„Schweizer an deutschen Unis benachteiligt“, wehklagte Mitte Januar das St. Galler Tagblatt; die Thurgauer Kollegen toppten dies einen Tag später mit der SVP-Forderung, die als Überschrift beleidigt dagegenhielt: „Deutsche sollen mehr fürs Studium zahlen“. Beides dämlich und vor allem irreführend. Aber in Zeiten eines stärker werdenden Nationalismus‘ macht man so halt wenigstens noch Schlagzeile …

Tatsache ist, dass das klamme Baden-Württemberg für Bildung und Unis dringend Geld braucht; darum hat man Studiengebühren im Auge. Zwar nicht für Einheimische, denn so weit mag man bei der grünen Regierungsmehrheit nun doch nicht gehen. Aber bei „Nichteuropäern“, äußerte bereits 2013 die grüne Parteiführung Verständnis, „könne man doch davon ausgehen, dass wer hierherkomme, nicht gerade aus armen Verhältnissen stamme“. Zwar hatte man wohl eher Asiaten im Blick, aber für Schweizer mag das allemal gelten. Wir halten also fest, dass ein über Jahrzehnte derart verarmtes Baden-Württemberg sich Linderung erhofft, indem der Zugang zu den Universitäten Baden-Württembergs für wenige Hundert Nicht-EU-Bürger künftig Geld in die Kassen sprudeln lässt. In allen (!) anderen 15 Bundesländern übrigens nicht, und darum, liebe Tagblatt-Journalisten, wären „Schweizer nicht an deutschen, sondern – wenn überhaupt – an baden-württembergischen Unis benachteiligt“.

Dass gerade die St. Galler Zeitung derart jammert ist umso erstaunlicher, langt doch die dortige HSG bei den Uni-Gebühren schweizweit am kräftigsten zu – gerne bei Schweizern (SVP, wo bleibt der Aufschrei?), noch lieber aber bei „Ausländern“. Die berappen allerdings überall in der Schweiz seit jeher deutlich mehr fürs Studium als Eidgenossen. Mit über 6.000 Franken für die HSG ungefähr viermal so viel wie die 1.500 Euro, die Baden-Württemberg nun etwa in Konstanz (gegen die Proteste der dortigen Uni!) erheben wird. Erst 2014 wurde übrigens der Zuschlag für Ausländer schweizweit angehoben – „zufälligerweise“ um etwa 1.500 Franken.

Trotzdem schmerzt der neue Plan wohl doppelt: „Für EU-Bürger und Flüchtlinge fallen weiterhin keine Kosten an“, vermerkt das Tagblatt denn auch weinerlich. Die gemeinsam organisierten Studiengänge der PH Kreuzlingen und der Uni Konstanz sind vom Gebührenzuschlag übrigens ausgenommen, wie auch alle bereits eingeschriebenen Studenten.

Trotzdem fordert die SVP lautstark, dass als Reaktion jetzt die Schweizer Hochschulen die Gebühren für deutsche Studenten anheben müssten. Dass die SVP ungern differenziert und obendrein nur rechnen kann, wenn es um eigene (nicht mal Schweizer) Vorteile geht, zeigt sich hier wieder eindrücklich: Alle Deutschen – nicht nur Baden-Württemberger – sollen zahlen, und dass die Schweiz seit jeher mehr von Ausländern einfordert und 2014 erst aufschlug – augenwischender Schwamm drüber. Schließlich hat sie ja erreicht, was sie wollte: Schlagzeilen!

An der HTWG in Konstanz wird das Bonmot eines Professors kolportiert: „Natürlich wollen alle Hochschulen nur die besten Studenten … aber wir haben nur Sie!“ Gilt auch für SVP-Politiker und manchen Journalisten hier in der Großstadt Bodensee …

Markus Hotz

Herausgeber