Dass das Gasthaus Kreuz eines der ältesten Gasthäuser ihrer Stadt ist, wissen vermutlich selbst viele Singener nicht: Bis ins Jahr 1310 lässt sich die Geschichte zurückverfolgen. Die Gastronomie im Kreuz wurde von 2005 bis 2018 vom angrenzenden Kulturzentrum GEMS bespielt. Nach gut eineinhalb Jahren dauernden Umbau- und Renovierungsarbeiten steht seit November 2019 mit Sebastian Kopitzki endlich wieder ein Profi am Herd des rundum erneuerten Traditionslokales.

Den gebürtigen Konstanzer Kopitzki, der mit einer Lehre auf der Insel Mainau seine ersten Schritte in die Gastronomie machte, zog es nach Wanderjahren in der Schweiz und Deutschland wieder an den heimischen Bodensee zurück. In seiner Geburtsstadt kochte er im Sternerestaurant San Martino und holte sich im Anschluss mit der Küchenmeisterprüfung den letzten Schliff für die Selbstständigkeit. 50 Plätze fasst der Speisesaal des neuen Kreuzes, und dass der auch unter der Woche bis auf den letzten Platz besetzt ist, kann als sehr gutes Zeichen für ein erst wenige Monate geöffnetes Lokal gewertet werden. Der massive, dunkle Deckenbalken lässt die historische Bausubstanz erkennen, die weißen Wände und die Tische aus Ahornholz sowie die Lichtgestaltung sprechen eine deutlich modernere, hellere Sprache. Die lässigen Bossa-Nova-Klänge aus dem Lautsprecher passen gut dazu. Nagelneu und gut einsehbar ist die Küche – und bestens ausgestattet. Es macht jedenfalls Freude, der jungen Küchencrew zuzuschauen, der die Arbeit  offensichtlich Spaß macht – ebenso den beiden jungen Männern im Service. Die Speisekarte von Sebastian Kopitzki fällt bewusst überschaubar aus, denn Frische ist Trumpf. Gut bürgerliche Gerichte finden sich dort, modern interpretiert, um Akzente aus der französischen Hochküche und um Farbtupfer aus Südamerika bereichert. Daneben wird ein saisonales Menü, auf Wunsch mit Weinbegleitung, zum moderaten Preis angeboten. Auch die Weinkarte ist klein und Winzern aus der Region verpflichtet, ergänzt durch internationale Bio-Weine. Wir starten unseren abendlichen Besuch mit einer sehr guten gebackenen Sardine auf Sauerrahm als Gruß aus der Küche. Einer der Köche hat peruanische Wurzeln, die sich bei der anschließend servierten Fischsuppe „Parihuela“ positiv bemerkbar machen. Neben Weißfischen und Garnelen hat es Tomaten, rote Zwiebeln und Chili in der Einlage, dazu klassisch provenzalisch Röstbrot mit Aioli. Auch der begleitende Sauvignon Blanc vom lokalen Winzer Vollmayer fällt erfreulich aromatisch aus. Im Hauptgang gibt es eine große Portion auf den Punkt gegartes Rinderfilet mit Speckbohnen-Bündchen und „Amazing Fries“ als Beilagen. So nennt die Küche hier mit Parmesan und Trüffelöl verfeinerte Pommes frites, und die sind wirklich sehr fein: Textur, Fett- und Salzgehalt perfekt. Als Dessert noch ein gutes Sauerrahm-Frucht-Délice mit roten Beeren und einen Rum aus dem Schwarzwald als Absacker.

Fazit

Das neue Gasthaus Kreuz mit seinem jungen Team rund um Inhaber und Küchenchef Sebastian Kopitzki ist eine echte Bereicherung für das kulinarische Angebot in Singen. Mit genau der richtigen Mischung aus Lockerheit und gastronomischem Können hat es das Potenzial, zum Lieblingsrestaurant vieler neuer Stammgäste zu werden.

Text & Foto: Salomon Loeb

Gasthaus Kreuz | Mühlenstraße 13, D-78224 Singen | +49 (0)7731 59 19 706 | www.kreuz-singen.de | Di-Fr 11.30-14.30 Uhr, Di-Sa 18-23 Uhr, So + Mo Ruhetag | Hauptgerichte 17-34 Euro, Menü ab 38 Euro