… ums Auto-Kino

In Zeiten von Corona ein Notventil für kulturelles Leben:
Gemeinsames Erlebnis im geschützten Rahmen. Am See gibt es dazu bereits ein erfolgreiches Autokino in der Messehalle Friedrichshafen und eines in der Alten Fabrik in Uhldingen. In Bad Saulgau findet derzeit eine Internetumfrage zum Thema statt. Es gibt demnächst eines in Ravensburg auf dem Parkplatz der Oberschwabenhalle, Pläne in Singen und Radolfzell, sowie Wünsche in St. Gallen und … jede Menge Verwirrung in Konstanz. Hier wollen gleich zwei Veranstalter loslegen – einer hat dabei die Nase vorn.

Die Konstanzer J&C Macher Jürgen Nägele und Christian Widmann, zusammen mit dem Veranstalterkollegen Kai Brüggemann von Bonanza Events, die schon einige gemeinsame Events in der Region umgesetzt haben, hatten bereits Anfang April eine Anfrage für ein Auto-Kino in Konstanz gestellt. Umso überraschter war man, als man von einer ähnlichen Initiative von Kokon Entertainment im Südkurier lesen durfte mit dem Veranstaltergespann Dieter Bös und Xhavit Hyseni, die ebenfalls sehr umtriebig in der Region sind. Das Problem: zum Zeitpunkt des großen Zeitungsartikels hatten diese selbst noch gar keinen konkreten Antrag gestellt.

Öffentlichkeit vor Antrag?

Manchmal macht es Sinn, erst den Bedarf in der Öffentlichkeit abzuklopfen, manchmal hilft ein Artikel auch bei der Umsetzung und nicht zuletzt in der Verwaltung. Denn jedes Mal, erst einen Antrag zu stellen, schafft für alle Seiten nur Arbeit und ab und an auch Frust.

In der Verwaltung selbst kommt das nicht immer gut an, denn eigentlich läuft das Verfahren erst nach Antrag. Doch, wenn als erste Reaktion – in dem Falle vom Landkreis sogar prophylaktisch! – eine Ablehnung kommt, versucht man es erst auf Gesprächsebene. Doch Mails, Unterstützungszusagen und Interessensbekundungen selbst von höchster Stelle aus Verwaltung und Gemeinderat ersetzen eines nicht – den rechtmäßigen Antrag.

Dieter Bös und die J&C Macher bestätigen unisono, bei der ersten Anfrage erst einmal abgewehrt worden zu sein. J&C hat allerdings dann nach dem Prinzip Hoffnung trotzdem einen Antrag formuliert. Hat funktioniert!

Erstaunt lassen sich allerdings Wortmeldungen aus einer Gemeinderatssitzung zum Thema zur Kenntnis nehmen, die ein erstes Vorpreschen über die Öffentlichkeit sogar begrüßen: also Druck auf die Verwaltung aufbauen über Öffentlichkeit!?  Zwar hatte der Rat in der Sache überhaupt keine Entscheidungsbefugnis (in der Tagesordnung steht eigens dafür „zur Kenntnisnahme“ nicht „zur Abstimmung“), doch munter darauf losplaudern, darf man hier ja dennoch. „Man möge doch auch dem Zweiten auf Klein Venedig die Chance geben, etwa alternierend …“, war nur eine der interessanten Optionen dabei. Festzuhalten ist also: egal wie, bitte erstmal öffentlich Druck machen, und dann ist auch egal, wie rechtmäßig ein Antrag gestellt wird (den übrigens jeder hätte stellen können!)?!

Ganz nach dem Motto: die Verwaltung lehnt erstmal eh alles ab, wird aber genügend „Öffentlichkeit“ aufgebaut, dann knicken die Verwaltungsebenen schon ein und obendrein versucht man es dann (wiedermal) allen recht zu machen?! Zu Ende gedacht, wäre das ein toller Hinweis für viele Aktivitäten – nicht nur in der Kultur –  warum nicht einen zweiten oder sogar dritten öffentlichkeitswirksamen Weihnachtsmarkt-Veranstalter? Oder wie wäre es mit zusätzlichen Seenachtsfest-, Oktoberfest-, Weinfest-Betreibern? Mit jeweils gleichem Konzept an gleicher Stelle könnte man ihnen alternierend einen „Harmonie-Zuschlag“ erteilen!? Bauprojekte könnten dann übrigens auch ähnlich vergeben werden?!

Autokino Friedrichshafen

Zwei Autokinos?

Doch realistisch: In dem Falle also ein zweites Autokino in Konstanz, etwa auf einem Privatgelände oder einem anderen (zum Beispiel Flug-)Platz ermöglichen?

Dieter Bös winkt ab und wird versöhnlich: „Die Kollegen haben den Zuschlag, das ist für mich okay, ich wünsche ihnen an der Stelle wirklich alles Gute.“ Derzeit treiben ihn ohnehin andere Sorgen: „sämtliche Veranstaltungen werden auf’s nächste Jahr verschoben oder ganz abgesagt. Das Jahr ist verloren und in der Veranstalterbranche ist es insgesamt derzeit katastrophal. Wir freuen uns über jeden, der seine Karte für’s nächste Jahr behält und nicht gleich das Geld zurückfordert – das hilft allen in der Kultur ungemein!“

Auch Autokinos sind dabei nur ein Notventil und nicht sonderlich lukrativ: viele Auflagen, nicht nur Corona-bedingt, deutlich weniger Besucher als bei herkömmlichen Veranstaltungen und dazu das Wetter-Risiko sowie überdies drohende autokritische Konflikte. Zumindest „Indoor“, in Messehallen, ist das unternehmerisch deutlich besser. Auf Klein Venedig in Konstanz könnten hingegen nur etwa 140 Autos Einlass finden – selbst bei Vollbesetzung wären das unter 500 Menschen. Also in etwa die Größe eines mittleren Veranstaltungsraumes.

Kino und mehr

Doch der Charme in diesem Sommer liegt nicht nur darin, „Kino“ zu zeigen, sondern die „Bühne mit Leinwand“ auch anderen Formaten zu öffnen, die nach Performance vor Live-Publikum dürsten: Neben dem Konstanzer Kinobetreiber wären das die „Südwestdeutsche Philharmonie, die Kantine, Kleinkunst und Comedy Veranstalter bis hin zu Festivalveranstaltern und Benefiz-Aktionen, selbst Hochzeiten sind möglich“, erläutern die Macher um J&C. Also alle, die eine große Bühne brauchen, könnten theoretisch hier performen.

Und das ist allemal eine gute Idee, wenn bis Ende August voraussichtlich – nicht nur im Raum Konstanz – die Kultur arg eingeschränkt bleibt.

Weitere Infos (natürlich hier), unter www.fabrik-muehlhofen.de und demnächst auf www.autokino-konstanz.de

Text: Markus Hotz