D – Bodensee | Jedes Jahr sterben Menschen am Bodensee, hauptsächlich durch Ertrinken. Ist der See wirklich so gefährlich oder der Mensch nur unachtsam? Welche Gefahren lauern wirklich unter Wasser? Wir haben recherchiert und den Seeforscher Martin Wessels zum Thema befragt.

Baden mit Bedacht

Die Sonne lacht und man verlangt nach Abkühlung. Was bietet sich da mehr an als ein genüssliches Bad im See? Richtig, nichts! Aber aufgepasst, denn mit dem Baden kommt auch häufig die Sorglosigkeit, und Unfälle sind schnell passiert. Das Problem ist nämlich: Wenn auf einmal die Hitze einsetzt, zieht es viele zum Strand. Durch zu schnelles Abkühlen beim Sprung ins Wasser kann der Kreislauf jedoch überfordert werden, sodass man das Bewusstsein verlieren oder einen Schock erleiden kann. Auch im Wasser selber ist durch Schiff- und Bootbetrieb Vorsicht geboten. Deswegen sollte man sich innerhalb der gekennzeichneten Schwimmzonen aufhalten. Wer aber trotzdem den Wunsch verspürt, weiter raus zu schwimmen, sollte sich durch signalfarbene Badekappen kenntlich machen. So oder so sollte man aber auf jeden Fall schwimmen können, wenn man in öffentlichen Gewässern unterwegs ist!

Todesfälle am Bodensee

2016 sind 14 Personen am Bodensee und dem Hochrhein tödlich verunglückt. Circa 100 Leichen liegen am Grund des Sees. Die niedrigen Wassertemperaturen ab 15 Metern Tiefe verhindern den Verwesungsprozess und somit den Auftrieb der Leichen.

Schwimm- und Bootszonen

Die Schwimmzone ist durch weiß-rot-weiße oder gelbe Bojen gekennzeichnet. Innerhalb 300 Metern vom Ufer entfernt ist mit Segelbooten zu rechnen. Außerhalb dieser 300 Meter sind auch Motorboote unterwegs.

Tauchgebiet Bodensee

Auch für Taucher gibt es im Bodensee einiges zu entdecken: 40 bis 45 Schiffwracks liegen am Grund des Sees, das hat das Projekt Tiefenschärfe durch die Vermessungen des Sees herausgefunden. Aber auch außergewöhnliche Felsformationen und Steilwände machen Lust auf Tauchgänge. Die wohl berühmteste Felsformation ist der Teufelstisch. „Unter Wasser sieht der Bodensee vor allem am Überlinger See aus wie der Grand Canyon“, so Hubert Trenkle. Er versteht, warum sich viele dieses Wagnis trauen wollen, mahnt aber zur Vorsicht: „Wenn man nicht aufpasst, geht es dann bodenlos runter, man kann also ohne Weiteres auf 90 Meter absacken, wenn man hier nicht rechtzeitig gegensteuert.“ Am Teufelstisch herrscht aus diesem Grund seit 1994 ein Tauchverbot. Nur mit Ausnahmegenehmigung des Landratsamts Konstanz dürfen erfahrene Taucher hier runter. Im letzten Jahr gab es im Überlinger See fünf Tauchunfälle, zwei davon waren tödlich.

Gefährliche Funde

Der Bodensee, speziell Friedrichshafen, war im zweiten Weltkrieg ein häufiges Ziel von Bombenangriffen. Viele dieser Bomben liegen auch heute noch im See. Erst vor Kurzem hat die Wasserschutzpolizei dort eine Stabbrandbombe gefunden, und letztes Jahr fand ein Junge im Strandbad Friedrichshafen Überreste einer Phosphorbombe, die er für Bernstein hielt. Als der Junge die Bombe zur Liegewiese brachte und ablegte, fing diese auf einmal Feuer und brannte lichterloh. Dem Kind ist zum Glück nichts passiert. Dies ist zwar eine Ausnahme, aber dennoch sollten Badegäste vorsichtig bei Fundobjekten sein. Phosphorbomben sehen oftmals wie Bernstein aus und reagieren mit Sauerstoff. Wichtig ist es bei Bombenfunden, sofort die Polizei zu verständigen und die Bombe nicht zu bewegen.

Sturmwarnungen

Bei Sturmwarnungen wird in der Regel eine Stunde vor Beginn des Sturms die Sturmwarnleuchte geschaltet. Am gesamten Bodenseeufer gibt es über 40 dieser Leuchten. Ab sechs Beaufort blinkt das orangefarbene Lämpchen 40 Mal in der Minute auf und ab acht Beaufort 90 Mal. Im Juni lagen für den ganzen See 16 Starkwind- und eine Sturmwarnung für den westlichen Teil vor. Der Wellengang kann zwischen zwei und drei Meter hoch werden.

akzent mit dem Seenforscher Martin Wessels: im Gespräch über mögliche Gefahren am Bodensee

akzent: Halten Sie Baden am See für gefährlich?

Martin Wessels: Das Baden ist sicherlich in Ordnung. Es gehört für den Menschen dazu, aber auch für den See. Mit ein bisschen Achtsamkeit auf sich selbst ist das Baden sicherlich nicht gefährlich, wenn man schwimmen kann. Was allerdings problematisch sein kann, ist die Springerei von den Brücken, gerade in Konstanz. Vor allem junge Leute springen im Sommer von der Fahrradbrücke, ohne die Strömungen und den Schifffahrtbetrieb zu beachten. Hier gab es auch schon einige Todesfälle.

akzent: Gibt es Stellen am/im See, an denen besonders häufig etwas passiert?

Martin Wessels: Es gibt Wasserbewegungen, man nennt das interne Wellen, die sich über große vertikale Unterschiede bemerkbar machen, das sind aber keine großen Strömungsgeschwindigkeiten, die Objekte oder Taucher unter Wasser ziehen würden. Häufig, zumindest im Gesamten des Sees, passiert etwas am Überlinger See. Aber das kommt schlicht und ergreifend von der Nutzung. Der Überlinger See ist durch seine besonderen geologischen Begebenheiten ein sehr begehrtes Objekt bei Tauchern.

akzent: Inwiefern wirkt sich das Wetter auf den See aus?

Martin Wessels: Über Wasser ist der Fön, gerade im östlichen Teil des Bodensees eine gewisse Gefahr, oder eben diese kleineren Gewitterzellen, die sehr schnell aufziehen können und sehr starke Winde mit sich führen. Eigentlich ist der See nicht gefährlich, der Mensch muss seine Nutzungsbedingungen dem Gewässer anpassen. Man hat natürlich Strömungssysteme. Diese Strömungssysteme sind aber hauptsächlich windinduziert, sprich wir haben oberflächennahe Winde.

akzent: Gibt es nicht vorhersehbare Eigenschaften des Sees, die immer mal wieder auftreten können?

Martin Wessels: Durch die Größe des Sees gibt es einen sehr großen Windfitch, das heißt eine sehr große freie Fläche über die der Wind, Sturm oder Starkwind streichen kann. Hierdurch können sich beachtliche Wellen aufbauen.

Text: Sina Seifert