… strahlen die Sterne umso heller! Tun sie übrigens grenzenlos …

Gerade wurden die neuen Michelin-Sterne und Gault Millau-Hauben und Mützen am See in der Spitzengastronomie verteilt. Während der Gault Millau lieber Auflage macht und darum jedes Jahr dafür sorgen muss, prosaisch-reißerisch Köche auf- oder abzuwerten, bietet der Michelin mit seiner Bewertungssymbolik fast schon stoische Wertbeständigkeit – und dafür die deutlich kleinere Auflage. Man sieht: Qualität setzt sich zwar oft durch, wird aber nicht unbedingt mit Mehrumsatz belohnt. Gilt übrigens auch in der Gastronomie selbst …

Wie die Tester die internationale Region bewerten, finden Sie natürlich wieder auf unserer Rubrik seezunge in diesem akzent: Als größte und älteste Gastro-Redaktion am Bodensee fühlen wir uns verpflichtet, Ihnen einmal im Jahr „die Sterne vom Himmel“ zu holen. Wenigstens wir.

Ein Armutszeugnis indes bleibt, wie die Tourismus-Vertreter in der weitläufigen Region die Top-Gastronomen unterstützen: nämlich gar nicht. Sie werden irgendwie „hingenommen“ – von „wahrgenommen“ zu sprechen, wäre deutlich übertrieben.

Vorarlberg bildet (wie so oft) eine Ausnahme: Hier wird Spitzengastro als Standort- und Marketingvorteil intensiv genutzt – gerade startet Vorarlberg Tourismus eine Millionen schwere Qualitätskampagne. Kein Wunder also schielt man etwas von „oben“ herab auf den See, was allerdings auch der Tatsache geschuldet ist, dass in den Skigebieten auf dem Arlberg kulinarisch mehr geboten ist: Aufm Berg ist man bekanntlich den Sternen näher. In Konstanz hat die Stadt jüngst erst Bertold Siber – dem allerersten See-Sterne-Gastronomen überhaupt – für seine jahrzehntelangen Verdienste um die Top-Gastronomie in Stadt und Region eine Ehrung zuteilwerden lassen. Immerhin!

Zu Sternen schaut man bekanntlich auf: Daher orientiert sich die „gute“ Gastronomie gerne an der „besseren“, das „Gute“ ist hier eher „Freund“ denn „Feind“. Ganz so wie Spitzensportler als Ansporn für die anderen im Verein fungieren, vermag ein Top-Gastronom über alle Segmente hinweg bis zum Würschtle-Bräter zu motivieren. Frei nach dem Motto „Das kann ich auch“ wird beim Hauben-Kollegen vorbeigeschaut und nachgekocht oder zumindest am heimischen Herd etwas „nachgewürzt“. Und so haben alle was davon, wenn „oben“ das Orientierungslicht brennt.

Apropos „alle“: Die verschiedenen Gastroführer werten allesamt national, daher wird die weitere Bodenseeregion nie in ihrer Gänze als Gourmet-, sondern immer nur als mehr oder minder spannende Randregion wahrgenommen. Gemeinsam gewertet ist der Bodensee aber schon seit über 20 Jahren (eben seit wir das beobachten und zusammenfassen!) eine der besthonorierten – ‚tschuldigung! – „Fressregionen“ Europas.

Nur haben das vor allem die eigentlich für Regionalmarketing Verantwortlichen leider noch nicht alle „gefressen“…

Markus Hotz

Herausgeber