Seit sich SARS-CoV-2 auf den Weg um die Welt gemacht hat, versuchen Wissenschaftler ein Mittel zu finden, um das Virus in Schach zu halten. Auch hier sind Querdenker gefragt. Anstatt in langen Entwicklungsreihen etwas Neues zu schaffen, könnte das Einsetzen bereits vorhandener Medikamente der schnelle Schlüssel zum Erfolg sein.

Der aus dem Thurgau stammende Pneumologe Andreas Diacon leitet das Tygerberg-Krankenhaus in Kapstadt. Seit rund 20 Jahren arbeitet und forscht er mit Teams vor allem an Tuberkuloseimpfstoffen. An der bakteriellen Infektion sterben laut Angaben des Robert-Koch-Institutes jährlich noch immer rund 1,5 Millionen Menschen – es ist die weltweit tödlichste Infektionskrankheit. Einer der Impfstoffe, den die südafrikanischen Wissenschaftler um Andreas Diacon entwickelt haben, könnte nun auch bei COVID-19-Patienten zum Einsatz kommen.

Keine Impfung, aber Linderung

Es geht hier allerdings nicht um eine Impfung gegen das Coronavirus. Vielmehr kann der Impfstoff BCG möglicherweise die Symptome der durch SARS-CoV-2 verursachten Lungenerkrankung COVID-19 lindern. „Einige Beobachtungen deuten darauf hin, dass BCG Auswirkungen auf das Immun­system hat, die wir noch nicht vollständig verstehen, unter anderem, dass es das Immunsystem gegen Atemwegsinfektionen stärkt. Wenn wir also die COVID-19-Symptome nur ein wenig mindern könnten, würde dies die Überlebenschancen von Menschen erhöhen. Oder sie müssten nicht einmal ins Krankenhaus oder würden gar nicht erst krank werden“, erklärte Andreas Diacon gegenüber dem Ärzteblatt. Anfang Mai wurden an seinem Krankenhaus nun 250 Menschen mit einer BCG-Injektion behandelt, weitere 250 mit einem Placebo. Die Studie erfolgt an Pflegekräften und soll bis auf 3.000 ausgeweitet werden. Die Beobachtungen sind für mindestens ein Jahr angesetzt. Das Tygerberg-Krankenhaus arbeitet eng mit der Universität Stellenbosch zusammen.

Text: Tanja Horlacher | Bild: NEF Global Gathering