Im historischen Zug mit schnaufender Dampflok rund um den See – dieses wirklich einmalige Erlebnis gibt es nur diesen Mai. Auf zurückgebliebenen Strecken mit veralteter Zugtechnik (also quasijetztschon historisch) – das haben wir allerdings tagtäglich.

Eine S-Bahn rund um den See – davon träumen Initiativen und ÖPNV-Freunde seit Jahrzehnten. Doch während selbst auf der Autobahn die Elektrifizierung im Vergleich rasend voranschreitet, bleibt die Bahn hier irgendwie auf dem Abstellgleis. Keine durchgängige Elektrifizierung macht einen umständlichen Umstieg auf Dieselloks notwendig, und dazu geben die immer noch bestehenden Engpässe, an denen nur auf einem Gleis gefahren werden kann, der Vision „Bodensee-S-Bahn“ den Rest: der Zugverkehr am See ist in der Tat eine „Ein-Bahn-Straße“. Schade drum.

Wie bequem wäre es gerade jetzt zur gästeintensiven Sommerzeit, einfach um die Pfütze herum zu fahren, am Stau-See vorbei?! „Durch den schrittweisen zweigleisigen Ausbau könnte die Kapazität für den Schienenverkehr bis auf das Zwanzigfache gesteigert werden“, rechnet die „Initiative Bodensee-S-Bahn“ denn auch vor und bedauert, dass „die Beseitigung der eingleisigen Engpässe“ als „notwendige Voraussetzung, um in der Bodenseeregion künftig erheblich mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, seit Jahrzehnten nicht vorankommt. Zwischen Stahringen und Lindau, also am gesamten Nordufer, zuckelt die Bahn eingleisig: Kein Wunder, dass man bei der Deutschen Bahn den Slogan „Die Bahn kommt“ abgeschafft hat. Das Vorhaben scheitert übrigens an 61 Millionen Euro, die Land und Bund seit Jahrzehnten gemeinsam nicht aufzubringen in der Lage sind. Und man darf ruhig nachfragen, wer davon die längste Zeit in Bund und Land regiert hat?! Für den Ausbau der Straßen verfügen Land und Bund dagegen über gut 900 Millionen Euro, die bis 2030 am See verasphaltiert werden können – auch eine Form von „Schwarzgeld“.

Auf österreichischer und vor allem schweizerischer Seite wird allerdings längst munter weiter verdichtet und vertaktet – ein eigens ohne Deutschland aufgegleistes Projekt hierzu, das auf Ministerebene erarbeitet wird, bezieht unter dem Namen „S-Bahn FL.A.CH“ lieber Liechtenstein mit ein. Das deutsche Ufer bleibt erklärtermaßen Jahrzehnte auf dem Abstellgleis. Ihr(e) Zug(kunft) endet hier!

Also drehen wir im Mai die Uhren bewusst noch weiter zurück und fahren in zwei historischen Loks um den See (siehe Artikel „Bodensee unter Dampf“) und leben ein wenig in der Vergangenheit. Genau wie die meisten ÖPNV-Verantwortlichen am deutschen Ufer …

Markus Hotz

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