Früher konnte man sich mit nur einer „Karte“ am See gut zurechtfinden – der Landkarte. Heute verirrt man sich eher mit den vielen neuen „Karten“.

Grad hat das jüngste Karten-Experiment – die Echt Bodensee Card – einen juristischen Dämpfer erhalten. Mit viel Horrido und zu viel Hauruck wurde sie mal wieder von übereifrigen Landräten in den Tourismus-Markt gedrückt. Mit Aufschlägen auf Kurtaxen und dem Zugriff auf die wertvollen Daten der Gäste sollte sie dereinst lukrativ werden. Blöd nur, dass die Gastgeber vor Ort ihre Gäste nicht zum Datenexhibitionismus zwingen wollten; doof auch, dass nicht alle Gemeinden begeistert mitmachten – die, die dabei waren, zeigten sich teils auch eher verhalten. Nun steigen sie nach dem juristischen Debakel eine nach der anderen aus, das „Karten-Haus“ fällt in sich zusammen. War schon die Gründung der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH als Reflex auf das jeweils eigenständige schweizerische und österreichische Vermarktungs-Kleinklein fragwürdig, ist mit der Aktion noch mehr Steuergeld und jede Menge Engagement und Goodwill der mitwirkenden Menschen vernichtet worden.

Einzig Konstanz zeigt sich hier vorrausschauend vernünftig: Beim rein deutschen Touri(nationali)smus wollte man sich von vornherein nicht beteiligen, mit der IBT – der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH –, bei der eigentlich alle Player seeumspannend mitwirken, sei die Vermarktung des Bodensees in den richtigen Händen. Ist ja auch nicht auszudenken, wenn alle Organisationen vielleicht mal in die große Idee die gleiche Zeit und dasselbe Engagement investierten wie in ihre Kirchturm-Politur – statt in ihre kleine Welt! Man könnte direkt was bewegen …

Oder ist einem internationalen Gast „echt“ vermittelbar, dass es neben der Echt Bodensee Card, noch zwei Bodensee-Erlebnis-Karten (Sommer und Winter), eine Bodensee-Vorarlberg Freizeitkarte, deren Pendant auf Schweizer Seite, eine Verkehrsverbund Hegau-Bodensee Karte, die bodo-Card der Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbundgesellschaft mbh, eine Thur(gau)Bo(densee)-Karte, eine VDU Bodenseeschiffskarte und viele weitere tolle hachwiedringendbrauchichgenaudiese Karten gibt, von Tourimusorganisationen, Verkehrsmittel-Anbietern und Gästevermarktern an allen Uferteil(ch)en. Und dieses Kartensammelsurium kann oft genau eins: Überall gibt‘s Eintritte für die großen und kleinen Attraktionen für Gäste günstiger – natürlich jeweils „nur mit dieser Karte“

Echt?

Markus Hotz

Herausgeber

 

Alle „historischen“ Intros übrigens auch zum nachlesen und weitersenden online unter www.akzent-magazin.com/intro