Mist verbreiten wird nicht nur auf dem Land immer beliebter.

Leider nicht nur zur Fasnachtszeit treiben selten dämliche Narren ihr Unwesen. Stellvertretend hierzu der mal wieder (übrigens seit 2015) umhergeisternde Islam-CD-Hoax, wahlweise per Facebook (panik)verbreitend, gern auch per Whatsapp:

Achtung: Es werden Umschläge in Briefkästen verteilt. Der Inhalt ist eine CD mit Liedern und Aussagen aus dem Koran. Die CD ist mit chemischer Substanz bearbeitet, die die Atemwege lähmen. Nicht öffnen und sofort die Polizei informieren. In Singen/Stockach/St.Gallen/Bregenz/Ravensburg (zutreffendes jeweils bitte ankreuzen) sind betroffene Menschen bereits im Krankenhaus. Bitte weitersagen …

In allen derart und auch anders gelagerten gutgemeinten Warnungen, die liebe Freunde besorgt und unbedacht weiterverschleudern, ist nix dran. Garnix! Zweifler tun gut daran, einfach auf z.B. www.mimikama.at unter dem jeweiligen Schlagwort nachzuschlagen – zu staunen und zu lernen (die Idiotie-Entlarvungs-Plattform Mimikama ist übrigens mit das Beste aus Österreich!). Also erst checken, dann weiterverbreiten, logo?!

Verursacher solcher Massen(idiotie)mails beabsichtigen übrigens meist nur eines: Verunsicherung auf Kosten Dritter (meist Minderheiten, oder hier mal wieder pauschal „dem Islam“). Es geht also um Stimmungsmache und Manipulation. Und oft auch um Wichtigtuerei.

Denn wenn sich früher Nachrichten schnell verbreiteten, handelte es sich um Eilmeldungen, die aus einer Redaktion stammten: TV, Zeitung, Radio – also gegengecheckte und recherchierte „Breaking News“. Heute sind die News, die allzu gern über Facebook geteilt werden, dagegen tatsächlich zum „brechen“ … unreflektiert, unrecherchiert; Hauptsache schnell weiterverbreitet und meist sogar weiterverbreitert (aus zehn Toten sind halt mal – blöde Nullen! – einfach in der Eile 100 geworden). Die Folge: Panik im virtuellen Freundeskreis. Gegencheck: Würde man sowas realen Freunden antun?!

Bestens zu beobachten übrigens bei leider immer wiederkehrenden (und in der Region gottseidank eher glimpflich ausgehenden) Amok-Alarmen. Quasi zeitgleich mit dem Rauchmelder vernebeln Besserwisser die Umwelt mit Fake-News. Spätestens, wenn dann hysterische Mütter fußgängergefährdend mit Vollgas durch die Städte rasen, um „ihr Kind aus vermeintlichen Bedrohungslagen“ retten zu wollen, wenn besagte Kinder ebenfalls aufgeschreckt durch derlei „Face-News“ unterm Tisch zitternd ihre „vielleicht letzte Mail an Mami“ verschicken, kann man nachvollziehen, was solch Unfug anzurichten vermag. Übrigens alles bereits passiert hier in der Region – und das leider nicht selten. Beim Gülle- & Mistverbreiten haben die Städte mittlerweile gegenüber ländlichen Regionen die Nase vorn …

Markus Hotz

Herausgeber

Alle „historischen“ Intros übrigens auch zum nachlesen und weitersenden online unter www.akzent-magazin.com/intro