Die Hamburger Fotografin Barbara Dombrowski gibt dem Klimawandel ein Gesicht. Sie besucht indigene Völker auf allen fünf Kontinenten und bringt die dort entstandenen Bilder von Menschen und Landschaften in Installationen zusammen. Damit will sie zeigen, dass alles miteinander verbunden ist. Jetzt sind ihre Fotografien im Forum Würth Rorschach zu sehen.

Der Blick geht geradeaus, die von Falten gesäumten Augen wirken hellwach und an ihrem Gegenüber interessiert: Es scheint, als würde die Grönländerin Kontakt aufnehmen und Begegnung ermöglichen wollen. Barbara Dombrowski hat diese Frau im hohen Norden Europas fotografiert. Das Porträt wirkt ebenso lebensnah wie das Bild eines Shuarjungen aus dem ecuadorianischen Amazonastiefland oder das Foto eines Maasai in der tansanischen Steppe am Fuß des Kilimandscharo. Was verbindet diese Menschen, die in völlig unterschiedlichen Welten leben?  Sie alle gehören zu den indigenen Völkern, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sind und am wenigsten Handlungsspielraum haben. Und sie sind Teil des weltweiten Foto-Kunstprojekts „Tropic Ice_Dialog between Places Affected by Climate Change“ von Barbara Dombrowski.

Seit mehr als zehn Jahren widmet sich die Hamburger Fotografin dem menschengemachten Klimawandel, der nicht nur die Natur, Ökosysteme und Artenvielfalt bedroht, sondern auch die Menschen selbst. Barbara Dombrowski betrachtet die Klimakrise aus einer künstlerischen Perspektive heraus. Dies sei notwendig, „um den Menschen jenseits der wissenschaftlichen Fakten empathisch und emotional das Thema nahezubringen“, erklärt die Künstlerin.

Installationen schaffen Verbindungen

Sie begnügt sich jedoch nicht damit, irgendwo auf der Welt beeindruckende Bilder zu machen und sie hierzulande zu zeigen. Außergewöhnlich ist ihr Fotoprojekt vor allem aufgrund der Installationen, mit denen sie einen Diskurs erzeugen will. Denn sie zeigt ihre Bilder überall dort, wo sie entstanden sind, und bringt sie zugleich mit Bildern aus anderen Klimazonen zusammen. „Dadurch kommt zutage, dass alles mit allem verbunden ist: der Mensch mit der Region, die Menschen der unterschiedlichen Regionen miteinander“, erklärt sie. Im ersten Schritt brachte sie ihre Bilder nach Ost-Grönland und in den Amazonas-Regenwald in Ecuador. Auf diesen ersten Zyklus folgten Besuche bei den Maasai in Tansania, bei mongolischen Nomaden und Nomadinnen in der Wüste Gobi und bei der mikronesischen Bevölkerung auf dem Inselatoll Kiribati. Diese Regionen stehen stellvertretend für den jeweiligen Kontinent, auf dem sie sich befinden.

Barbara Dombrowski mit Bild ihrer Installation in Ost-Grönland

Zur Teilhabe am Klimaschutz anregen

Mit ihrem Fotoprojekt und auch mit ihrer Ausstellung im Forum Würth Rorschach möchte Barbara Dombrowski zum Denken anregen und ein Stück dazu beitragen, dass Menschen ihr Handeln aus eigenem Antrieb verändern. „Ich möchte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen, sondern in den Menschen etwas auslösen, damit sie für sich alleine entscheiden, teilzuhaben am Klimaschutz. Egal mit welchem Beitrag und in welchem Umfang“, erklärt sie. Spielt auch der Bodensee in ihrem Fotoprojekt eine Rolle? „Im Moment nicht, aber ich möchte es für die Zukunft nicht ausschließen“, antwortet die Künstlerin, die 1964 in Stuttgart geboren wurde, in Dortmund visuelle Kommunikation studierte und heute mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Hamburg lebt.

bis 24.04.2022
Churerstr. 10
CH-9400 Rorschach
www.forum-wuerth.ch

Das Würth Haus Rorschach

Das Würth Haus Rorschach ist ein Ort der Kunst, Kultur und Kulinarik, das Forum Würth Rorschach ist der museale Teil dieses Hauses. Seit der Eröffnung im April 2013 werden hier regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen gezeigt. Basis dieser Aktivitäten ist die über 18.500 Werke umfassende Sammlung Würth, deren Grundstein in den 1960er-Jahren gelegt wurde. Zudem gibt es ein vielfältiges Kulturprogramm. Die Würth-Gruppe selbst ist Weltmarktführer in ihrem Kerngeschäft, dem Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial. Sie besteht aus über 400 Gesellschaften in mehr als 80 Ländern und beschäftigt über 78.000 Mitarbeiter.

Beitragsbild: Barbara Dombrowski (Mitte) vor ihrer Installation in Ost-Grönland