D – Konstanz | Sie scheinen wie Pilze aus dem Boden zu schießen: neue Firmen und sogenannte Start-ups. Damit die Jungunternehmer nicht allein auf weiter Flur stehen, greifen Gründerzentren bei Bedarf unter die Arme.

Doch diese Idee ist gar nicht so neu. Das Konzept zur Unterstützung technologieorientierter und möglichst innovativer Neugründungen bewährt sich in der größten Stadt am Bodensee seit 30 Jahren. Jetzt wird das Technologiezentrum Konstanz neu aufgezogen. Und mit ihm ein Quartierszentrum für alle.

„Wir sind in einer stark veränderten Welt und von der Industrialisierung in der Digitalisierung angekommen. Die Frage ist: Wohin geht die Entwicklung?“, so Friedhelm Schaal, Leiter der Wirtschaftsförderung in Konstanz, die rund 4.400 Betriebe betreut. „Strukturen werden sich grundlegend verändern und wir müssen das, was Konstanz auszeichnet, stabilisieren: das Schöne, das Interessante, das hohe Niveau“, so Schaal weiter. Konstanz hatte als eine der ersten Städte in Baden-Württemberg vor rund 30 Jahren ein Technologiezentrum gebaut. Zwischenzeitlich ist der Standort in der Blarerstraße jedoch „suboptimal“: das Gebäude marode, eine Sanierung zu teuer. Bereits seit mehreren Jahren suchten die Verantwortlichen eine Perspektive, hatten aber noch nicht das Richtige gefunden. Jetzt hat sich mit dem ehemaligen Siemens-Areal in der Bücklestraße eine Türe aufgetan.

Das Technologiezentrum Konstanz als Teil des Innovationsareals

Parallel dazu steht in Konstanz das Handlungsprogramm Wirtschaft an: Wie kann eine Stadt sich weiterentwickeln? Was muss eine Stadt tun, um Leistungsfähigkeit zu stabilisieren? Das Programm soll im November vom Gemeinderat verabschiedet werden. Seit einigen Monaten werden in Arbeitsgruppen verschiedene Themen durchleuchtet. Stefan Stieglat, Geschäftsführer des TZK fungiert in der Arbeitsgruppe „Gründung und Vernetzung“ als Sprecher. Daraus resultierend hat sich im Gespräch mit der Vorarlberger I+R-Gruppe, der jetzigen Eigentümerin des Siemens-Areals, eine Chance aufgetan, die es vorher nicht gab. Der neue Standort fordert allerdings ein Umdenken: Ein Teil der Gebäude muss, aufgrund der Stadtlage, einer wohnwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden. Daraus entstand nun die Idee des KINA: das Konstanzer Innovationsarreal.

„Das TZK wird Teil des KINA sein, es ist nicht damit gleichzusetzen“, betont Stieglat. „Das TZK hat eine Anschubsfunktion. Die Firmen sollen sich hier in maximal fünf Jahren zur Marktreife entwickeln, sodass sie auf dem regulären Markt bestehen können. Wir haben erfreulicherweise auch Firmen, die bereits nach zwei Jahren durchstarten.“ Den Ursprung hatte das TZK, wie viele Gründerzentren, im Technologiebereich. Daher auch der Name. Allerdings ist das T zwischenzeitlich obsolet. „Die Entwicklung geht stark in Richtung wissensintensive Dienstleistungen. Also nicht mehr nur Gründungen im reinen Technologiebereich“, so Stieglat. Dennoch wird sich am Namen nichts ändern, da sich „TZK“ etabliert hat. Bislang hat das TZK rund 200 Unternehmen betreut.

Ein attraktives Umfeld

Mit dem Umzug des TZK an den ehemaligen Siemensstandort soll dort ein Innovationsareal entstehen, das als zentraler Treffpunkt in das neu entstehende Quartier zwischen Bücklestraße und Bahnlinie eingebunden ist. „Im Kern besteht das KINA aus einer Fülle an Angeboten für Innovation, Kreativität und Gründung“, erklärt Moritz Meidert, Geschäftsführer des Gründerschiffs. „Die Flächen sollen unterschiedlich bespielt werden: Es wird ein Gründerservicebüro geben sowie einen Accelarator, also ein Starthilfeprogramm für Gründer, die beide an das TZK angedockt sind. Dazu kommen öffentliche Flächen wie in der Shedhalle mit einem Mix aus Gastronomie und Kultur sowie Läden, vom Lebensmitteleinzelhändler bis zum Pop-up-Store, um Leben reinzubringen.“ Die Veranstaltungsflächen sollen eine Angebotslücke, größenmäßig, unter dem Bodenseeforum schließen und für Kunst und Kultur, aber auch für kleine Kongresse zur Verfügung stehen. Als Besonderheit ist zudem ein 3D-Druckzentrum geplant. „Ziel ist nicht nur, ein Innovationszentrum für die Stadt zu schaffen, sondern ein Quartierszentrum für die Leute, die dort leben“, so Meidert weiter. Es geht darum, leben und arbeiten zusammenzulegen.

Shedhalle

Wenn alles glatt läuft, ziehen die ersten Unternehmen im Dezember 2018 in das KINA ein, wobei dieser Zeitplan „sportlich und von gefühlten 25 Millionen Faktoren abhängig ist“, so Meidert. Die Herausforderungen lauten unter anderem Denkmal- und Brandschutz, wobei dies mehr die Shedhalle als das Bürogebäude betrifft. Das TZK selbst wird im Frühjahr 2019 umziehen. Bis Mitte 2020 soll das Areal dann voll belegt sein. Finanziert wird das Ganze zum einen aus Landesfördermitteln, zum anderen hat der Gemeinderat einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 600.000 Euro für Personal, Mieten und Sachkosten bewilligt. In der Summe ist von 11 Millionen Euro in 15 Jahren die Rede, die in diesem Projekt stecken.

Wichtig ist den Machern, dass das KINA Gründer aus dem ganzen Land anzieht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Dienstleistungsinnovationen, den bislang keines der Gründerzentren im Lande bietet. „Wir benötigen einen hohen Umsatz pro Fläche, bereits jetzt haben wir 84 Prozent Dienstleistungsanteil bei der Gewerbesteuer“, so Friedhelm Schaal. Konstanz gilt als Vorreiter in Sachen Gewerbeumsatz pro Quadratmeter. Doch nicht nur Gründer, „auch bestehende Unternehmen sollen von der frischen Atmosphäre im KINA profitieren“, wünscht sich Moritz Meidert.

Es tut sich was rund um den See

Doch nicht nur in der größten Stadt am Bodensee tut sich etwas in Sachen Gründung und Innovation. Mitte Juni hat in Ravensburg das kup., ein gemeinsames Projekt der PRISMA Unternehmensgruppe und der Stiftung Liebenau, eröffnet. In Kooperation mit der Stadt werden individuelle Gründungsprogramme sowie Mietenfördermodelle als Starthilfe für Jungunternehmer angeboten. Ein Coworking-Bereich schafft Raum, in dem kreativ-innovative Unternehmen arbeiten können und gleichzeitig die Möglichkeit für Interaktion und Vernetzung besteht. Das Spezielle: Menschen mit Behinderung arbeiten in dem rund 5000 Quadratmeter großen kup. künftig Tür an Tür mit IT-Entwicklern, Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern, Rechtsanwälten, Architekten und der Wirtschaftsförderung des Landkreises Ravensburg.

Weitere Zentren in der Großstadt Bodensee:

 

www.tz-konstanz.de, www.gruenderschiff.de

Text: Tanja Horlacher

Fotos: Johannes Kaufmann Architektur und Konstanz Invest GmbH; i+R Dietrich Wohnbau GmbH