D – Lindau | Mit seiner neuen Sonderausstellung präsentiert das Lindauer Kulturamt zwei Höhepunkte des kulturellen Jahres am Bodensee: Die lebhaften Werke von Friedensreich Hundertwasser, einem der international bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts, und das nagelneue Kunstmuseum am Inselbahnhof.

Bis Ende September residieren die Werke von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) in Lindau. Die Ausstellung in der neuen Spielstätte ist täglich geöffnet. Sie zeigt, unter dem Titel „Friedensreich Hundertwasser. Traumfänger einer schöneren Welt“ 63 Arbeiten des österreichischen Universalkünstlers, dessen Werke so schillernd sind, wie er selbst. Hundertwasser erhielt global Anerkennung für seine Kunst und seinen Einsatz für ein Leben in Harmonie mit der Natur und der individuellen künstlerischen Entfaltung.

HUNDERTWASSER, 690 GREEN POWER, 1972
© THE HUNDERTWASSER NON PROFIT FOUNDATION, VIENNA, AUSTRIA

Sein vollständiger Künstlername, Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt, verrät seine besondere Beziehung zum Element Wasser. Hundertwasser, der Zeit seines Lebens gerne auf seinem Schiff „Regentag“ die Welt bereiste, setzte sich stets für den Schutz der Meere ein. Gerade der Bezug zur Wasserthematik in den malerischen Werken des Künstlers, findet Resonanz in Lindau, als Insel im Bodensee.

Von der Schalterhalle zum Kunstmuseum

Dem Lindauer Kulturamt ist es gelungen, die namhafte „Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung Wien“ als Kooperationspartner zu gewinnen. Sie stellt die Mehrzahl der kostbaren Originale als Leihgaben für die Präsentation in Lindau zur Verfügung. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der umfangreichen Generalsanierung des Stadtmuseums Cavazzen für das Lindauer Kulturamt ein Glücksgriff. Innerhalb von nur sechs Monaten wurde aus der ehemaligen Schalterhalle der Alten Hauptpost in der Maximilianstraße das Kunstmuseum am Inselbahnhof. Ein dunkelbuntes Schmuckstück, geschaffen, um die traumhaften Werke Hundertwassers zu beherbergen. Darüber ist vor allem das Kulturamt hocherfreut, da es so sein jährliches Ausstellungshighlight, das nun in diesem Jahr zum neunten Mal stattfindet und bisher rund 450.000 Besucher angezogen hat, trotz Sanierung des Cavazzen fortführen kann.

769 ANTIPODISCHE INSEL, MIXED MEDIA, 1975, BAHA FINE ART,
WIEN © 2019 NAMIDA AG, GLARUS, SCHWEIZ

Traumfänger einer schöneren Welt

Die Werke von Friedensreich Hundertwasser sind farbenfroh, facettenreich und zeugen von der tiefgreifenden Kreativität einer vielseitigen Künstlerpersönlichkeit. Er agierte als Maler, als experimentierfreudiger Grafiker, selbsternannter Architekturdoktor und Umweltaktivist. Seine Werke entstanden als Ernte seiner Träume. Sein Einfallsreichtum und sein ökologisches Vordenken sind auch in seinen Architekturprojekten sichtbar, die stets auf eine natur- und menschengerechtere organische Bauweise abzielten. Hundertwasser beherrschte und erneuerte viele grafische Techniken, setzte verschiedene Druckverfahren in einem Blatt ein und arbeitete mit Metallfolien oder sogar fluoreszierenden Farben.

So entstanden intensiv leuchtende Werke in sogenannter „Mischtechnik“. Inspiration für seine Arbeiten fand er in jungen Jahren bei Gustav Klimt, Egon Schiele, aber auch beim Malerpoeten Paul Klee. Als Mitglied der internationalen Avantgarde in den 1950er-Jahren in Paris entwickelte er seine einzigartige Bildsprache. Die Ausstellung nimmt vor allem die Werke aus den 1950er- bis 1970er-Jahren in den Fokus, die Hundertwassers intensivste Schaffenszeit repräsentieren.

Seine vielfältigen künstlerischen Tätigkeiten, seine Hingabe zur Natur, zur Ökologie und zum Umweltschutz sind eine hervorragende Verbindung für die beliebten museumspädagogischen Workshops und Führungen, die begleitend zur Sonderausstellung für Schul- und Kindergartengruppen angeboten werden.

© 2019 NAMIDA AG,
GLARUS, SCHWEIZ

Der Kosmopolit Friedensreich Hundertwasser wurde als Friedrich Stowasser am 15. Dezember 1928 in Wien geboren. Bereits mit sieben Jahren wurde ihm ein „außergewöhnlicher Formen- und Farbensinn“ zugesprochen, der sich in ersten Zeichnungen widerspiegelte.

Nach seiner Matura studierte er an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Seit 1949 signierte er seine Werke mit dem Namen Hundertwasser. Diesen leitete er aus der russischen Silbe „Sto“ ab, die übersetzt „Hundert“ bedeutet. In 1950er-Jahren lebte er in Paris und beschäftigte sich neben der Malerei auch intensiv mit dem Thema Architektur, zu dem er mehrere Manifeste verfasste. Ab den späten 1970er-Jahren verlagerte er seinen Wohnsitz nach Neuseeland und entfaltete auf seinem Anwesen seine ökologische Vision, die Rückgabe von Territorien an die Natur.

Im Alter von 71 Jahren starb er bezeichnenderweise auf dem Wasser, auf dem Kreuzfahrtschiff „Queen Elizabeth 2“, während einer Reise von Neuseeland nach Europa an Herzversagen. Er wurde auf seinem Grundstück in Neuseeland im „Garten der glücklichen Toten“ beerdigt.

bis 29.09, täglich 10-18 Uhr
Kunstmuseum am Inselbahnhof
Maximilianstr. 52, D-88131 Lindau
www.kultur-lindau.de

Gruppenführungen, Workshops: +49 (0)8382 26 00 33

Anmeldung öffentliche Führungen (für 14 Uhr möglich): +49 (0)8382 27 47 47 850