D – Konstanz | Knallrote Kapuzenjacke, Blumenstrauß in der rechten und Scheck in der linken Hand: So ist Giuliano Lenz ausgestattet, wenn er den Gewinnern der Postcode-Lotterie ihre Preise überreicht. Im Interview erzählt der Konstanzer Moderator wie er zur Lotterie kam, was für ihn dabei wichtig ist und dass er die schwäbische Küche liebt.

Für die Übergabe eines Gewinnerschecks musste der Konstanzer jüngst nicht weit fahren: In Stetten am kalten Markt im Landkreis Sigmaringen hatte ein Bundeswehrsoldat und alleinerziehender Vater von drei Kindern 10.000 Euro aus der noch jungen Lotterie gewonnen.

Glücksbote Giuliano Lenz ist für verschiedene Fernseh- und Werbekampagnen, als Moderator von Veranstaltungen und als Model tätig. Die Postcode-Lotterie repräsentiert er seit Oktober 2016. Der soziale Aspekt spielt für ihn dabei eine wichtige Rolle, erzählt er im Interview mit Hinweis darauf, dass 30 Prozent jedes Loses an gemeinnützige Projekte in der Nähe der Teilnehmer gehen.

 

Giuliano, seit wann bist Du Moderator der Deutschen Postcode Lotterie und wie ist es dazu gekommen?

Das ging alles sehr schnell. Es fing an im September 2016. Damals las ich, dass die Postcode Lotterie einen Moderator sucht. Ich konnte mir da wenig drunter vorstellen, weil die Soziallotterie ja neu in Deutschland war. Ich habe ein Video von mir geschickt und bin dann zum Casting nach Düsseldorf gefahren. Das war eine tolle Zeit, und kurze Zeit später kam der Anruf und die Frage, ob ich mir das vorstellen kann. Da habe ich sofort zugesagt. Und im Oktober war dann schon der erste Dreh mit einem Gewinner, den ich Zuhause überrascht habe.

Was genau ist dein Job als Moderator?

Die Gewinner werden immer am ersten Donnerstag im Monat gezogen. Dann wissen wir, wo sie in Deutschland leben. Wir kontaktieren sie und fahren mit Kameramann und Fotograf zu ihnen nach Hause. Dort überraschen wir sie dann. Sie wissen zwar, dass sie gewonnen, aber nicht wieviel. Ich gehe dann mit einem dicken Scheck und einem schönen Blumenstrauß an die Tür, klingel und überrasche sie. Das ist ein sehr schöner Moment, da wir nie genau wissen, wie die Gewinner reagieren. Manchmal passiert es, dass sie kein Wort sagen können. Manchmal schreien sie vor Freude oder vergießen eine Träne. Das ist sehr emotional.

 

Ist Dir ein Moment besonders in Erinnerung geblieben?

Auf jeden Fall. Das war einer der ersten Gewinner im Oktober, die ich überrascht habe. Ein Frührentner, der Rückenprobleme hatte. Ich durfte ihm einen Scheck über 250.000 Euro überreichen. Er konnte es nicht glauben, er hatte sofort Tränen in den Augen. Das war ein sehr bewegender Moment. Auf Youtube ist das eines der meist gesehenen Videos. Das allererste, was er dann sagte, war, dass er in den Baumarkt fahren möchte, um sich Werkzeug zu kaufen. Er erzählte dann, dass er bei der Postcode Lotterie mitgemacht hat, weil er anderen Menschen helfen und etwas abgeben möchte. Meine Erfahrung mittlerweile ist, dass gerade die Teilnehmer, die am wenigsten haben, mitmachen, weil sie anderen Menschen etwas Gutes tun möchten.

Wie wichtig ist für Dich der soziale Aspekt, der bei der Deutschen Postcode Lotterie eine entscheidende Rolle spielt?

Sehr. Ich habe drei Jahre als Rettungsassistent gearbeitet. Und nun als Moderator für den weltweit größten privaten Fundraiser zu arbeiten, ist eine Ehre. Vor allem, weil regionale Projekte unterstützt werden. 30 Prozent eines jeden Loses gehen an gemeinnützige Projekte in der Nähe der Teilnehmer. Das bedeutet: Wer in Baden-Württemberg ein Los kauft, der unterstützt Projekte in Baden-Württemberg. Hessen unterstützen Projekte in Hessen und so weiter. Für viele unserer Teilnehmer ist das Gewinnen einer hohen Geldsumme das i-Tüpfelchen.

Warum ist es in der heutigen Zeit so wichtig, sich sozial zu engagieren?

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das sieht man nicht nur im Ausland, sondern auch hier in Deutschland. Ich finde, die Leute, die mehr haben, sollten sich noch mehr engagieren. Der Politik die alleinige Verantwortung zu überlassen, funktioniert nämlich nicht. Ich finde die Frage spannend: Was kann ich selber tun, um etwas zu verändern, in meiner Gemeine, in meinem Dorf, in meiner Stadt, in meiner Region? Es gibt so viele Projekte, die vom individuellen Engagement abhängig sind und nicht ohne funktionieren, weil sie vom Staat keine Unterstützung erhalten. Denn ist es ja so: Am Ende profitiert die Gemeinde von dem Engagement – und damit alle.

Nun überraschst Du zum ersten Mal einen Gewinner in der Region, in der Du aufgewachsen bist. Ist das etwas Besonders für Dich, in Stetten am Kalten Markt zu sein?

Auf jeden Fall. Ich kenne die Strecken vom Motorradfahren sehr gut (lacht). Ich freue mich sehr, auf der Schwäbischen Alb zu sein. Je mehr Gewinner und Teilnehmer wir hier in der Bodensee-Region haben, desto mehr soziale Projekte können wir fördern. Das ist großartig. Und vor allem: Hier verstehe ich den Dialekt am besten und mein „Sch“ fällt hier nicht so auf (lacht).

Beschreibe die Menschen hier in der Region.

Was typisch ist, ist „Schaffe, schaffe, Häusle baue“. Das Schwabenländle ist einfach dafür bekannt. Und Spätzle natürlich. Ich liebe die Küche. Für mich ist der Humor ein ganz besonderer, recht sarkastisch. Ich fühle mich richtig wohl hier. Das ist für mich Heimat. Ich beschreibe den Menschenschlag hier in der Region als lebensfreudig, aber sparsam (lacht).

Ein Blick in die Zukunft. August, 2018. Wo stehst Du dann und was wünschst Du Dir?

In einem Jahr wird die Deutsche Postcode Lotterie noch bekannter sein. Nicht nur hier in der Region, sondern deutschlandweit. Bis dahin wird sich die Anzahl der Projekte, die wir dank des Engagement unserer Teilnehmer fördern, vervielfältigt haben. Und ich wünsche mir, dass der Gewinner, den wir dann überraschen wollen, schon vorher Bescheid weiß, weil unser Besuch mit Kamera und Team im ganzen Dorf Gesprächsthema ist.

Und vielleicht schreibst Du dann auch Autogramme…

Auf die Schecks (lacht). Wenn das hilft, dass mehr Leute auf das einzigartige Konzept der Deutschen Postcode Lotterie aufmerksam werden, dann gerne.

Ich habe gesehen, dass Du bei Instagram mittlerweile eine eigene Fanpage hast.

Ja. Vor einiger Zeit schrieb mich eine Frau auf Englisch an und fragte, ob sie eine Fanpage erstellen kann. Ich antwortete ihr, dass dies natürlich gerne tun könne. Ich habe sie gefragt, warum sie das tun wolle. Sie schrieb mir, dass ihre Mutter in Hamburg lebt und sie mich in der Fernsehwerbung gesehen hat und seitdem Fan von mir ist.

Giuliano, vielen Dank für das Interview.