Er pendelt: Berlin, Hamburg, Köln, München und manchmal macht er auch einen Abstecher an den Bodensee. Durchschnittlich verbringt er rund die Hälfte des Jahres in Hotels und führt dabei ein, wie er sagt, sehr schönes Leben. Der Schauspieler Oliver Wnuk im Gespräch mit akzent über seine Tätigkeiten abseits des Sets und die Frage, was ein erfolgreiches Leben ist.

Wir treffen den 41-Jährigen nachmittags in einem Café in der Konstanzer Innenstadt. Unauffällig gekleidet, weil dunkel Ton in Ton, aber lässig stilvoll mit Jeans, Schiebermütze und Weste. Niemand scheint ihn zu erkennen – und wenn, dann halten sich die Leute dezent zurück. Das hat nicht immer so problemlos funktioniert in den drei Wochen, in denen er mit seiner Familie die Ferien hier verbracht hat. Er strahlt eine angenehme Ruhe aus und meint die Dinge, wie er sie sagt. Obwohl er als Schauspieler auch auf einen gewissen Bekanntheitsgrad angewiesen ist, hat er mittlerweile auch andere Akzente in seinem Leben gesetzt. Und fühlt sich besser als je zuvor.

Bekannt wurde der gebürtige Konstanzer, der heute in Berlin lebt, durch seine Rolle als Ulf Steinke in der Comedy-Serie Stromberg. Nach über 75 Film- und Fernsehrollen feiert er 2017 sein 20-jähriges Berufsjubiläum. Dennoch: „Die absolute Wichtigkeit der Karriere relativiert sich. Etwa durch Schicksale, aber auch durch so schöne Ereignisse wie meine Kinder.“ Wnuk hat aus einer früheren Beziehung eine 13-jährige Tochter sowie mit seiner jetzigen Partnerin Yvonne Catterfeld einen dreijährigen Sohn. „Ich bin in Wollmatingen aufgewachsen. Mit viel Natur und Freiheit. Meine Kinder wachsen nun in der Großstadt Berlin auf – mit viel mehr Eindrücken und Möglichkeiten. Aber ist das besser?“

Großstadt oder Kleinstadt?

„Die Wochen jetzt in der Ferienwohnung am Seerhein waren eine wunderschöne Zeit. Mit Kindheitserinnerungen und guten Freunden.“ Auch Yvonne, gebürtige Erfurterin, hat sich mittlerweile in die Bodensee-Region verliebt. „Sie macht jedes Mal eine Liste, wenn wir hierher kommen, was sie alles am See anschauen möchte“, lacht Wnuk. Am Seerhein hat er zudem noch ein 50 Jahre altes Bötchen liegen, „das ist schon Kult“. Doch trotz aller Euphorie: „Ich bin auch froh, wieder nach Berlin zu kommen.“ Zur Pendelei zwischen der Heimat im Süden und dem Wohnsitz in der Hauptstadt kommen noch 150 bis 200 Tage pro Jahr im Hotel. Wo möglich, nimmt er seine Familie mit. Beim Dreh der Folgen der ZDF-Reihe Nord Nord Mord auf Sylt hat er dafür ein Ferienhaus gemietet, um alles unter einen Hut bzw. ein Dach zu bekommen. Was sich stressig anhört, beschreibt Wnuk allerdings als „mein perfektes Leben“, in dem er den richtigen Mix aus Groß- und Kleinstadt gefunden hat. Die Entwicklungen in der „Großstadt Bodensee“ verfolgt er mit: „Ich finde es gut, dass akzent den Großstadt Bodensee-Gedanken lebt, denn man darf sich nicht selbst im Kopf isolieren, nur weil der See dazwischen liegt …“

Was ist Glück?

Seine Lebensereignisse haben ihn letztlich auch dazu gebracht, sich gedanklich mit der Aufarbeitung von Themen abseits des Schauspiels zu befassen. So etwa die Frage „Was ist Glück?“. Ein Thema, das ihn schon viel umgetrieben hat. „Ich habe viele erfolgreiche Menschen getroffen, die trotzdem unglücklich waren. Trotz Erfolg und Geld. Irgendwann habe ich erkannt, dass man das Glück in sich suchen muss. Man muss sich die Frage stellen, was ist relevant? Und letztlich sitzt man selbst an der Bremse, wenn man Dinge nicht umsetzt oder sein Leben nicht ändert.“ Dass das Leben ein Gestaltungsspielraum ist, hat Wnuk längst erkannt und handelt danach. Dazu gehört auch eine gewisse Form des Minimalismus. So hat er beispielsweise kein Auto mehr. Er findet es immer sinnvoller, sein Geld für Erlebnisse auszugeben: „Da sind mehr Emotionen im Spiel, Erlebnisse bleiben tiefer in Erinnerung. Im Umkehrschluss tausche ich ja auch bei der Arbeit Lebenszeit gegen Geld.“

Aus der Frage nach dem Glück und was ein erfolgreiches Leben ist, entstand auch seine szenische Lesung „Der Sinn des Lebens in 20 Minuten“, mit der er unter anderem im vergangenen Jahr das Bodenseeforum eröffnete und an der Friedrichshafener Zeppelin Universität sprach. Im Mai dieses Jahres hat er beim Evangelischen Kirchentag vor 55.000 Menschen am Brandenburger Tor darüber gesprochen, wie durch tiefes Zuhören aus Empathie wahres Mitgefühl entstehen kann. Reden halten und auch Bücher schreiben ergänzen seit einigen Jahren seine Tätigkeit als Schauspieler. Zwei Romane hat er bislang geschrieben. Sein jüngster Roman „Luftholen“ spielt sogar zum größten Teil in der Bodenseetherme Konstanz.

In den nächsten Wochen wird das kleine schwäbische Bad Wimpfen zu seiner vorrübergehenden Drehheimat. Eine Komödie für ARD/SWR darüber, wie ein kleines schwäbisches Dorf eine Bankenkrise auslöst. Ab Oktober geht es wieder nach Sylt fürs ZDF zum „Nord Nord Mord“-Dreh. Eine Reihe, in der er seit sieben Jahren den pedantischen Kommissar Hinnerk Feldmann gibt. In den vergangenen Jahren hatte die Reihe bei jeder Ausstrahlung nie weniger als sieben Millionen Zuschauer. Ein großer Erfolg. Doch Oliver Wnuk denkt in anderen Kategorien. „Erfolg ist, wenn man sich darüber bewusst wird und akzeptieren kann, wie großartig man eigentlich schon als solches ist, ohne irgendwas sein oder tun zu müssen. Das nimmt schon ziemlich viel Stress raus.“

www.oliverwnuk.de

 

Text: Tanja Horlacher

Foto: Christian Hartmann