen Arbeit in Villingen-Schwenningen, wo die Ruanderin über das Baden-Württemberg Stipendium ein Auslandssemester absolvierte. Dative Nakabonye erzählte ihrer Kommilitonin von der ruandischen Frauenrechtsorganisation FCLLO (Family Circle Love Lab Organization), die sie selbst gegründet hatte und mit deren Hilfe sie von (sexualisierter) Gewalt betroffene Mädchen und Frauen unterstützt. Katharina Thiefes erfuhr: Gewalt gegen Frauen ist in Ruanda ein Alltagsproblem und geht häufig auf Traumatisierungen durch den Völkermord von 1994 zurück. 

Bei einem Gegenbesuch in Ruanda im Jahr 2020 war die Ravensburgerin von der Organisation sehr beeindruckt: 200 Mädchen und Frauen, die Gewalt erfahren haben, erhalten hier kostenfrei Gruppentherapie und psychologische Beratung. In Selbsthilfegruppen erschließen und entwickeln die Frauen ihre Stärken und Ressourcen und erarbeiten gemeinsam langfristige und nachhaltige Lösungen. Dieser Ansatz ermöglicht den Frauen, wieder selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Katharina Thiefes entschloss sich, die Organisation von Deutschland aus zu unterstützen.

Seit der Corona-Pandemie hat sich die schwierige Situation der Frauen jedoch weiter verschärft. Es gibt für die Tagelöhnerinnen kaum noch Verdienstmöglichkeiten, die Lebensmittelpreise steigen. Hunger, Konflikte und Gewalt in den Familien nehmen zu. Die Zahl der betroffenen Frauen hat sich vervielfacht, während Unterstützungs- und Gruppenangebote, die die Frauen auffangen könnten, während der Corona-Pandemie nicht stattfinden dürfen. Katharina Thiefes startete von Deutschland aus bereits zwei Mal einen Spendenaufruf über betterplace.me. In weniger als einem Monat sind beim letzten Aufruf 1500 Euro eingegangen, die direkt für Lebensmittelpakete verwendet wurden.

Sammelaktion

Parallel werden in Ravensburg gebrauchte, aber funktionsfähige Handys und Tablets mit Ladekabel gesammelt, die nach Ruanda versandt werden. Die Frauen können damit  kostenlose Notfallnummern anrufen und von FCLLO Beratung erhalten. Außerdem kann in Ruanda auf allen Handys „mobile money“ anstelle eines teuren Bankkontos genutzt werden. So eröffnen Handys den Frauen neue Möglichkeiten der sozialen Teilhabe. Außerdem entwickeln Dative Nakabonye und Katharina Thiefes gemeinsam mit den Frauen nachhaltige Perspektiven – aktuell die Einrichtung eines Nähcafés mit fußbetriebenen Nähmaschinen (Spenden unter www.betterplace.me/naehcafe-ruanda).

Abgabemöglichkeiten für Handys im Weltladen Ravensburg, Gespinnstmarkt 25, und im Unverpackt-Laden „Wohlgefühl“, Untere Breite Str. 23.