In den vergangenen Wochen hat der renommierte Gastroführer Michelin wieder Sterne regnen lassen. Gute Nachrichten: Im seezunge-Land wurde kein Stern gestrichen – und es kamen einige hinzu.

Michelin CH

Fangen wir mit der Schweiz an. Agron Lleshi, einst Lehrling von Vreni Giger im St. Galler Jägerhof, später ihr Nachfolger, hat sich binnen kurzer Zeit an die Spitze gekocht. Michelin würdigt seine „moderne, regional und international inspirierte Küche“ in einem „Haus, in dem man sich wohlfühlen kann, wo feine Küche auf schöne Weine und eine große Portion Engagement trifft“ mit einem nagelneuen Stern.

Über einen zweiten Stern kann sich Tobias Funke (Mitte) vom Restaurant Incantare in Heiden (AR) freuen. 

O-Ton Michelin: „Echte „Verzückung“ (ital. Incantare) kommt hier angesichts der außerordentlich stimmigen Küche auf, die bei aller Kreativität großen Wert auf Produkte von Bauern aus der Region legt.“ Somit gibt es in der bodenseenahen Schweiz nun drei Zwei-Sterne-Lokale: Neben dem Incantare zählen Christian Kuchlers Taverne zum Schäfli in Wigoltingen und das Einstein Gourmet in St. Gallen weiterhin dazu. Moses Ceylan und Sebastian Zier, das Dreamteam im Einstein, wird sich allerdings im Sommer trennen: Ceylan bricht auf zuneuen Ufern, Zier bleibt dem Einstein zunächst erhalten.

Einen Stern haben weiterhin: Mammertsberg (FreidorfTG), Truube (Gais AR), Neue Blumenau (Lömmenschwil SG), Gasthaus Zum Gupf (Rehetobel AR), Segreto (Wittenbach SG).

Michelin D

Überraschungen positiver Art gibt es auch auf deutscher Seite. Nach nur elf Monaten erkochte Küchenchef Kevin Leitner für die Villa Linde – s’Äpfle in Bodman-Ludwigshafen einen Stern (Mitte). 

Seine Ausbildung absolvierte er übrigens bei Artur Frick-Renz im Gasthof zum Hirsch in Goppertsweiler. „Der engagierte junge Küchenchef verarbeitet regionale, aber auch internationale Produkte, allesamt von ausgesuchter Qualität. Überaus finessenreich und stimmig …“, lobt der Gastroguide.

Ein weiterer neuer Stern geht über Langenargen auf. Hier hat der Vorarlberger Michael Ritter, ehemals Pächter im Verwalter in Dornbirn, das SeeVital Hotel Schiff übernommen und 2019 das Restaurant SEO Küchenhandwerk eröffnet. Sein ebenfalls aus​Österreich stammender Küchenchef Roland Pieber legte somit einen Senkrechtstart hin. 

Michelin attestiert ihm „echtes Talent“ und ist begeistert über „feine Kontraste – regionale und alpenländische Akzente inklusive“. In dem Lokal wird an nur vier Tischen viermal pro Woche ein exklusives achtgängiges Menü serviert.

Am Randes des seezunge-Landes wurde die Küche des Ösch Noir im Donaueschinger Öschberghof ebenfalls mit einem neuen Stern ausgezeichnet.

Hier der komplette, für uns relevante Sternereigen: Das Restaurant Ophelia (Konstanz) mit Küchenchef Dirk Hoberg ist nach wie vor von zwei Sternen gekrönt. Die Ein-Stern-Restaurants bleiben: San Martino (Konstanz), Falconera (Öhningen), Casala (Meersburg), Schattbuch (Amtzell), Villino (Lindau), Anima (Tuttlingen).

Der grüne Stern

Ein starker Trend zeichnet sich ab: Neben einem immer größeren Schwerpunkt auf „Casual Fine Dining“ findet der Michelin vor allem das steigende Bewusstsein der besten Köche für Nachhaltigkeit bemerkenswert. Das Thema werde für die deutsche Spitzengastronomie immer wichtiger. „Dies betrifft Herkunft und Transportwege der Produkte ebenso wie die Art des Anbaus, Tierhaltung oder Verarbeitung. Mehr denn je im Fokus der Küchenchefs sind außerdem Speisen, die nicht mehr nur wohlschmeckend sind, sondern auch gesund“, heißt es dort. Restaurants mit einem besonders nachhaltigen Konzept werden neuerdings mit einem grünen Stern gekennzeichnet. Dabei handelt es sich nicht um eine Küchenauszeichnung, sondern um einen Hinweis auf einen besonderen Einsatz für nachhaltige Gastronomie. Der Trend zu mehr vegetarischen und veganen Angeboten sowie regionalen und saisonalen Zutaten hat sich ohnehin bereits etabliert.

Text: Claudia Antes-Barisch

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