Mit moderner Technik lässt sich ja bekanntlich leicht ein Kunde erreichen und binden – wer allerdings lieber „ungebunden“ agiert, erlebt Abenteuer.

Neulich wollte ich für ein Kundenmeeting kurz Angebot und Öffnungszeiten eines hippen Restaurants am See checken, aber online hatten die nichmal ’ne eigene Homepage – sondern sich nur auf Facebook und Tripadvisor verlassen. In der Tat: „verlassen“. Ergo totale Abhängigkeit von Drittanbietern, deren Absichten mehralsbekanntermaßen nicht unbedingt die eigenen sein müssen.

Noch dämlicher ist, dass man die eigenen Kunden faktisch zwingt, sich bei einfachsten Infoabfragen den Datenkraken auszuliefern, was allerdings die Wertschätzung dem Gast gegenüber auch verdeutlicht: Ihrseidmirdochegal! Aber dann auf der Menükarte sowas von „totaaal nachhaltig“ faseln und – klaro, auch grad hip! – den Kauf frischer regionaler Produkte hervorheben (übrigens gleich neben Fritz Kola aus Hamburg!). Nachdenken wird gerade bei stylishen Läden nicht immer nachgehalten …

Allerdings kommt man auch an so manchem Hoteltresen ins „Nachdenken“: Wenn man etwa in bester Seelage buchen möchte, sich im Netz informiert (natürlich auch auf der hauseigenen Homepage) und dann – statt bei einer der beutelschneidenden, datensammelnden Platt(!)formen zu buchen – zum Oldschool-Hörer greift und anruft, um vor Ort das Zimmer zu ordern, allerdings erstaunt erfahren muss, man möge doch lieber über „die Plattform buchen, denn da ist es günstiger als direkt“. Geht’s noch?! Die Hoteliers jammern bei jeder (öffentlichen) Gelegenheit über „totale Abhängigkeiten, exorbitante Provisionszahlungen und mühsame Abwicklungsbürokratie bei Internet-Buchungsplattformen“, doch statt dem „realen“ Gast wenigstens den gleichen Zimmerpreis zu geben (und sich die Provision zu sparen!), wird er vom Tresen ins World Wide Web geschickt? Und – jetzt wird’s ganz lustig! – das passiert sogar beim spontanen Verlängern vor Ort im Hotel. Sowas von trivaNOgo!

Und ich erinnere mich in dem Kontext sehr belustigt, wie ich durch den Schwarzwald fuhr und spontan „gut essen gehen wollte“. Online war auf jeglicher Plattform wirklich nur Schrott zu finden, gekaufte Einträge mit offensichtlichem PR-Sprachmüll („herrliche Aussicht, feine Speisen, erstklassige Weinkarte“ – wer das (weiter)liest ist doof!), peinliche Restaurantempfehlungen als Horror-Tripadvisor, und ein ordentlicher Gastroführer – der in Print (und darum auch online!) was taugt – war nicht zu finden. Dass der Schwarzwald dennoch als Vorzeigeregion in Sachen Marketing gilt, mag man wirklich kaum glauben. Auch da ist man dann formhalber platt …

Markus Hotz

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