Am Bodensee gehören wir beim Thema Wasser zu den privilegiertesten Regionen der Erde. Wir baden drei bis vier Monate lang im größten Trinkwasserreservoir Europas. Damit das „Badewasser“ sauber aus den Hähnen kommt, müssen auch im 21. Jahrhundert neue Wasserwerke gebaut und alte modernisiert werden, und auch die älteren sind einen Blick wert.

Wasserwerk Hard mit Mittelweiherburg
Wasserwerk Hard mit Mittelweiherburg

Trinkwasserpumpwerk Mittelweiherburg

An der Bahnlinie zwischen St. Margrethen und Bregenz sieht man seit zwei Jahren vor der markanten historischen Mittelweiherburg (heute Textildruckmuseum) ein quaderförmiges Gebäude, das dazu einen maximalen Kontrast bildet: hier ein breiter schwarzer Kasten – da ein hohes weißes Haus mit einem runden Turm. Um zu erkennen, wozu es dient, muss man schon an der Mittelweiherburg vorbeigehen und dann genau hinschauen: Die graue Inschrift „Wasserwerk Hard-Fussach“ ist auf der dunkelgrauen Fassade schwer zu erkennen. Genauer gesagt, ist es das Trinkwasserpumpwerk für die beiden Rheintaler Gemeinden, in dem das Grundwasser aus dem Rheintal hochgepumpt und aufbereitet wird. Aus der Nähe sieht man auch, dass die Fassade mit einer Schicht kleiner Basaltsteine verputzt ist, durch eine Hochdruckbearbeitung mit Wasser sieht sie aus wie dunkler Waschbeton, was auch zum Zweck des Gebäudes passt. Durch die dunklen, fensterlosen Fassaden nimmt sich der Bau so zurück, dass man eben mehr auf die alte Burg schaut als auf den neuen Funktionsbau. (Architekt: Albert Moosbrugger, Firm ZT, Lustenau; technische Planung: Rudhardt Gasser Pfefferkorn ZT, Bregenz)  

Seewasserwerk St. Gallen
Seewasserwerk St. Gallen

Bodensee-Wasser für St. Gallen  

Obwohl St. Gallen direkt vor dem wasserreichen Alpsteingebiet liegt, hat die Stadt schon Ende des 19. Jahrhunderts mehr Wasser gebraucht, als die Umgebung hergibt. Deshalb haben die St. Galler 1895 Seewasserwerke gebaut, die seit 1995 Teil der Regionalen Wasserversorgung St. Gallen AG sind. Für diese wurde 1998 bei Arbon-Frasnacht ein Neubau (im Hintergrund die Berge oberhalb von Rorschach) erstellt, den man schön vom Bodensee-Radweg und vom Zug aus gut sehen kann. Die für die Anlage bebaute Fläche von fast einem Fußballfeld ist groß, aber durch die geringe Höhe   fällt es in der Landschaft kaum auf. Welchen Zweck der Bau hat, ist von außen nicht zu erkennen – man sieht nur, was man weiß. (Architekt: Urs Niedermann, St. Gallen)   

Wasserwerk Konstanz
Wasserwerk Konstanz

Das Konstanzer Wasserschlösschen 

Durch Neubauten wurden die Wasserwerke auch transparenter, wie das Beispiel Konstanz zeigt: Das historische Wasserwerk im Stil der Jahrhundertwende, zwischen Staad und dem Hörnle gelegen, wurde 1905 in Betrieb genommen, im Stil eines Schlösschens, also einer anderen Interpretation des Begriffs „Wasserschloss“. Darunter versteht man sonst ein wasserreiches Gebiet wie die Schweiz als das „Wasserschloss Europas“, im engeren Sinn das Gebiet um den Gotthard, in dem die wichtigsten Flüsse des Landes entspringen, aber auch der Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat westlich von Zürich. Der Erweiterungsbau des Konstanzer Wasserwerks aus den 70er Jahren hat große Fenster und gibt den Spaziergängern Einblicke auf die großen Pumpenanlagen.
www.stadtwerke-konstanz.de 

Bodensee-Wasser für die Schwaben

Das größte Seewasserwerk ist bekanntlich die mehrere Hektar umfassende Anlage der Bodensee-Wasserversorgung auf dem Sipplinger Berg, einen halben Kilometer östlich des Haldenhofs. Hier wird das Bodenseewasser in eine Höhe von fast 300 Metern über dem See gepumpt wird, um von dort mit großen Rohrleitungen über die Schwäbische Alb vor allem den Großraum Stuttgart zu versorgen. Die Bauten von 1958 sind von dem Bauhaus-Schüler Hermann Blomeier, der vor allem in Konstanz und am westlichen Bodensee tätig war. Da die Gebäude auch relativ flach sind und mitten im Wald stehen, ist ihre Größe nur aus der Luft oder mit Google Earth wirklich zu erkennen. Im Rahmen von Führungen können die Bauten besichtigt werden.
www.bodensee-wasserversorgung.de/i-punkt/besichtigungen/

Seeraum-Infos:
Wir haben schon befürchtet, die Ausstellungen in den Museen würden dem Corona-Lockdown zum Opfer fallen, aber die meisten wurden verlängert. Deshalb ist beispielsweise die hier im Februar empfohlene Sonderausstellung über den Vorarlberger Grafiker „Reinhold Luger. Grafische Provokation“ im Vorarlberg Museum noch bis 30. August zu sehen.
www.vorarlbergmuseum.at

Text + Fotos: Patrick Brauns

Wer mehr zur Trinkwasserqualität am Bodensee erfahren möchte: