Umsatzeinbrüche im Bereich der Gastronomie, aber auch der Einreisestopp für Erntehelfer aus dem EU-Ausland kurz vor Start der Frischgemüse-Saison 2020, stellten große Herausforderungen für die Reichenau-Gemüse eG im ersten Jahr der Corona-Pandemie dar. Der Warenumsatz der Genossenschaft konnte dennoch gesteigert werden. Verbraucher entdecken in der Krise Gemüse in Bio-Qualität neu für sich, nachhaltig erzeugtes regionales Frischegemüse erfährt neue Wertschätzung.

Die Corona-Pandemie brachte auch für den systemrelevanten Versorger Reichenau-Gemüse eG einige Herausforderungen mit sich. Nachdem der Einreisestopp für Erntehelfer aus dem EU-Ausland kurz vor dem Start in die deutsche Frischgemüse-Saison 2020 erfolgt war, prägten die umfassenden Anstrengungen zur Pandemieprävention das komplette Anbaujahr bei der Reichenau-Gemüse eG. Dies macht sich nicht nur bei der Genossenschaft, sondern auch bei den einzelnen 60 Mitgliedsbetrieben durch einen überproportional hohen Anstieg der Personal- und Produktionskosten bemerkbar und sorgt für einen hohen Kostendruck.

Die Schließungen der Gastronomie und Hotellerie und in Folge der Rückgang im Großhandel, der auf die Belieferung der Gastronomie spezialisiert ist, brachten für die Reichenau-Gemüse eG einen Umsatzeinbruch mit sich, der glücklicherweise durch gestiegene Umsätze im Bereich Einzelhandel und Wochenmärkte kompensiert werden konnte.

Luftbild von der Insel Reichenau

Trotz fehlender Erntehelfer, temporärer Grenzschließungen und lockdown-bedingter Versorgungsengpässe konnte die Erzeugerorganisation, die aus 60 Mitgliedsbetrieben und 80 Mitarbeitern der zentralen Vermarktungseinrichtung auf der Insel Reichenau besteht, Kunden und Partner im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) durchgängig mit saisonalen Frischeprodukten von der Insel und den Gärtnersiedlungen im Hegau versorgen.

Warenumsatz gestiegen

Der reine Warenumsatz der Gemüsegenossenschaft betrug 28,5 Mio. Euro. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019 (27,8 Mio. Euro) stieg der Umsatz um 2,4 % gegenüber dem Vorjahr. Rund die Hälfte des wertmäßigen Umsatzes stammt aus den Gärtnersiedlungen in Singen/Beuren, Aach und Mühlingen. Trotz fehlender Erntehelfer und damit einhergehend geringeren Ernteerträgen in allen wichtigen Kulturen, konnte die Reichenau-Gemüse eG vor allem zu Saisonbeginn marktgerechte Erzeugerpreise für ihre angeschlossenen Mitgliedsbetriebe erzielen.

Neue Wertschätzung

Eine Entwicklung während der Corona-Pandemie jedoch sieht Johannes Bliestle, Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse eG (Foto oben), mit großer Freude: „Der neue Trend zum Kochen am eigenen Herd führt dazu, dass sehr viele Verbraucher die Zusammenhänge zwischen der Nähe des nachhaltigen Anbaus, einer exzellenten Lieferlogistik über wenige Stunden und topfrische Gemüse-Spezialitäten, sehr oft in Bio-Qualität, entlang des Saisonkalenders neu für sich entdecken und wertschätzen!“

Denn Verbraucher in Deutschland entscheiden sich immer häufiger für Bio-Produkte. Laut einer Befragung zum Ökobarometer 2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (MBEL) kaufen 32 Prozent der Verbraucher häufig Bio-Produkte.

Mehr regionales Bio-Gemüse

Somit sei die Entscheidung, den Bio-Anteil von bereits 40 Prozent  im Jahr 2020 auf 50 Prozent im Jahr 2021 zu erhöhen, nur konsequent und zukunftsweisend, meint Johannes Bliestle. „In Sachen Bio sind wir eine der führenden Erzeugerorganisationen in Deutschland und konnten in den vergangenen Jahren den Bio-Anteil unserer Ware kontinuierlich steigern. Im Jahr 2020 haben wir die Menschen mit vier Millionen Kilogramm hochwertigem Bio-Gemüse versorgt und das fast ausschließlich in Bioland- und Naturlandqualität“, resümiert der Geschäftsführer der Genossenschaft.

www.reichenaugemuese.de