Der Konstanzer Schauspieler Tomasz Robak, 30, über seinen Kinofilm „Coup“, die unterschiedlichen Sympathiewerte von Wirtschaftskriminellen und die großen Fragen des Lebens.

akzent: Euer Film „Coup“ ist seit Ende August in den Kinos. Er hat bereits einige Filmpreise gewonnen und die Open-Air-Preview vom Zebra Kino im Neuwerk war mehr als ausverkauft. Für einen Low Budget Film ist das ein großer Erfolg – wie erklärst du dir das?

Tomasz Robak: Vermutlich liegt das am Zusammenspiel von Erzählweise und Erzählung. Ursprünglich sollte es eine Doku werden, über diesen Fall, über dieses Rockerbanker-Original. Basierend auf den Interviews ist dann aber dieser Genremix aus Spielfilm, Animation und Doku entstanden. Diese Art, einen Film zu erzählen, war mir und vielleicht auch dem Festivalpublikum neu und hat deshalb Interesse geweckt. Zudem muss man sagen, dass die Erzählung sehr komisch und teilweise absurd scheint. Das Original begleitet den Film mit seiner Hamburger Lakonie als Erzähler. Das bringt einen schon regelmäßig zum Lachen.

akzent: Was hat denn der „Originalbetrüger“ gesagt zu dem Film?

Robak: Joah, joah gut.

akzent: Ich habe den Eindruck, dass in „Coup“ die Rollen in etwa dem entsprechen, wie sich viele Leute heute selbst gern sehen würden. So ein bisschen cool, so ein bisschen sympathischer Gauner – man ist irgendwie gegen dieses kapitalistische System, aber man profitiert ja auch davon.

TR: Total. Die Jungs nehmen ’ne Bank aus und man empfindet Sympathie mit ihnen, Marsalek nimmt ’ne Bank aus (Anm.: Jan Marsalek, ehemaliges Vorstandsmitglied der Wirecard AG) und man empfindet keine Sympathie mit ihm, was ist da der Unterschied? Warum ist mir der eine sympathischer als der andere? Marsalek hat unzählige Leute ins Unglück gestürzt. Bei uns kam keiner zu Schaden. Außer die Bank vielleicht, die wurde etwas erleichtert.

akzent: Mit der Bank hat kein Mensch Mitleid.

TR: Ein bisschen freut man sich sogar. Das Original hatte alles, die Freiheit eines Rockers, das sichere Einkommen der Bank, und trotzdem sagt er: Das ist nicht mein Traum, so will ich nicht leben. Und obwohl er aus einer anderen Generation kommt, er ist ja mehr so der Boomer, findet man die eigenen Wünsche in ihm wieder. Er passt gut in die Generation Y. Er wollte, wie er sagt, hauptberuflich Mittagspause machen.

akzent: Du bist dieses Jahr 30 geworden, da schaut ja manch einer gerne zurück oder voraus und versucht, das Leben zu planen – wie ist das bei dir?

Robak: Ich kann für mein vergangenes Lebensjahrzehnt sehr dankbar sein, weil ich wahnsinnig tolle Dinge erfahren habe. Angefangen mit dem Studium und mit dem Engagement im Theater. Ich bin in einer Situation, in der ich mir wahrscheinlich für mein jetziges Alter auch künstlerisch die richtigen Fragen stelle.

akzent: Was sind das für Fragen?

Robak: Das sind Fragen wie: Wie möchte man leben? Oder wie möchte man als Gesellschaft zusammenleben? In welchem Verhältnis steht man zu dem, was um einen herum passiert? Will man sich positionieren? Wie positioniert man sich? Und was mich noch mehr interessiert: Wie kann ich diese Fragen künstlerisch umsetzen? Welche Mittel kann ich nutzen?

akzent: Warst du schon in der Schule so eine Art Schauspieler oder vielleicht auch Klassenclown, jemand, der sich gerne präsentiert?

Robak: Ja, ich denke schon. Wahrscheinlich ging das manchen Leuten auf den Geist … es war nicht meine Wunsch-Lernform, trotzdem hatte ich ’ne gute Zeit. Es ist schon bezeichnend, dass ich lieber in den Jugendclub (des Theaters Konstanz) gegangen bin als zur Schule.

akzent: Du hast am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Abi gemacht …

Robak: Genau. Im Jugendclub war es nicht so preußisch. Mit Gleichgesinnten zusammen zu spielen und Zeit zu verbringen, war natürlich schön, wenn man quasi aus den einzelnen Schulen und Klassen die Leute rauspickt, die auch nicht so ganz in diesem Schulsystem funktioniert haben. Man war nicht allein und das ist ein tolles Gefühl gewesen im Theater. Ich meine, wir waren sicher nicht so politisch aktiv wie die Jugendclubber jetzt.

akzent: Du meinst Fridays For Future?

Robak: Zum Beispiel. Wir hatten schon auch damals den Anspruch, Missstände aufzuzeigen, aber diese Vehemenz, die die Jugendlichen jetzt haben, die hatten wir nicht. Wir hatten auch diese Probleme nicht. Jedenfalls dachten wir das fälschlicherweise. Also, was das angeht, hatten wir es wesentlich leichter.

www.coup-film.de