Wenn die Rubrik Wohnlandschaft einen aktuellen Trend aufgreift, kann die Rubrik Seeraum ja mal die Frage stellen: Was ist beim Wohnen und in der Architektur eigentlich „gemütlich“?

Für die Architekten ist das kaum ein Thema – da geht es vor allem um Funktionalität und Ästhetik.

Die zukünftigen Bewohner bekommen von ihrem Architekten schon mal den vielzitierten Satz von Günter Behnisch zu hören: „Wenn jemand Gemütlichkeit braucht, soll er sich doch eine Katze anschaffen.“ Der Katze ist es wahrscheinlich egal, wie das Haus aussieht, Hauptsache sie hat irgendwo eine warme, weiche Ecke, und sie kann rausgehen, wenn sie es braucht – das können leider nicht alle.

Durch die Medien, von den Tageszeitungen bis zu „Schöner Wohnen“, geht seit einigen Jahren der „Hygge“-Trend. Seit dem letzten Jahr gibt es sogar eine Zeitschrift mit diesem Namen, die alle Themen behandelt, die mit diesem „dänischen Lebensgefühl“ zusammenhängen: „gut essen, zusammensein, feiern, gemeinsam lachen“ – eine heile Welt der glücklichen Menschen, eingerichtet mit IKEA und Manufactum. Eingeläutet wurde der Trend durch Bücher mit Titeln wie „Hygge – Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“ (Meik Wiking, Lübbe, 2016) oder „Hygge! Das neue Wohnglück“ (Marion Hellweg, DVA, 2017). In Zeiten von Krisen und Katastrophen scheint das eine Fluchtbewegung zu sein.

In solchen Medien sieht man schön, wie man sich „hyggelig“ einrichtet, und das kann man fast überall – oder kommt es dabei auch auf die Architektur an? Wie sehen Häuser aus, die schon von außen die „Hygge“ zeigen? Ist die Gemütlichkeit überhaupt eine Frage von Formen und Materialien?

Beton oder Holz

Mit einer kleinen Umfrage kann man leicht feststellen, dass etwa 97 Prozent der Befragten Häuser aus Holz für „hyggeliger“ halten als Betonhäuser. „Holz isch heimelig“, sagt das Schweizer Holzhandwerk, und ein Schreinerbetrieb aus dem Raum Basel hat sich die Website „holz-isch-heimelig.ch“ gesichert. Aber so einfach ist es nicht, wie der Blick in die einen und die anderen Häuser zeigt. Auch in der vielzitierten „Beton-Schuhschachtel“ kann man sich so einrichten, dass sich nicht nur die Bewohner, sondern auch die Gäste wohlfühlen. Und auch ein ständig bewohntes Holzhaus kann aussehen, als ob die Familie für zwei Monate verreist wäre. Gerade beim Beton gilt der Werbespruch der Betonindustrie: „Es kommt darauf an, was man daraus macht.“

Mauern oder Fenster

Es gibt unter Architekten eine Theorie, nach der man die Menschen (d.h. die zukünftigen Bewohner der Häuser) einteilen könnte in „Höhlenmenschen“ und „Zeltmenschen“ – die einen bräuchten Häuser, die mit soliden Wänden und wenig Fenstern Geborgenheit vermitteln, die anderen bräuchten Häuser, die durch Leichtbau und große Fenster das Gefühl von Freiheit vermitteln. Das ist sehr vereinfacht, aber es zeigt, dass die Bedürfnisse nach Behaglichkeit sehr unterschiedlich sein können.

Höhlen oder Baumstämme

Was man aus Beton auch machen kann, zeigen die Erdhöhlenhäuser, auf die sich der Schweizer Architekt Peter Vetsch seit den 70er-Jahren spezialisiert hat. Es sind Spritzbetonkonstruktionen, der Beton wird also auf beliebig geformte Netzkonstruktionen gespritzt, sodass höhlenartige Räume entstehen, die tatsächlich einen ganz „kuscheligen“ Eindruck machen.

Davon stehen einige auch in der Ostschweiz, z. B. das Haus Gander in Hüttwilen, weitere in Thal-Altenrhein und in Amden. Das sind vielleicht die idealen Häuser für die „Höhlenmenschen“, aber sie sind nur für eine kleine Minderheit geeignet, da sie als höchstens zweistöckige Häuser überdurchschnittlich viel Grundfläche brauchen und erst recht nicht für den Wohnungsbau geeignet sind.

Das „typisch dänische“ Haus gibt es nicht, aber wer weiter nach Norden (oder viel weiter nach Nordwesten) geht, kommt in die Länder der Blockhäuser, die von außen so aussehen, dass man gerne mal reinschaut. Die dicken Stämme sind ja fast so stabil wie massive Betonhäuser, aber viel „heimeliger“. Auf beiden Seiten des Sees haben sich Holzbaufirmen auf diese Bauweise spezialisiert, und vor allem in der Schweiz mit ihren sehr kubischen Neubauten in den Einfamilienhaussiedlungen fallen sie auf, wie hier in Landschlacht.

Eine architektonische Bereicherung der Architekturlandschaft sind sie nicht, aber sicher „hyggelig“. Die Blockhäuser sind ebenso wie die Erdhäuser nicht dazu geeignet, die Wohnungsprobleme in dichtbesiedelten Gebieten zu lösen, deshalb werden wir dieses Thema demnächst wieder aufgreifen.

www.hygge-magazin.de
Vetsch Architektur, www.erdhaus.ch
Koster Blockhaus-Bau, Ennetaach, www.block-hausbau.ch

Text & Fotos: Patrick Brauns