Wenn die Tage wieder länger werden und die Frühjahrsblumen zu sprießen beginnen – dann beginnt in Bregenz die Zeit der Bewegungskunst.

Von März bis Ende Mai können tanzbegeisterte Zuschauer an der Bewegungskunst auf höchstem Niveau teilhaben und den 34. „Bregenzer Frühling“ erleben. Einander verstehen, ohne die gleiche Sprache zu sprechen: Das Medium Tanz kann viel mehr als nur große Säle füllen. Sprachliche Barrieren halten nicht vom Verstehen ab, viel mehr wird der Tanz als Ausdrucksform instrumentalisiert und lässt Tänzerinnen und Tänzer bei dem internationalen Tanzfestival „Bregenzer Frühling“ mit ihrem Publikum durch ausdrucksstarke Bewegungen kommunizieren. Seit Jahrzehnten ist die in der Region einzigartige Veranstaltungsreihe fest mit der Bregenzer Kultur verankert und hat sich längst einen Namen im deutschsprachigen Raum gemacht.

Fünf individuelle Produktionen aus aller Welt bereichern mit Tanzperformances die Bühne des Festspielhauses und verwandeln Bregenz so in ein Zentrum der zeitgenössischen europäischen Tanzkunst. Drei regionale Künstlerinnen und Künstler präsentieren sich in Uraufführungen und repräsentieren die hiesige Tanzszene.

Foto: Ursula Kaufmann

Internationale Choreografien

Das skandinavische Danish Dance Theatre lässt Mythen und Sagen Realität werden: Ihr Tanzstück „Sirens“ behandelt nicht nur den gleichnamigen Mythos des Homer-Epos, sondern konzentriert sich auf die dynamische Wechselwirkung von filmischen Projektionen und eindrucksstarken Choreografien von Pontus Lidberg. Sehnsucht, Kreativität und Einsamkeit spiegeln sich an der Oberfläche der magischen Wasserbilder und lassen Reflexionen zur Problematik zwischenmenschlicher Beziehungen, Kommunikationsproblemen und Isolation zu.

Sharon Eyal und Gai Behar haben mit ihrem „Chapter 3: The Brutal Journey of the Heart” ebenso wie ihre dänischen Tanzkollegen ein Herzensprojekt gefunden. Die L-E-V Dance Company bringt israelische Electric-Clubsounds auf die Bühne und schafft ein minimalistisches Bühnenbild, das sich alleinig durch Lichtspielereien inszeniert. Pulsierende elektronische Musik verdichtet sich zu einer großen Blase voll ekstatischer Energie und treibt so die Bewegungen mit wechselnder Hell- und Dunkelheit voran.

Die Reise durch die Tanzwelt geht weiter und legt einen Halt bei der aus Korea stammenden Jeon Misook Dance Company ein. Mit ihrer Performance „Bow“ schafft Misook einen schier revolutionären Akt gegen den Verhaltenskodex, indem sie die traditionelle koreanische Geste einer Verbeugung umwandelt und diese Verfremdung in einer Choreografie präsentiert. Ein intensiver Reifungsprozess verleiht dem höchst virtuosen Tanzschauspiel einen feinen Duktus und gibt Einblicke in die koreanische Tanzszene.

Einzigartigkeit im Tanz

Man muss nicht das eigene Land verlassen, um Diversitäten im Stil zu erkennen. Die Österreicherin Silvia Salzmann präsentiert ein Tanztheater mit Tiefe. Drei Tänzerinnen und Tänzer bilden eine Symbiose um Salzmann und sprechen mit ihrer Performance „Alles nur Lemminge“ auch die kleinen Zuschauer an. Individualität spielt eine große Rolle in unserer Gesellschaft, doch mit ihr kommt das „Anderssein“. Dass dies nichts Schlimmes ist und jeder einen anderen Charakter, einen eigenen Körper und unterschiedliche Fähigkeiten hat, macht Salzmann in einer Einzigartigkeit vor und will Jung und Alt zum Umdenken inspirieren.

Die französische Compagnie Maguy Marin bringt unter dem gleichnamigen Choreografen mit dem Stück „May B“ eine ebengleiche Besonderheit auf die Bühne. Das auf den Schriften von Samuel Beckett basierende Stück beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit existenziellen Fragen, welche bis heute noch nicht an Aktualität verloren haben. Grotesk grunzende Menschengestalten wabern durch das Bühnenbild – versteckt hinter staubverschmierten Gesichtern finden sie Stück für Stück mehr zu ihrer triebhaften Lust.

David Bowies Musik vereint Generationen und so hat sich die Black Box Company aus Dänemark seinen musikalischen Wiedererkennungswert zu eigen gemacht und sich dem Tanzstück „A Space in the Dark“ unter Ben Wright angenähert. Die Party-Szenerie ist eine Hommage an die Lebendigkeit, aber auch an die Absurditäten im Leben.

Foto: Paul Kolnik

Nah am Menschen

Mick Jagger und David Bowie haben mit ihrem „Dancing in the street“ bereits den Mehrwert des gemeinsamen Tanzens gesehen und so können beim „Bregenzer Frühling“ auch auf öffentlichen Plätzen und in Innenhöfen unterschiedliche Tanzstile und -formate erlebt und ausprobiert werden.

Das österreichische aktionstheater ensemble führt „Das bürgerliche Trauerspiel“ auf und stellt sich der Frage, wann das Leben beginnt. Als Seismograf der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen treffen sie präzise den wunden Punkt mit ihrem Tanz und so lässt Martin Gruber wie gewohnt schamlos, schlau und hochbrisant auftreten.

14.03-23.05.| Bregenzer Frühling, A-6900 Bregenz

Tanzpass-Abo (bis 24.12. 25 Prozent sparen) und Einzelkarten:

Bregenz Tourismus & Stadtmarketing GmbH, +43 (0) 5574 4080 und in allen bekannten Vorverkaufsstellen

www.bregenzerfruehling.com

Text: Leona Remler, Fotos: Paul Kolnik, Ursula Kaufmann

Spielorte und Programm

FESTSPIELHAUS BREGENZ jeweils 20 Uhr

Samstag, 14. März| „Sirens”, Danish Dance Theatre.

Samstag, 04. April|„Chapter 3: The Brutal Journey of the Heart”, L-E-V Dance Company.

Samstag, 18. April|„Bow”,Jeon Misook Dance Company.

Samstag, 02. Mai|„May B”, Compagnie Maguy Marin.

Freitag, 15. Mai|„A Space in the Dark”, Black Box Dance Company.

MAGAZIN 4, Bergmannstraße 6, Bregenz

Freitag, 24. April, 16 Uhr|„Alles nur Lemminge“, Silvia Salzmann und Ensemble.

AUF VERSCHIEDENEN PLÄTZEN IN BREGENZ

Sonntag, 17. Mai| „Dancing in the Street“

THEATER KOSMOS, Maurachgasse 30, Bregenz

Mi, Do, Fr, Sa, 20. bis 23. Mai, jeweils 20 Uhr| „Bürgerliches Trauerspiel: Wann beginnt das Leben?“, aktionstheater ensemble.