„Wenn jegliches Leben unabwendbar seinem Ende entgegengeht, dann müssen wir es während unserer Lebenszeit mit den Farben der Liebe und der Hoffnung schmücken.“

Marc Chagall

Marc Chagall ist einer der größten Meister der Moderne, malender Poet, fantasievoller Mythenerzähler von unfassbar schöpferischer Kraft. Er hat mit seinem Schaffen die Kunstwelt nachhaltig beeinflusst. Bilder des Jahrhundertkünstlers sind nun im Kunstmuseum Lindau in der Jubiläumsschau „Marc Chagall – Paradiesische Gärten“ vollendet ins Licht gesetzt.

Verliebte, verzauberte, verträumte Wesen, zart schwebend und scheinbar schwerelos, der Wirklichkeit entrückt, pure Magie, Sehnsucht, Passion – das sind die Lieblingsmotive des außergewöhnlichen Künstlers und Menschen Marc Chagall (1887–1985). Er prägt mit der überwältigenden Schönheit seiner Farben und seiner unverwechselbar poetischen, lichten und offenen Bildersprache die Kunst des 20. Jahrhunderts. „Marc Chagall war beseelt von der Liebe. Der Liebe zu seiner Bella und später zur zweiten Frau Vava. Aber auch von der Liebe zur Natur, zur Schöpfung. Marc Chagall hatte den unerschütterlichen Glauben, dass sich hinter der Schöpfung das Geheimnis eines Schöpfers verbirgt. Seine Werke haben eine erlösende Kraft – sie sind gemalte Hoffnung.“ Wenn Professor Roland Doschka von Marc Chagall spricht, dann schwingt Respekt mit, Bewunderung und Zuneigung.

Der Chagall-Experte hat die Sonderausstellung „Marc Chagall – Paradiesische Gärten“ im Kunstmuseum Lindau anlässlich seines 80. Geburtstags als Jubiläumsschau kuratiert. Dabei unterstützte ihn in bewährter Weise das erfahrene Ausstellungsteam des Lindauer Kulturamtes rund um die Co-Kuratorin Dr. Sylvia Wölfle. Doschka betont: „Es ist die schönste und interessanteste Chagall-Ausstellung, die ich kuratiert habe.“

Ein Zeitfenster buchen

Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn ist froh, dass sie die Ausstellung öffnen durften. „Gerade in dieser schweren Zeit der Pandemie brauchen wir Hoffnung. Unser normales Leben erscheint uns wie ein verlorenes Paradies. Marc Chagalls Kompositionen entfalten in ihrer Unbeschwertheit einen paradiesischen Zauber. Wir haben den Wunsch, möglichst viele Menschen mit dieser wunderbaren Kultur in Berührung zu bringen“, sagt er und erzählt, dass sie sich, damit das in Zeiten der Coronapandemie auch sicher gelinge, überlegt haben, welche Infrastruktur sie gern selbst als Besucher vorfinden würden. So haben sie eigens ein Reservierungssystem programmieren lassen, um ein Zeitfenster für den Ausstellungsbesuch zu reservieren, das sehr einfach zu bedienen ist. Dazu gibt es selbstverständlich ein ausgeklügeltes Hygienekonzept und eine hervorragende Organisation, damit die Beuscher die Ausstellung in ungetrübter Freude erleben können. Das Feedback, das sie bislang erhalten, sei phänomenal.

Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn und Professor Roland Doschka

Explosion der Farben und des Lichts

Die Besonderheit dieser Ausstellung sei, so Doschka, dass sie der späten Schaffenszeit des Künstlers gewidmet ist. „Diese Phase Chagalls, von 1950 bis 1970, repräsentiert eine Explosion der Farben und des Lichts sowie die Verbindung der Lithografie und der Gouache.“ Für die Lithografie stehe die antike Liebesgeschichte „Daphnis und Chloe“, der Meisterzyklus, der zentrales Thema und einer der Höhepunkteder Ausstellung sei, und anerkannter Weise eines der Meisterwerke des 20. Jahrhunderts. „Er ist grandios. Stellen Sie sich vor: Etwa 15 bis 25 Druckplatten sind nötig, um diese Farbigkeit zu erzielen.“ Beispiel für eine Gouache, eine Mischtechnik aus Aquarell und Ölgemälde also, die Chagall meisterhaft beherrscht habe, ist das Lieblingsbild des Kurators: Die grazile und sanft lächelnde „Reiterin mit Tauben“, eine feinziselierte Arbeit, in typisch chagalleskem Blau oder auch das Werk, das Alexander Warmbrunn „besonders inspirierend“ nennt: Der finale Entwurf des Deckengemäldes für die „Opéra Garnier“ in Paris.

In revolutionäres Licht getaucht

Die „Paradiesischen Gärten“ Chagalls vereinen diese beiden Stile und Techniken und lassen sie gemeinsam mit der revolutionären Beleuchtung zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk verschmelzen. „Ich wäre als Besucher sehr überrascht von der Buntheit“, sagt Doschka. „Die Beleuchtung der Bilder ist spektakulär, schön und modern.  Sie akzentuiert die Farben und verleiht ihnen in ätherischer Klarheit ein neues Leuchten. Ich habe diese Art der Illuminierung selbst zuvor noch in keiner Ausstellung gesehen.“

Beim Besuch der Ausstellung unbedingt den Audioguide benutzen. In etwa 45 Minuten erfahren die Besucher vieles zu den Kunstwerken und zum Künstler, hören Musik und erhalten eine Einführung in die Zeit. „Das ist wirklich großartig gemacht.“

Tipp von Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn

bis 31.10., 10 – 18 Uhr | „Marc Chagall – Paradiesische Gärten“
Kunstmuseum Lindau
Maximilianstraße 52
D-88131 Lindau
+49 (0)8382 274 747 850
www.kultur-lindau.de
museum@kultur-lindau.de

Reservierungsservice für ein persönliches Zeitfenster:
https://reservierung.kultur-lindau.de/ auf Wunsch mit Audioguide (empfohlen)

Text und Fotos: Susi Donner