D – Konstanz | 22.06.-27.07. | Das Theaterensemble rund um Regisseur Mark Zurmühle steht in den Startlöchern, um im Sommer mit „Cyrano de Bergerac“ den Münsterplatz zu bespielen.

Die Freilichtinszenierung hält dabei auch einige Überraschungen parat.

„Das Stück auf dem Münsterplatz inszenieren zu dürfen ist eine unglaublich reizvolle Sache“, freut sich Mark Zurmühle, seit Herbst 2017 Schauspieldirektor am Theater Konstanz.

Im Grunde sieht Edmond Rostands Tragikomödie aus dem Jahr 1897 nur wenige Rollen vor, doch Zurmühle nutzt den Münsterplatz, um mit dem Ensemble auch eine Vielzahl an Darstellern aus der Region auf die Bühne zu bringen. „Cyrano ist ein Außenseiter. Nicht nur wegen seiner Nase, auch wegen seiner Ansichten. Er ist ein Revoluzzer, der sich gegen die Welt absetzt. Der Münsterplatz bietet die Möglichkeit, genau das mit vielen Statisten eindrücklich darzustellen“, so der Regisseur.

In den Vorjahren wurden bereits „Der Glöckner von Notre Dame“, „Der Name der Rose“ oder „Wilhelm Tell“ als große Freilichtinszenierungen in Szene gesetzt. Der Münsterplatz mitten in der Stadt bietet dafür eine einmalige Atmosphäre.

Ein aufblasbares Schloss, Rock und Balladen

Ohne zu viel vorwegzunehmen, darf verraten werden, dass ein riesengroßes aufblasbares Schloss den Münsterplatz als Liebessymbol zieren wird. „Ein schöner Kontrast, eine tolle Atmosphäre – und wir rücken letztlich auch die Kirchenfassade teilweise in den Mittelpunkt“, so Zurmühle. Im Stück geht es um Cyranos Liebe zu seiner Cousine Roxane, doch er fürchtet ihre Zurückweisung aufgrund seines unattraktiven Äußeren.

Cyrano verbirgt daher seine wahren Gefühle und unterstützt stattdessen den schönen, aber tumben Christian in der Werbung um Roxane, indem er ihm seine Worte und Verse leiht. Zudem wird die Geschichte auch musikalisch erzählt: Der schöne Christian schwelgt in Balladen, wo hingegen sich der aufständische Cyrano den härteren Tönen bedient. Quasi als Rockstar gegen das Establishment.

Einmal mehr zeigt das Theater Konstanz mit dieser Inszenierung, dass jahrhundertalte Stücke durchaus einen aktuellen Bezug haben. Cyranos Verstecken hinter Christians Fassade spiegelt eine Situation, wie sie heute oft auch in den sozialen Medien zu finden ist. „Sowohl Männer als auch Frauen versuchen über die Optik eine Maxime zu setzen, ein Schönheitswahn. Doch es ist beeindruckend zu sehen, welche unglaubliche Kraft Cyrano aus seinem Widerstand gewinnt. Er erlangt Souveränität durch andere Fähigkeiten. Gleich wie er aussieht“, so Mark Zurmühle.

Der Brückenschlag zwischen den Zeiten gelingt auf dem Münsterplatz zudem durch die Kostümwahl: In ihren Silhouetten durchaus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts angepasst, wurden sie mit Inspirationen aus der heutigen Zeit umgesetzt. Das Freilichttheater auf dem Münsterplatz verspricht also einmal mehr ein unvergessliches Erlebnis vor traumhafter Kulisse.

22.06.-27.07., 19 Uhr | Münsterplatz, D-78462 Konstanz | Vorverkauf: Theaterkasse, Konzilstr. 11, D-78462 Konstanz | +49 (0)7531 900 150 | www.theaterkonstanz.de

Text: Tanja Horlacher | Die Fotos stammen von einer früheren Inszenierung | Fotograf: Ilja Mess